Neckarsulmer Grünflächen sollen „Natur nah dran“ aufblühen

Erste Zwischenbilanz des freiwilligen Luftqualitäts-Monitorings nach der Sommerpause

Das Projektteam „Natur nah dran“ bei der Ortsbegehung: (von links) Grünbereichsleiter Günter Glaser, Naturgartenplaner Sebastian Frey, Christoper King (Stadtentwicklung), die Bauhofgärtner Ralf Schmidt und Andreas Mauth. Foto: Nabu

Vielfältig, naturnah und insektenfreundlich – gemeinsam mit dem Naturschutzbund Baden-Württemberg (Nabu) wandelt die Stadt Neckarsulm als eine von 15 „Natur nah dran“-Kommunen in Baden-Württemberg Grünflächen in Biotope für Pflanzen und Tiere um. Das Projekt des Nabu, das vom Landesumweltministerium gefördert und vom Städte- und Gemeindetag Baden-Württemberg unterstützt wird, startete jetzt mit einer Online-Schulung und einer Flächenbesichtigung. Daran nahmen rund 50 Vertreterinnen und Vertreter in den für 2020 ausgewählten Kommunen teil.Anregungen Bei der Schulung erhielten die Teilnehmer Anregungen und Tipps, wie im Siedlungsraum artenreiche Lebensräume für Wildbienen, Distelfinken und Schwalbenschwänze geschaffen werden können. Bei einer gemeinsamen Begehung erkundete das Projektteam der Stadt, wie sich die Maßnahmen vor Ort umsetzen lassen. Mitglieder sind Günter Glaser, Leiter des Grünbereichs beim städtischen Bauhof, Christopher King, für Umweltfragen zuständiger Mitarbeiter beim Amt für Stadtentwicklung, sowie die Bauhof-Gärtner Andreas Mauth und Ralf Schmidt. Begleitet wurden sie von dem Naturgartenplaner Sebastian Frey und Carolin de Mattia vom Projektteam des Nabu. Die Projektverantwortlichen nahmen Grünflächen in Augenschein, die in Neckarsulm im Laufe des Projekts in kleine Biotope umgewandelt werden sollen. Die Fachleute begutachteten dabei die jeweiligen Standorte und gaben erste Empfehlungen für die passenden Maßnahmen.Detailplanung Die Begehung der Flächen bildet gemeinsam mit der Schulung die Grundlage für den nächsten Schritt: die Detailplanung für die ausgewählten Flächen. Anschließend geht es dann an die Umsetzung. „Das Entscheidende dabei ist: Geduld, Geduld, Geduld“, betonte Nabu-Projektleiter Martin Klatt. Das bestätigten die Erfahrungen aus Kommunen, die bereits länger ihre Flächen umgestalten, so Klatt weiter: „Dabei kommen verschiedene Maßnahmen zum Einsatz. Auf manchen Flächen funktioniert das oft auf Anhieb gut, andere brauchen vielleicht etwas länger. Deshalb ist es wichtig, die Bevölkerung von Anfang an mit einzubeziehen, etwa über Artikel im Amtsblatt oder Informationsveranstaltungen.“„Das Projekt ist ein willkommener Baustein, unsere Stadt Stück um Stück lebensfreundlicher zu gestalten und die Bedeutung innerstädtischer Naherholungsräume im öffentlichen Bewusstsein zu stärken“, bekräftigte Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel.Wildpflanzenflächen Warum sich die detaillierte Planung für die Natur und die teilnehmenden Kommunen lohnt, erläuterte Martin Klatt in der Online-Schulung: „Es entstehen wertvolle Wildpflanzenflächen, die sich im Laufe der Zeit immer weiter entwickeln werden. Für die Insekten zählt jeder Quadratmeter. Bei der Anlage naturnaher Flächen gibt es einiges zu beachten. Zwar sehen beispielsweise einjährige Blühmischungen im ersten Jahr toll aus, müssen aber jährlich neu eingesät werden und verursachen daher in der folgenden Zeit mehr Arbeit.“Dazu gab es Tipps, wie dauerhafte und dem Standort angepasste mehrjährige Blumenwiesen und Wildstaudenbeete angelegt werden. Zudem zeigten Naturgartenplaner Reinhard Witt und Projektleiter Martin Klatt auch Fotos aus anderen Kommunen, die bereits beim Nabu-Projekt dabei sind.Austauschtrotz Corona Auftaktschulung und Begehung fanden wegen der Corona-Pandemie unter erschwerten Bedingungen statt. Normalerweise besuchen Teilnehmende aus den neuen Projektkommunen eine Stadt oder Gemeinde, die bereits im Vorjahr mit der naturnahen Umgestaltung ihrer Flächen begonnen hat. Weil das so nicht möglich war, stellte der Nabu kurzerhand eine Online-Schulung, ein sogenanntes „Webinar“, auf die Beine. „Uns war es wichtig, die Kommunen in diesen schwierigen Zeiten nicht alleine zu lassen. Die Begehungen sind zentral, um gemeinsam mit den Kommunen die besten Maßnahmen für die Flächen vor Ort zu finden. Deshalb haben wir diese in kleinerer Besetzung als sonst und mit ausreichend Sicherheitsabstand auch dieses Jahr durchgeführt.“An der Schulung nahmen Mitarbeiter der Grünflächenämter, Stadtgärtnereien und Bauhöfe der für 2020 für „Natur nah dran“ ausgewählten Kommunen teil. Dazu gehören neben Neckarsulm die Kommunen Achern, Dornstadt, Emmendingen, Görwihl, Horb am Neckar, Karlsbad, Marbach, Neuenburg am Rhein, Ostrach, Renningen, Waldenbuch, Baindt, Zaisenhausen und Künzelsau. snp   

