Stadt Neckarsulm: Gemeinsame Suche nach B27-Alternative

NECKARSULM Dialog mit Verkehrsminister Winfried Hermann und Regierungspräsident Wolfgang Reimer im Zweiradmuseum

Teilnehmer der Gesprächsrunde (v. li.) Stadträtin Susanne Blawert, Stadtrat Michael Bender, OB Steffen Hertwig, Tiefbauamtsleiterin Tanja Blattmann, Stadtrat Joachim Eble, Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel, Verkehrsminister Winfried Hermann, Ministerialdirigent Andreas Hollatz, Regierungspräsident Wolfgang Reimer und Referatsleiter Hermann Klyeisen. Foto: snp

19.11.2021

NECKARSULM Nach der Abkehr der Stadt Neckarsulm von dem umstrittenen Bau des B27-Anschlusses „Binswanger Straße“ werden jetzt angepasste, verträgliche Alternativlösungen erforderlich. Unterstützung erhält die Stadt von Landesverkehrsminister Winfried Hermann. Der betonte die Notwendigkeit, das Verkehrssystem in Neckarsulm im Rahmen des Mobilitätspaktes ganzheitlich neu zu betrachten und nach verkehrsübergreifenden Antworten zu suchen.

Erste Gesprächsrunde
In einer ersten Gesprächsrunde im Zweiradmuseum machte Hermann deutlich, dass mit dem Verzicht auf den B27-Anschluss „Binswanger Straße“ noch keine Lösungen vorhanden seien, der Mobilitätspakt aber den geeigneten Rahmen biete, um gemeinsam mit allen Beteiligten neue Alternativen zu erörtern. Weiterhin beantwortete er Fragen der Gemeinderatsfraktionen zum geplanten vierspurigen Ausbau der B27.

Mit der Abkehr vom B27-Anschluss steht Neckarsulm vor einem Neuanfang. „Wir werden mit den althergebrachten Instrumenten nicht mehr arbeiten können, um die Verkehrsprobleme zu lösen“, stellte OB Steffen Hertwig fest. Bei der Suche nach alternativen, verträglicheren Maßnahmen setze die Stadt weiter auf die bewährte Zusammenarbeit der Partner im Mobilitätspakt. „Wir halten weiter zu 100 Prozent an der Umsetzung des Mobilitätspaktes fest“, versicherte er.

Der vom Gemeinderat mit großer Mehrheit beschlossene Verzicht auf den B27-Anschluss ändere daran nichts. Der Anschluss der B 27 an die Binswanger Straße „ist eine Maßnahme im Arbeitsprogramm des Mobilitätspaktes. Infolge der kommunalpolitischen Entscheidung wird diese Maßnahme nun durch andere ersetzt werden müssen“, sagte er.

Im Zuge der Abkehr vom B27-Anschluss wurde auch der geplante vierspurige Ausbau der B27 zwischen der Autobahnanschlussstelle Neckarsulm und der Abzweigung nach Neuenstadt im Gemeinderat Neckarsulm kritisch diskutiert. Im Mittelpunkt steht dabei die offene Frage, ob der Halbanschluss Neuenstädter Straße/Spitalstraße (Abfahrt ins Zentrum/Auffahrt in Richtung Bad Friedrichshall) erhalten bleibt oder entfällt.

Die Voraussetzungen für den Ausbau der Bundesstraße sind andere als für den Anschluss der B 27 an die Binswanger Straße. Während es sich beim B27-Anschluss um eine städtische Maßnahme gehandelt hat, ist der vierspurige Ausbau der B27 ein Vorhaben des Bundes, das im Bundesverkehrswegeplan verankert ist. Laut Regierungspräsident Wolfgang Reimer hat die B27 mit einem Verkehrsaufkommen von 35 000 bis 40 000 Fahrzeugen am Tag die Belastungsgrenze erreicht. „Der Bund wird vom Ausbau nicht abgehen können.“ Die Belastung sei so hoch, dass der Verkehr auf der B27 nicht mehr sicher zweispurig abgewickelt werden kann.

