Revolution im Busverkehr: Altkrautheimer Busunternehmer Helmut Rüdinger und TAM-Importeur

Nach dem Krieg baut Rüdinger seine Omnibusflotte aus – TAM-Pionier in Deutschland

Mit Ideenreichtum zur Speziallösung: Rüdinger führte in seiner Flotte TAM-Busse. Fotos: Rüdinger

26.10.2020

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand der Personentransport in der näheren Umgebung aus einem Linienverkehr von Altkrautheim durchs Ginsbachtal in die Kreisstadt Künzelsau. Zunächst wurde die Strecke nur morgens und abends gefahren, so dass Busunternehmer Helmut Rüdinger in der Zeit dazwischen in der Mercedes-Werkstatt Auto-Schmid als Kfz-Mechaniker arbeiten konnte. Mit der Gründung des Ganztagesgymnasiums Osterburken im Jahr 1968 erhielt er von der Oberpostdirektion Karlsruhe den Fahrauftrag für zwei Linien.

Stundentakt Die Kreisreform 1973 vereinigte die Landkreise Künzelsau und Öhringen. In der Folge revolutionierte der Hohenlohekreis das Buslinien-System mit dem „Nahverkehrsmodell Hohenlohe“ (NVH). Busse, die im Stundentakt fuhren, das gab es davor nicht. Helmut Rüdinger vertraute als Kreisrat und Inhaber eines Omnibusunternehmens auf den Erfolg und verdoppelte 1979 seine Busflotte auf acht Linienbusse und einen Reisebus. 1981 übernahm er zudem den Buswerkverkehr der Firma Hornschuch mit drei Omnibussen.

Mitte der 80er Jahre war der Busbetrieb das wichtigste Standbein.
Mitte der 80er Jahre war der Busbetrieb das wichtigste Standbein.

Parallel dazu wurde das Reisebus-Geschäft ausgebaut: 1978 kaufte Helmut einen italienischen Reisebus-Aufbau „Padane“ auf einem Magirus-Fahrgestell, das mit den Linienbussen identisch war. Ein echter Hingucker! Das Fahrzeug war der Stolz der Familie und das erste mit blau-orangenen Streifen.

Dazu kamen noch einige Reisebusse „M 2000“, „R81“ und TAM-Reisebusse. Helmut Rüdinger hatte die Fahrzeuge, die als Lizenz-Produktion von Magirus in Jugoslawien produziert wurden, auf der IAA entdeckt. Die Begeisterung war groß, der Preis niedrig. Die Rüdinger Spedition blieb der einzige TAM-Importeur in Deutschland.

Mitte der 80er Jahre erzielte der Busbetrieb etwa zwei Drittel des Umsatzes des Gesamtunternehmens. Bei so viel Wachstum wurde der Platz schnell eng: 1979 wurde der „Jagstparkplatz“ zum Abstellen der Linienbusse gebaut, 1984 folgte dann der großzügige Omnibusbetriebshof mit Tank- und Waschanlage.

Obmann Als Bürgermeister von Altkrautheim und Hohenloher Kreisrat war Helmut Rüdinger immer nahe an der Kommunalpolitik. Bei der Gründung des NVH, der die Selbstständigkeit der Busunternehmer beschnitt, erfüllte er eine integrative Funktion. Es galt zu vermitteln, dass der Landkreis als Auftraggeber ein zuverlässiger Partner sei. 30 Jahre lang war Helmut Rüdinger Obmann der Busunternehmer in Hohenlohe.