Neues Verfahren entfernt Spurenstoffe in der Kläranlage Neckarsulm

NECKARSULM - Abwasserzweckverband: Versuchsanlage wird mit Pulveraktivkohle betrieben – Rüsten für vierte Reinigungsstufe

Der Abwasserzweckverband Unteres Sulmtal betreibt auf der Kläranlage Neckarsulm eine Versuchsanlage, um Spurenstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Die Projektpartner informierten sich jetzt über den aktuellen Stand. Foto: snp

Der Abwasserzweckverband (AZV) Unteres Sulmtal hat die Weichen für eine weitergehende Stufe der Abwasserreinigung gestellt. Auf dem Gelände der Verbandskläranlage Neckarsulm betreibt der AZV eine Versuchsanlage, um Spurenstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. In dieser sogenannten vierten Reinigungsstufe werden Arzneimittelrückstände und weitere Spurenstoffe wie Röntgenkontrastmittel, Duftstoffe aus Körperpflege- und Reinigungsmitteln, Pflanzenschutzmittel, Industriechemikalien und Flammschutzmittel aus dem Abwasser herausgelöst. Die Projektpartner informierten sich jetzt vor Ort über den aktuellen Stand des großtechnischen Versuchsaufbaus.Projektpartner Stellvertretend für den Vorsitzenden des AZV, OB Steffen Hertwig, begrüßte Bad Friedrichshalls Bürgermeister Timo Frey die Experten. Zu den Projektpartnern gehören das Kompetenzzentrum Spurenstoffe Baden-Württemberg (KomS), die Uni Kassel, das Büro Weber-Ingenieure aus Pforzheim sowie der AZV Unteres Sulmtal als Betreiber der Kläranlage. Auch das Landes-Umweltministerium, das Regierungspräsidium Stuttgart und der Kreis Heilbronn unterstützen das Projekt PAKAuf (Pulveraktivkohle im Aufstaubetrieb). Die Verbandskläranlage Neckarsulm wurde in den Jahren 2007 bis 2012 leistungsmäßig auf 200 000 Einwohnerwerte erweitert. Doch trotz des modernen Ausbaustandards stößt die Technik bei Spurenstoffen an ihre Grenzen. Arzneimittel und Chemikalien gelangen täglich mit dem häuslichen Abwasser in die Kläranlage. Weil sie dort mit der bisherigen Technik nicht ausreichend entfernt werden können, finden sich die Spurenstoffe in Flüssen, Bächen und Seen. Manche dieser chemischen Verbindungen können sich schon in sehr geringen Konzentrationen nachteilig auf Kleinlebewesen und Tiere auswirken.  

Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde auf der Kläranlage Steinhäule in Ulm/Neu-Ulm ein innovatives Verfahren zur Elimination von Spurenstoffen mit Hilfe von Pulveraktivkohle (PAK) entwickelt: Pulveraktivkohle ist gemahlene Aktivkohle, die nach der dritten Reinigungsstufe in das bereits weitgehend gereinigte Abwasser gegeben wird. Die Pulveraktivkohle vermischt sich mit dem Abwasser und entfaltet dann ihre Wirkung. Ihre poröse Oberfläche ist so beschaffen, dass sie viele der Spurenstoffe an sich bindet (Adsorption). Danach wird die Pulveraktivkohle mit den adsorbierten Spurenstoffen im Sedimentationsbecken wieder vom Abwasser getrennt, zusammen mit dem Klärschlamm getrocknet und schließlich verbrannt.

Eine SBR-Versuchsanlage wird derzeit auf der Kläranlage Neckarsulm getestet – und zwar in Form eines vier Meter hohen und zwei Meter breiten Behälters. „Sie wirkt zwar unspektakulär“, wie Dr. Steffen Metzger vom Büro Weber-Ingenieure feststellte. „Dieses Projekt wird aber noch einmal richtungsweisend sein.“ Bei einem Reaktorvolumen von 12,6 Kubikmetern werden pro Tag 200 Kubikmeter Abwasser mit Pulveraktivkohle behandelt. Die im Versuchsbetrieb gesammelten Erfahrungen werden der Verbandsversammlung vorgestellt. „Wasser ist eines unserer wertvollsten Güter“, bekräftigte Bürgermeister Frey. „Wir befinden uns hier in einem gewerblich-industriell stark verdichteten Raum. Umso wichtiger ist es, dass wir im Sinne des Naturschutzes nachhaltig handeln.“

Millionenkosten
Vorbehaltlich der Entscheidung der Verbandsversammlung könnte die separate Adsorptionsstufe auf der Kläranlage Neckarsulm im Endausbau drei Reaktoren umfassen und 500 Liter Abwasser pro Sekunde behandeln. Als Standort ist eine derzeit noch an die Audi AG verpachtete Fläche hinter dem Hochwasserpumpwerk Weidach vorgesehen.

Frey rechnet mit Baukosten in zweistelliger Millionenhöhe. Vom Land, das auch die Versuchsanlage fördert, könnte der AZV einen Zuschuss in Höhe von 20 Prozent erhalten. „Wir hoffen aber auf einen zusätzlichen Innovationszuschlag“, so Frey. Sofern die Verbandversammlung den Grundsatzbeschluss fasst, könnte mit der Planung der vierten Reinigungsstufe im Frühjahr begonnen werden. Baustart wäre dann voraussichtlich im Herbst 2024. snp
  

Sequentielle Biologische Reinigung

Mit dem Ulmer Verfahren können bis zu 80 Prozent der Spurenstoffe aus dem Abwasser entfernt werden. Nachteil ist jedoch der hohe Flächenbedarf und ein hoher Aufwand an Prozess-, Verfahrens- und Maschinentechnik. Daher will der AZV an die innovative Verfahrenstechnik der Sequentiellen Biologischen Reinigung (SBR) mit Bioreaktoren anknüpfen, die auch beim platzsparenden und zugleich umweltverträglichen Ausbau der Kläranlage zum Einsatz kam. „Ziel ist es, das Ulmer Verfahren auf der Kläranlage Neckarsulm als SBR-Verfahren auszubilden“, erläuterte AZV-Geschäftsführer Thorsten Morhaus. „Die verschiedenen Prozessschritte werden dabei nicht in jeweils separaten Bauwerken oder Reaktoren, sondern in einem einzigen Bauwerk phasenweise nacheinander durchlaufen.“ snp

Beratung nur noch mit Termin

NECKARSULM Die Betriebskrankenkasse Audi BKK stellt bis auf Weiteres bundesweit die Kundenberatung um: Damit die Krankenkasse in der aktuellen coronabedingten Situation auch weiterhin persönlichen Beratung bieten kann, gilt ab sofort in allen Service-Centern der Audi BKK mindestens die 2G-Regelung. Zudem ist für ein Beratungsgespräch eine Terminvereinbarung notwendig. Diese kann montags, dienstags und donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr telefonisch oder per E-Mail erfolgen.

Als zentrale Informationsquelle finden alle Interessierten auf der Webseite der Krankenkasse unter www.audibkk.de stets die aktuell geltenden Regelungen. NSt