NECKARSULM: Baden-Württembergisches Projekt startet mit Online-Schulung und Ortsbegehung

Förderung

Das Nabu-Projekt „Natur nah dran“ wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.naturnahdran.de.snp

Stadtmuseum noch geschlossen

NECKARSULM Das Stadtmuseum Neckarsulm bleibt bis auf weiteres für den allgemeinen Publikumsverkehr geschlossen. Auf Anfrage unter Telefon 07132 354642, beziehungsweise nach Voranmeldung per E-Mail an: stadtmuseum@neckarsulm.de, kann das Stadtmuseum besichtigt werden. Für den Besuch gelten die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln. Führungen für Schüler und Kinder, die einen Schwerpunkt der museumspädagogischen Arbeit bilden, sind bis zu den Sommerferien wegen der Corona-Einschränkungen nicht möglich. Das Stadtmuseum nutzt daher die Schließzeit für Umbauarbeiten zur Vorbereitung der Jubiläumsausstellung anlässlich des 1250. Stadtjubiläums im kommenden Jahr. snp

Ballei-Sporthalle wird zum Prüfungssaal

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Die Abiturienten des ASG nutzten die Ballei-Sporthalle in der Corona-Krise als Prüfungssaal für die schriftlichen Abiturprüfungen. Foto: snp

NECKARSULM Die Ballei-Sporthalle bot jetzt ein außergewöhnliches Bild: Schülerinnen und Schüler des ASG legten dort ihre schriftliche Abiturprüfung in den Pflichtfächern Deutsch und Mathe, einer Fremdsprache und im Wahlfach ab.

Allein im Fach Deutsch schrieben dort 102 Abiturienten ihre Prüfung. Es ist das letzte Mal, dass so viele Abiturienten gleichzeitig ihre Prüfungen schreiben, wie Schulleiter Marco Haaf berichtete. Nach der jüngsten Reform des Kurssystems gibt es schriftliche Abiprüfungen künftig nur in den drei Leistungsfächern. In den Basisfächern wird mündlich geprüft.

Die Ballei-Sporthalle bot genügend Platz, um die in der Corona-Krise vorgeschriebenen Sicherheitsabstände einzuhalten. Marco Haaf war froh, dass die Abiprüfungen unter diesen Bedingungen regulär stattfinden konnten: „Es ist wirklich prima, dass das Abitur hier geschrieben werden kann. Auch die Schüler sind dankbar.“ Ein großes Dankeschön richtete der Schulleiter an das Hausmeisterteam. Nachdem am Vortag in der Sporthalle eine Blutspende-Aktion des DRK stattfand, mussten die Hausmeister die Halle noch am Abend reinigen und für die Prüfung am darauffolgenden Tag herrichten. snp
   

VHS nimmt Präsenzbetrieb schrittweise auf

NECKARSULM Nach der Mediathek, der Städtischen Musikschule und dem Zweiradmuseum nimmt jetzt auch die städtische Volkshochschule den Betrieb wieder auf. Der Unterrichtsbetrieb wird ab sofort schrittweise wieder hochgefahren. Erste Kurse laufen bereits und finden auch in den Pfingstferien statt.

Die aktuelle Corona-Rechtsverordnung des Kultusministeriums ermöglicht den Kursbetrieb ab dieser Woche wieder als Präsenzangebot unter strengen Hygieneauflagen nach den Grundsätzen des Infektionsschutzes. Für die Präsenzkurse gelten strikte Hygiene- und Abstandsregeln, die auch in den Räumen der VHS eingehalten werden müssen. Ein Teil der Kurse kann weiterhin nur in digitaler Form stattfinden, weil die Gruppen für die Räume zu groß sind.

Für Bewegungsangebote gelten besondere Auflagen. Hier lassen die Abstandsregeln nur deutlich kleinere Gruppen zu. Koch- und Backkurse sind weiterhin nicht erlaubt und fallen bis zu den Sommerferien aus. Die VHS informiert alle bereits angemeldeten Teilnehmer in den kommenden Tagen per Post oder E-Mail, wann und unter welchen Bedingungen die Kurse wieder starten.