Stadtverträglich
Sowohl der Regierungspräsident als auch der Verkehrsminister betonten, dass das Land stadtverträgliche, machbare Lösungen suche. So würden bei der Machbarkeitsstudie auch Ausbauvarianten geprüft, die den Erhalt des Halbanschlusses gewährleisteten. Dabei wird untersucht, ob die B 27 in einer Troglage oder in einem Tunnel ausgebaut werden kann. Diese Varianten sind allerdings aufwendig und kostenintensiv, zudem entstehen weitere Eingriffe. Verkehrsminister Hermann wies auf einen verbesserten Lärmschutz für die Anwohner im Zuge des Ausbaus hin.

Die Machbarkeitsstudie zum vierspurigen Ausbau wird derzeit fertiggestellt und soll im Gemeinderat diskutiert werden. In der sich anschließenden Vorplanung wird der Bund dann abschließend entscheiden, welche Ausbauvariante realisiert wird. Davon hängt wiederum ab, wie der Knotenpunkt B27/L 1095/K2116 (Amorbachknoten) umgebaut werden kann. OB Steffen Hertwig verdeutlichte, dass diese Maßnahme für Neckarsulm von hoher Priorität ist. Die Stadt hat die Planung für einen straßenbegleitenden Radweg und eine separate Busspur entlang der L1095 federführend übernommen. Die Herausforderung bestehe jetzt darin, die Busund Radverkehre sicher über das Nadelöhr der B 27-Brücke am Amorbachknoten zu führen, so Bürgermeisterin Suzanne Mösel. snp
  

Nachfrage verdoppeln

Das Land will die Nachfrage im ÖPNV bis 2030 verdoppeln. Insbesondere die Bedienungshäufigkeit sei ein entscheidendes Kriterium für die Nachfrage. Gleichzeitig wird mit dem Entwurf der ÖPNV-Strategie 2030 ein Maßnahmenkatalog vorgestellt, der die Situation auch qualitativ verbessern soll. snp


Amorbacher Knoten

In den Osterferien 2022 wird die Leistungsfähigkeit des Amorbachknotens zunächst mit einer Sofortmaßnahme verbessert. Vorgesehen ist, die Rechtsabbiegespur von der B 27 in die L 1095 in Richtung Amorbach sowie die Linksabbiegespur auf die Rampe in Richtung Neckarsulm zu verlängern. snp


Mobilitätspakt

Insgesamt umfasst der Mobilitätspakt mehr als 30 Einzelmaßnahmen. Schwerpunkte sind unter anderem der Ausbau des Schienen-Personennahverkehrs (SPNV), der Radschnellweg Bad Wimpfen – Heilbronn, die Anbindung des neuen Gewerbegebiets „Obere Fundel“ für den ÖPNV, Fuß- und Radverkehr sowie zahlreiche Maßnahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements seitens der Schwarz Gruppe und Audi AG. Für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung verfolgt der Mobilitätspakt schwerpunktmäßig unter anderem das Ziel, den motorisierten Individualverkehr in den Städten zu reduzieren. snp

Behindertensport wird unterstützt

NECKARSULM Den Stand des Stromzählers online durchzugeben, hat Vorteile. Man muss die Zählerkarte nicht verschicken, was auch CO2 einspart, und die Behindertensportgemeinschaft Neckarsulm darf sich freuen. Denn die Netze BW spendet das eingesparte Porto jeweils einem ortsansässigen Verein oder einer gemeinnützigen Einrichtung. 2021 sind so in Neckarsulm 4262,40 Euro zusammengekommen, die Dr. Martin Konermann, Geschäftsführer der Netze BW, jetzt überreichte. „Wir leben überwiegend vom ehrenamtlichen Einsatz unserer Mitglieder und Helfer. In Geld schwimmen wir nun wirklich nicht. Da ist uns der Scheck natürlich sehr willkommen“, freut sich Bettina Daurer von der Behindertensportgemeinschaft. snp