Mehrkosten versus Mehrwert

Bauherren müssen sich zwischen Keller und Bodenplatte entscheiden


11.08.2021

Keller oder Bodenplatte? Fast jeder Bauherr steht früher oder später vor dieser Frage. Die Gütegemeinschaft Fertigkeller (kurz GÜF) hilft bei der Entscheidungsfindung. Grundsätzlich bietet ein Keller heute fast nur Vorteile, sofern der Bauherr keinen barrierefreien Bungalow plant – und selbst dann gibt es kompakte Modulkeller, die als Platzreserve dienen können. Ein Keller schafft Nutzfläche. Die oberen Stockwerke, die in der Entstehung teurer sind, werden so sinnvoll entlastet.

Wohnkeller
Darüber hinaus hält ein moderner Keller fast immer auch ein Plus an Wohnfläche bereit, wie Florian Geisser von der GÜF erklärt: „Die Zeiten des reinen Nutzkellers für Kartoffeln, Konserven und die Ölheizung sind längst vorbei. Die meisten Bauherren wollen einen Keller zum Wohnen – mit behaglichem Raumklima, komfortabler Deckenhöhe und Tageslicht.“

Die Umsetzung sei für die GÜF-Unternehmen an der Tagesordnung. Unter anderem mit effektiv gedämmten Kellerwänden, innovativen Lichtschächten und -höfen sowie nicht zuletzt mit einer ganzheitlichen Raum- und Grundrissplanung. Bei einem Baugrundstück in Hanglage etwa könne eine breite Fensterfront an der dem Tal zugewandten Seite des Kellers je nach Raumaufteilung das gesamte Untergeschoss mit Tageslicht und Frischluft versorgen.

„Es gibt für jedes Bundesland baurechtliche Vorgaben für Wohnräume, an denen auch die Kriterien eines Wohnkellers etwa im Bereich der Tageslichtversorgung, Belüftung und Deckenhöhe angelehnt sind“, sagt Geisser. „Eine lichte Deckenhöhe von 2,40 Meter oder auch mehr lässt sich mit den industriell vorgefertigten Betonelementen eines Fertigkellers problemlos realisieren.“


„Es gibt sogar Grundstückssituationen, auf denen Bauherren kaum eine andere Wahl haben, als sich für einen Keller zu entscheiden.“

Florian Geisser


Plus 20 Prozent
Das häufigste Argument gegen einen Keller sind vermeintliche Mehrkosten. Betrachtet man aber die gesamte Bausumme, fällt auf, dass die Kosten für ein unterkellertes Haus nur durchschnittlich 20 Prozent über dem ohne Keller liegen. Und das bei einem Zugewinn von bis zu 40 Prozent an Nutz- und Wohnfläche. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem, dass sich die Entscheidung gegen einen Keller nicht mehr rückgängig machen lässt. Einzelne überirdische Räume hingegen lassen sich hingegen auch später noch problemlos ausbauen. Auch bei einem Weiterverkauf der Immobilie macht sich das Untergeschoss in der Regel bezahlt.

„Es gibt sogar Grundstückssituationen, auf denen Bauherren kaum eine andere Wahl haben, als sich für einen Keller zu entscheiden. Etwa bei extremen Hanglagen, hoch stehendem Grundwasser oder aufgeweichten Böden ist ein qualitätsgeprüfter Fertigkeller ein sicheres Fundament und zudem aus wirtschaftlicher Sicht viel sinnvoller als unverhältnismäßig aufwendige Tiefbau- und Gründungsmaßnahmen, die nur den Zweck erfüllen, den Baugrund für eine Erdgeschoss-Bodenplatte vorzubereiten.“

Grundsätzlich empfiehlt Geisser bei der Bodenplatte nicht auf den günstigsten Preis zu achten und diese schon gar nicht in Eigenleistung zu errichten. Selbstversuche könnten zu hohen Folgekosten führen, etwa bei fehlerhafter Abdichtung oder Entwässerung. „Zu den wesentlichen Qualitätsmerkmalen einer fachmännischen Bodenplatte gehören deren Maßhaltigkeit und Frostsicherheit sowie die korrekte Ausführung der Entwässerung inklusive etwaiger Rückstausicherung“, weiß Geisser.

Gute Gründe
Sowohl vor dem Bau einer Bodenplatte als auch eines Kellers sei ein geologisches Gutachten vonnöten. Für die Last, die das Haus später auf Keller oder Bodenplatte ausübt, ist zudem der Einfluss der gesamten Statik auf das Fundament zu berücksichtigen.

„Es gibt gute Gründe für einen Keller und auch für eine Bodenplatte – in beiden Fällen ist die Qualität der tragenden Konstruktion im Erdreich entscheidend, damit nicht die Gesamtinvestition ins Wanken gerät. Das RAL-Gütezeichen ‚Fertigkeller‘ kennzeichnet Hersteller, die sowohl ein Untergeschoss als auch eine Bodenplatte in fachmännischer und qualitätsgeprüfter Bauart errichten“, betont Experte Geissen abschließend. red