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Heimspiel 400 Kilometer flussaufwärts

Viel Neues von Bap und ein paar Klassiker - Am 3. Juli auf dem Gaffenberg

Von Matthias Stolla
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Heimspiel 400 Kilometer flussaufwärts
„Ich will hier gar nicht wieder weg“: Folglich rockten Wolfgang Niedecken und Bap drei Stunden und 20 Minuten lang im badischen Neuried-Altenheim, fern der Kölschen Südstadt.Foto: Matthias Stolla

Neuried - Für einen Moment hat es Wolfgang Niedecken dann doch bereut: „Oh Gott, wo spielen wir?“ Der Kölschrocker sah die Schlagzeilen schon vor sich: „Bap rockt im Altenheim“ - grammatikalisch nicht ganz korrekt und dennoch unwiderstehlich für Journalisten.

Aber was tut man nicht alles als Band, die nicht zuletzt von der Nähe zu ihren Fans lebt? Ein Auftritt in der Mehrzweckhalle von Neuried-Altenheim zum Beispiel. Das komplett ausverkaufte Konzert geht auf das Konto von Christian Messerschmidt. Der 45 Jahre alte Jugendhausleiter der Gemeinde betreut seit fast genau zehn Jahren eine Fan-Homepage (www.bap-fan.de), die im von der Band selbst unwidersprochenen Ruf steht, aktueller zu ein als die offizielle Seite.

Selige Augen

Der Chrischi ist Fan durch und durch und hat Niedeckens Truppe in die badische Provinz geholt. Fast eine Woche lang hat die Band in der Halle für die anstehende Tour geprobt und Chrischi die Woche seines Lebens beschert: „Ich bin hier der Runner“, sagt er, und seine Augen leuchten. Seliger kann ein Mädchen für alles kaum sein. Auch Wolfgang Niedecken fühlt sich 400 Kilometer rheinaufwärts von der Südstadt entfernt fast wie Zuhause. „Ich will hier gar nicht wieder weg“, sagt er nach dem Soundcheck. Folglich rockt der kölsche Fünfer drei Stunden und 20 Minuten lang.

Weil Neuried ein „Heimspiel“ vor richtigen Fans ist, wagt die Band in diesem besonderen Konzert den großen Wurf und bietet jede Menge neue Songs: „Hühr zo, Pandora“, „Et ess, wie't ess“ und viele mehr - die Neurieder sind Versuchskarnickel.

Wie die Zeit vergeht Augen- und Ohrenweide ist die bezaubernde Anne de Wolff, die als Gast die Band mit Stimme und Gesang unterstützt. Locker und geschmeidig geht das, ein paar technische Tücken wie stumme Mikros oder ausgesteckte Kabel fallen da kaum ins Gewicht. Verblüffend, wie wenig Klassiker sich ins Programm verirren: „Kristallnaach“, „Frau ich freu mich“, „Do kanns zaubere“ und das unvermeidliche „Verdamp lang her“ etwa.

Noch verblüffender, wie schnell die Zeit vergeht, wie nahe das Publikum in Neuried der Band auch bei neuen Songs steht. Zumindest die meisten. Im Foyer sammelt sich ein Häufchen Unzufriedener. „Das ist nicht mehr Bap“, schimpfen sie, „viel zu anspruchsvoll“. Die inzwischen auch schon zehn Jahre alte neuste Bap-Besetzung ist tatsächlich die musikalisch versierteste, die neuen Songs sind geschliffener, die Soli von Gitarre und Orgel klingen eher nach internationalem Parkett als nach Kölner Straßenpflaster.

Bap sind längst eine Rockband und keine Musikerkommune mehr. Was vom einstigen Charme bleibt, sind Mundart und Inhalte. Niedecken singt immer noch, was ihn bewegt: über Kindersoldaten in Uganda („Noh Gulu“), oder die Geschichte vom englischen Leuchtturmwächter auf den Falkland-Inseln, der den durchgefrorenen argentinischen Invasoren erst einmal Kaffee kochte („Diego Paz wohr nüngzehn“). Das ist auch nach 32 Jahren immer noch Bap.

Am 28. November spielt Bap in der Stuttgarter Liederhalle. Am 3. Juli 2009 gibt Bap ein Konzert beim Gaffenberg Festival in Heilbronn.

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