In einem zweiten Schritt wird das Kursangebot nach den Pfingstferien ab 15. Juni deutlich ausgeweitet. Interessierte können sich auf der Homepage der VHS unter www.vhsneckarsulm.de jetzt auch wieder zu neuen Kursen anmelden. snp
   

Messnetz liefert transparente Daten rund um die Uhr

Erste Zwischenbilanz des freiwilligen Luftqualitäts-Monitorings nach der Sommerpause

NECKARSULM Neckarsulm gehört zu den wenigen Städten in Deutschland, die bei der Überwachung der Luftqualität maximale Transparenz üben – freiwillig. Seit August 2019 dokumentiert die Stadt die Schadstoffbelastung der Luft anhand permanenter Messungen mit zehn Sensoren, die im gesamten Stadtgebiet verteilt sind – in den Teilorten, an Hauptverkehrsstraßen, in Wohngebieten und in der Kernstadt.

Schadstoffindikatoren
Gemessen werden Schadstoffindikatoren wie Feinstaub in unterschiedlichen Partikelgrößen, Kohlenstoffmonoxid, Stickstoffoxid, Ozon und Ammoniak. Seit Februar können die im Stundendurchschnitt zusammengefassten Mittelwerte der gemessenen Indikatoren auf der städtischen Homepage rund um die Uhr abgerufen werden. Den entsprechenden Link gibt es unter www.neckarsulm.de > Unser Neckarsulm > Klima & Umwelt > Luftmessnetz der Stadt. „Bei einzelnen Parametern zeichnen sich Überschreitungen ab“, beschreibt Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel erste tendenzielle Entwicklungen. „Aktuell registrieren wir ein erhöhtes Feinstaubaufkommen. Noch ist es aber zu früh, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.“

Um aussagekräftige Daten zu erhalten, müsse zunächst über einen kompletten Jahreszyklus gemessen werden, der auch in der Bundesimmissionsschutz-Verordnung als Grundlage für die Berechnung von Grenzwerten dient. „Nur so erhalten wir ein authentisches Bild der tatsächlichen Luftbelastung, weil es im Jahresverlauf zu Datenschwankungen kommt. Würden wir sofort auf deutliche Überschreitungen reagieren, die sich im Jahresverlauf wieder relativieren, würden wir womöglich die falschen Schlussfolgerungen ziehen und Maßnahmen ergreifen, die nicht zielführend sind.“

Ein möglicher Grund für die derzeit hohe Feinstaubbelastung könnten etwa die vielen Baustellen in der Stadt sein. „Allein 2019 gab es mehr als 700 im Stadtgebiet. Dazu gehört auch der Ausbau der A 6.“ Bei der Analyse zu berücksichtigen sei auch die Sondersituation durch die Corona- Krise. Wegen der Einschränkungen ist die Zahl der Berufspendler und damit die Verkehrsbelastung im Stadtgebiet deutlich zurückgegangen. „Der Verkehr ist nicht der einzige Einflussfaktor. Dazu gehört auch die Landwirtschaft“, erklärt Mösel.

Analyse
Die Luftmessungen werden bis auf weiteres fortgesetzt. Nach den Sommerferien legt die Verwaltung eine erste Zwischenbilanz vor. Dann entscheidet der Gemeinderat über mögliche Maßnahmen. Vorsorglich hat die Verwaltung Kontakt mit dem privaten Dienstleister aufgenommen, von dem die Messsensoren angemietet wurden. Das Hamburger Unternehmen wurde beauftragt, die Daten für jeden Messstandort in Relation zu den Grenzwerten zu analysieren und standortspezifische Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität vorzuschlagen. Bürgermeisterin Dr. Mösel weist aber darauf hin, dass die Einflussmöglichkeiten Neckarsulms auf freiwillige punktuelle Maßnahmen begrenzt sind. „Die Stadt ist eingebettet in eine wachstumsstarke Region mit allen Vorund Nachteilen, die damit verbunden sind. Wir werden weder die A 6 sperren noch Produktionsbetriebe stilllegen können.“

Parallel dazu gibt es einen erneuten Versuch, das Land für die besondere Situation in Neckarsulm zu sensibilisieren. Denn anders als der Gemeinderat sieht Baden-Württemberg bislang keinen Anlass für formelle Schadstoffmessungen. Die Landesanstalt für Umwelt nahm zuletzt 2006 eine Sondierungsmessung an einer einzigen Stelle vor und bewertete die damaligen Messergebnisse 2015 neu. In beiden Fällen kam sie zu dem Ergebnis, dass für eine Spotmessung an verschiedenen Stellen keine besondere Dringlichkeit vorliege.

Genaues Bild
Demgegenüber liefert das städtische Luftmessnetz mit seinen aktuellen und durchgehend erhobenen Werten ein genaueres Bild der tatsächlichen Schadstoffbelastung. Je nach Zwischenbilanz, könnte die Stadt das Land dazu bewegen, einen formellen Luftreinhalteplan für Neckarsulm zu entwickeln. Dann könnten auch Fördergelder für örtliche Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität beantragt werden. snp