Grippe jetzt ausbremsen

Experten raten zur Impfung bis Mitte Dezember – Neues Hochdosis-Vakzin für Ältere

Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com

Ist es ein banaler Schnupfen – oder doch was Ernstes? Eine echte Grippe ist gar nicht so leicht von einer harmlosen Erkältung oder gar Corona-Infektion zu unterscheiden. Und auch die Influenza kann schlimme Folgen haben „und sogar zum Tod führen“, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). „Eine Grippe ist oft durch einen plötzlichen Ausbruch mit hohem Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen gekennzeichnet. Häufg kommt etwas später ein trockener Reizhusten dazu“, erklärt AOK-Ärztin Dr. Sabine Knapstein. Hinzu können Schwäche, Schweißausbrüche sowie Durchfall und Erbrechen kommen. Mögliche Komplikationen sind Lungenentzündung, sowie Entzündungen von Herz und Hirn.

BETTRUHE
Der Verlauf der Erkrankung hängt wesentlich vom Allgemeinzustand des Patienten ab. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht, empfohlen werden Bettruhe, regelmäßiges Durchlüften, viel trinken. Wer sich sehr krank fühlt, sollte sich an seinen Arzt wenden. Behandelt werden in der Regel nur die Symptome, etwa mit Lutschtabletten gegen Halsschmerzen, Medikamenten zum Fiebersenken und gegen Schmerzen. Bei Risikopatienten kann eine antivirale Therapie eingeleitet werden. Ein Antibiotikum zu geben, macht erst Sinn, wenn es zu einer bakteriellen Folgeerkrankung kommt.

Gerade in diesem Herbst raten Ärzte, Wissenschaftler und Politiker dringend zur Impfung gegen Influenza. „Nie war sie wichtiger als heute“, betont der Impfexperte Dr. Ulrich Enzel aus Schwaigern. Denn mit der Influenza-Impfung wird auch ein zusätzlicher Schutz gegen die Folgen einer Covid-19-Erkrankung erreicht. „Beide Viren verursachen Komplikationen im Gefäßsystem“, erklärt Enzel. „Das ergänzt sich.“ Deshalb ist die Grippe-Impfung auch für Menschen interessant, die sich noch nicht gegen Corona impfen lassen konnten, ergänzt die Deutschen Lungenstiftung.

STIKO-EMPFEHLUNG
Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Grippe-Impfung unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken aller Altersgruppen und medizinischem Personal. Für gesunde Unter-60-Jährige und Kinder gibt es keine explizite Empfehlung – die Stiko rät aber auch nicht davon ab. Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten trotzdem.

Anders als bei Corona gilt für die Influenza: „Wer geimpft ist, kann sie nicht weitergeben“, sagt Enzel. Zugelassene Vakzine gibt es bereits für Kinder ab einem Alter von sechs Monaten. Erstmals gibt es in diesem Jahr in Deutschland einen speziellen Hochdosis-Impfstoff, den die Stiko für Menschen ab 60 Jahre empfiehlt. Er enthält entweder bestimmte Wirkverstärker oder eine höhere Menge Antigene.

ZEITPUNKT
Weil sich Grippeviren immer wieder verändern, sollte die Impfung jedes Jahr wiederholt werden. Üblicherweise erreicht die Grippewelle zwischen Januar und März ihren Höhepunkt. Wer sich impfen lassen will, sollte dies also am besten bis Mitte Dezember erledigt haben. Denn es dauert nach dem Piks rund zwei Wochen, bis die optimale Schutzwirkung erreicht ist, die nach drei Monaten dann langsam nachlässt. RENATE DILCHERT