So ist man auch in der kalten Jahreszeit sicher unterwegs

Experte des Automobilclubs ADAC gibt Tipps und erklärt, warum Winterreifen so wichtig sind

Bald wird es wieder Zeit für einen Reifenwechsel. Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen Winterreifen aufgezogen sein. Foto: Archiv/Thorwartl

11.10.2021

Herbst und Winter stellen Autofahrer stets vor besondere Herausforderungen, denn überfrierende Nässe, feuchtes Laub, Schnee und generell kalte Temperaturen verlangen nach erhöhter Aufmerksamkeit. Thomas Kubin, Techniker des ADAC Sachsen, gibt Tipps zum Thema Winterreifen und erklärt das richtige Fahrverhalten in der nahenden Winterzeit.

■ Winterreifen oder nicht?
Eine generelle Winterreifenpflicht, die an ein bestimmtes Datum anknüpft, gibt es in Deutschland nicht. Stattdessen herrscht bei uns eine situative Winterreifenpflicht. „Das heißt, dass bei winterlichen Straßenverhältnissen Winterreifen aufgezogen sein müssen: also bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisoder Reifglätte“, erklärt ADAC Fachmann Thomas Kubin. „Die Faustformel von Oktober bis Ostern (O bis O) ist lediglich ein grober Hinweis, hat rechtlich jedoch keine Relevanz.“ Die situative Winterreifenpflicht gilt nur dann als erfüllt, wenn auf allen Radpositionen (beim Pkw zum Beispiel alle vier Räder) Winterreifen montiert sind.

■ Die Frage der Profiltiefe
Laut Gesetzgeber gilt auch für Winterreifen eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Der ADAC empfiehlt aus Sicherheitsgründen jedoch mindestens 4 Millimeter. 1,6 mm Profiltiefe reichen nämlich nicht aus, um beispielsweise Schnee oder Schneematsch aufzunehmen und zu verdrängen. In Österreich gilt direkt eine Mindestprofiltiefe von 4 mm bei Winterreifen.

Um die Profiltiefe zu bestimmen, misst man am besten an mehreren Stellen über die gesamte Reifenlauffläche mit einem Profiltiefenmesser. „Alternativ kann man sich mit einer 1 oder 2 Euro Münze behelfen“, meint Thomas Kubin. „Der goldene beziehungsweise silberne Rand der Münze sollte komplett in die großen Profilrinnen passen, ohne darüber hinaus zu ragen. Dann hat das Profil mindestens 3,5 bis 4 mm.“

■ Was gilt bei einer Reifenpanne?
Wer nach einer Panne den Autoreifen wechselt und nur einen Sommerreifen dabei hat, muss keine Strafe befürchten. „Mit diesem Notbehelf darf die Fahrt zunächst vorsichtig fortgesetzt werden; bei nächster Gelegenheit muss aber ein Winterreifen montiert werden“, so Kubin.

■ Bremsweg beachten und hektische Manöver vermeiden
Niedertouriges Fahren im hohen Gang erleichtert das Weiterkommen auf glatten Straßen – die Reifen bauen besseren Grip auf. Deshalb sollten Autofahrer mit Schaltgetriebe bei Glätte zum Beispiel im zweiten Gang anfahren. Mit einer kurzen Bremsprobe auf freier Strecke bekommt man ein Gefühl für die Straßensituation und den Bremsweg auf glatter Fahrbahn. Der kann bis zu fünf Mal so lang sein wie auf trockenem Asphalt.

Der ADAC rat zudem dazu, keine ruckartigen Lenkbewegungen zu machen. Kommt das Fahrzeug auf gerader Strecke trotzdem ins Schleudern, auskuppeln, bremsen und schnell, aber gefühlvoll gegenlenken. ESP hilft beim Stabilisieren des Autos. Reagiert das Fahrzeug nicht mehr, hilft nur eine Vollbremsung.

Gerät das Auto in der Kurve aus der Bahn, sollte man keine hektischen Manöver versuchen, sondern kurz und fest aufs Bremspedal treten („Bremsschlag“). Dabei am Steuer locker bleiben und nur sanft korrigieren. Meist reichen schon wenige km/h Tempoabbau, und das Auto ist wieder kontrollierbar. red