Bereits vor über drei Monaten hätte das Hölderlinhaus in Lauffen am Neckar eröffnet werden sollen. Doch die Corona-Krise machte den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. Nun aber ist es soweit: Seit vergangenem Donnerstag ist das denkmalgerecht sanierte und um einen Neubau ergänzte Gebäude für Besucherinnen und Besucher zugänglich.Die neu gestaltete Dauerausstellung rückt weniger das Werk Hölderlins, sondern den Menschen in den Mittelpunkt. Kuratiert wurde sie von Eva Ehrenfeld. Die gebürtige Leonbergerin hat nicht nur die Texte und Audiotexte geschrieben, sondern auch die Arbeiten rund um die Renovierung sowie Gestaltung im Haus begleitet.Persönlichkeit In vier Räumen der ehemaligen Wohnetage können sich Interessierte – mittels Audioguide – aus mehreren Facetten ein Persönlichkeitsbild des sprachgewaltigen Dichters selbst zusammensetzen – wie bei einem Puzzle. Erfahrbar wird Hölderlin etwa als Freund oder Wanderer, als Liebhaber oder Sohn, als Empfindsamer oder Politischer. In Zitate aus seinen Briefen und Gedichten kommt Lauffens berühmtester Sohn dabei selbst zu Wort.Den Werken Hölderlins kommen Besucherinnen und Besucher außerdem im „Erlebnisraum Gedicht“ und im „Versuchsraum Sprache“ nahe. In der großen Scheune leuchten besondere Dichterworte aus dem Dunkel. Im sogenannten Sommerzimmer im zweiten Obergeschoss mit Stuckdecke laden Sessel und Bücher zum Lesen ein. Durch den neuen Anbau mit Aufzug ist das Haus barrierefrei. Der angeschlossene Neubau mit großer Glasfront zum Innenhof ist Veranstaltungsund Ausstellungsraum mit Café. Er steht künftig als Ort für Lesungen, Vorträge und Konzerte zur Verfügung.Zeitreise Restauratoren, Bauhistoriker und weitere Fachleute haben in den vergangenen Monaten unter großem Aufwand die historischen Räume so authentisch wie möglich wiederhergestellt. Viele Elemente wie Türen, das Treppenhaus, das historische Pflaster stammen noch aus der Zeit Hölderlins. Dessen Familie hatte von 1750 bis 1774 in diesem Haus gelebt. Der Dichter selbst hatte dort seine ersten vier Jahre verbracht. Ob er dort auch geboren worden war, ist allerdings unklar.Lange hatte das Haus der Familie als verloren gegolten. Erst 1970 waren im Lauffener Stadtarchiv Unterlagen über den Kauf des bäuerlichen Gebäudes durch Hölderlins Großvater aufgetaucht. Dieser hatte es seinerzeit zu einem barocken Beamtenhaus umbauen lassen. 2015 hatte es die Stadt erworben.Die Kosten des neugestalteten Museumsareals belaufen sich auf rund 5,1 Millionen Euro. Davon werden 2,8 Millionen Euro durch Zuschüsse gedeckt, 1,3 Millionen Euro trägt die Stadt Lauffen und 900 000 Euro hat ein Privatspender beigesteuert. red
Neugestaltetes Museumsareal seit Donnerstag, 2. Juli, geöffnet – Viele Elemente aus dem 18. Jahrhundert erhalten