Stadt Neckarsulm informiert über Planungen für B27-Anschluss auf Zielgeraden

NECKARSULM - Baubeschluss steht im Herbst zur Diskussion – OB will aktuelle Entwicklungen in Entscheidungen mit einbeziehen

Die Planungen für den B27-Anschluss sind auf der Zielgeraden. Vor dem Gemeinderatsbeschluss soll aber noch einmal öffentlich diskutiert werden. Foto: Archiv/Klug

8.02.2021

Die Planungen für den Bau des B 27-Anschlusses Binswanger Straße sind auf der Zielgeraden. Die Verwaltung informierte den Gemeinderat in der jüngsten Sitzung über den aktuellen Sachstand und erläuterte das weitere Vorgehen.

„Gesehen“-Vermerk
Nachdem der Gemeinderat im Oktober 2019 den Bau des zusätzlichen Anschlusses der B27 an die Binswanger Straße im Grundsatz beschloss, hat die Verwaltung die Planung fortgeführt und die Leistungsfähigkeit des Anschlusses optimiert. Die Stadt hat die entsprechend überarbeitete Vorentwurfsplanung Ende Juli 2020 erneut beim Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht, um den „Gesehen“-Vermerk des Bundesverkehrsministeriums zu erhalten. Mit diesem Vermerk stimmt der Bund dem Großbauprojekt zu und erklärt seine Bereitschaft, sich an den Kosten zu beteiligen. Die Stadt rechnet damit, dass dieser Prüfvermerk im Herbst 2021 vorliegt. Damit wären alle Voraussetzungen für den Baubeschluss geschaffen.

Öffentliche Diskussion
Bevor der Gemeinderat abschließend über den Bau des B27-Anschlusses entscheidet, soll das Großbauprojekt nochmals eingehend öffentlich diskutiert werden. Um „der Komplexität und Schwierigkeit der Entscheidung Raum zu geben“, werde sich der Gemeinderat die Zeit für umfangreiche Diskussionen nehmen, kündigte Oberbürgermeister Steffen Hertwig in seiner Haushaltsrede an. „Denn auch wenn die fachlichen Argumente für den Anschluss weiter gültig sind, ist die Entwicklung seit dem Bürgerentscheid nicht stehengeblieben.“

Neue Erkenntnisse und veränderte Rahmenbedingungen machen es aus Sicht des Oberbürgermeisters notwendig, „vor dem weitreichenden Baubeschluss zum B27-Anschluss auch die aktuellen Aspekte nochmals einzubeziehen“. Um die verschiedenen Interessen in der Bürgerschaft zu berücksichtigen und alle Argumente abzuwägen, sei auch ein dialog-basiertes Verfahren denkbar. „Dies wollen wir dem Gemeinderat anheim stellen“, kündigte Steffen Hertwig an.

Projekt Campus
Zu den aktuellen Entwicklungen zählte Steffen Hertwig die konkreten Planungen zur Ansiedlung des Schwarz Projekt Campus im Gewerbegebiet „Obere Fundel“ in Bad Friedrichshall. Dort will die Schwarz-Gruppe 5000 Arbeitsplätze im IT-Bereich bündeln. Die Stadt Neckarsulm befürchtet dadurch eine zusätzliche Verkehrsbelastung mit erheblichen Auswirkungen auf ohnehin schon stark belastete Hauptverkehrsstraßen wie die B 27, die K 2000 und den Verkehrsknoten Amorbach (Knoten L 1095/K 2116). Die Ansiedlung soll bereits bis zum Jahr 2025 abgeschlossen sein, also bevor die bis 2030 geplanten Straßenausbaumaßnahmen von Bund und Land greifen. Auf den Verkehr können sich auch die anstehenden Überlegungen der Nachbarkommune Erlenbach für das Areal „Straßenäcker“ auswirken.

Genauer zu untersuchen sei auch, inwieweit sich der zunehmende Trend zum Homeoffice in der Corona-Krise auf die Pendlerströme auswirke, so Steffen Hertwig. Die Stadt betrachtet Homeoffice oder mobiles Arbeiten als ein Baustein des betrieblichen Mobilitätsmanagements. Zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobilität und Homeoffice hatte die Verwaltung im Herbst 2020 eine nicht repräsentative Online-Umfrage unter den 50 größten Unternehmen im Stadtgebiet durchgeführt. OB Steffen Hertwig regte daraufhin bei Landesverkehrsminister Winfried Hermann an, diese Veränderungen im Mobilitätsverhalten mit den Partnern im regionalen Mobilitätspakt für den Wirtschaftsraum Heilbronn-Neckarsulm eingehender zu betrachten.

Mobilitätstudie
Das Verkehrsministerium selbst hat durch das infas-Institut die Mobilitätsstudie Mobicor erstellen lassen. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass nach der Corona-Pandemie das alte Mobilitätsniveau wieder erreicht werden wird und die Veränderungen durch Homeoffice abzuwarten bleiben.

Wenn der Anschluss gebaut wird, muss die Baumschule Schimmele verlagert werden. Zudem führen die Erschütterungen während der Bauzeit dazu, dass die Strahlentherapiepraxis in der Binswanger Straße verlegt werden müsste. Das Gebäude selbst wird durch den Anschluss zwar nicht berührt. Aber die Erschütterungen durch die Bauarbeiten machen den Praxisbetrieb unmöglich. Mit einer Verlegung würde die Praxis ohnehin vorhandene Ausbauwünsche verbinden.

Weil dieser Umzug wie im Falle der Baumschule durch das Bauprojekt verursacht wird, würde sich der Bund auch an diesen Verlagerungskosten beteiligen. Für Verlagerungskosten hatte die Stadt einen pauschalen Ansatz in der Gesamtkostenberechnung vorgesehen. An diesem Kostenansatz ändert die Verlegung der Strahlentherapiepraxis nichts, weil mit ausreichend Kostenpuffer gerechnet wurde. snp
  

Kostenanteil

Die Stadt plant schon seit langem den zusätzlichen Anschluss der B 27 an die Binswanger Straße, um den Verkehr auf den Hauptverkehrsachsen zu bündeln, die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten und die Gewerbegebiete im Südosten der Stadt besser anzubinden. Die Gesamtbaukosten wurden zur Einreichung des Entwurfs im Juli 2020 fortgeschrieben und betragen nach diesem Stand 47,8 Millionen Euro. Der städtische Aufwand beträgt unverändert 22,6 Millionen Euro. snp