Appell für Achtung und Toleranz: Neckarsulmer Pfarrer Sigbert Denk und Pfarrer Walter Keppler

Neckarsulmer Kirchengemeinden feiern Stadtjubiläum im Zeichen der Ökumene

Pfarrer Walter Keppler hielt die Predigt beim ökumenischen Gottesdienst, den Pfarrer Sigbert Denk (re.) und Walter Keppler gemeinsam gestalteten. Foto: Walter Keppler

28.07.2021
Apotheker Mustafa Kara e.K.

NECKARSULM - Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Ballei- Sporthalle haben die Kirchengemeinden das Jubiläum „Stadt Neckarsulm – 1250 Jahre vollerleben“ gemeinsam gefeiert. Fast 100 Gläubige waren der Einladung gefolgt.

Der katholische Pfarrer Sigbert Denk und der evangelische Pfarrer Walter Keppler gestalteten die Messe gemeinsam. Für Musik sorgte das Barockensemble der Städtischen Musikschule unter der Leitung von Musikdirektor Jochen Hennings. Oberbürgermeister Steffen Hertwig begrüßte die Besucher. „Traditionell ist Neckarsulm eine weltoffene, tolerante und gastfreundliche Stadt“, bekräftigte er. „Auf das von je her friedliche und gute Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen in unserer Stadt bin ich sehr stolz.“ Daran hätten die vielen ehrenamtlich engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürger einen großen Anteil. „Auch die Kirchengemeinden spielen in unserer Stadtgesellschaft eine bedeutende Rolle und tragen mit zur Stadt voller Leben bei.“

Forum der Religionen

Hertwig erinnerte an das „Forum der Religionen“, zu dem sich die katholische und die evangelische Kirche sowie die muslimische Religionsgemeinschaft vor kurzem zusammengeschlossen haben. Das Forum diene als Plattform des Austauschs und der Begegnung und wolle das Verbindende zwischen den Glaubensrichtungen betonen. Als erstes konkretes Projekt habe das Forum eine Charta der Religionen formuliert, die am 3. Oktober im Rahmen der Interkulturellen Woche feierlich unterzeichnet werde.

Für wechselseitige Achtung und Toleranz nach dem christlichen Grundsatz „Nehmt einander an“ warb auch Pfarrer Walter Keppler in seiner Predigt. Er richtete den Blick zurück in die Stadtgeschichte. Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kamen zahlreiche Protestanten nach Neckarsulm.

Heterogene Gesellschaft

Plötzlich war die Stadtgesellschaft nicht mehr überwiegend katholisch, sondern heterogen. „Man musste miteinander umgehen und gelangte von der friedlichen Koexistenz zu einer Gemeinschaft“, erläuterte Keppler. „Dass dieses Nehmt-einanderan zum Segen dieser Stadt geworden ist, ist für alle klar erkennbar.“

Im Hinblick auf andere Religionen bleibe dieser Grundsatz weiter eine Herausforderung. „Nehmt einander an – das ist keine Überforderung, sondern eine durch Christus geschaffene Möglichkeit und zugleich Auftrag an uns alle“, betonte er. Seinem katholischen Amtskollegen dankte er für die Mitwirkung an dem ökumenischen Gottesdienst. „Vor 200 Jahren wäre ein solcher Gottesdienst nicht möglich gewesen. Wir leben in Neckarsulm eine wohltuende Ökumene.“ snp