„Grund-Gesetz“ für friedliches Miteinander

NECKARSULM - Charta der Religionen unterzeichnet – Gemeinsame Grundhaltungen bestimmen Zusammenarbeit

Die Unterzeichner (v. li.) Elisabeth Schick, Diakon Klaus Börger, Ahmed Srir, Necmi Kocak, Mustafa Bilgi, die Pfarrer Jürgen Stauffert und Dieter Steiner, OB Hertwig. Foto: snp

15.10.2021

Eine Charta der Religionen regelt künftig den respektvollen, offenen und achtsamen Umgang der Neckarsulmer Religionsgemeinschaften miteinander. Die Charta definiert die Aufgaben und die Arbeit des „Forums der Religionen“, zu dem sich in diesem Frühjahr die katholische und die evangelische Kirche in Neckarsulm, die muslimische Religionsgemeinschaft und die Stadt zusammengeschlossen haben.

Vertreter der im Forum der Religionen vereinten Religionsgemeinschaften, kirchlichen und konfessionellen Gemeinden und Gruppen sowie OB Steffen Hertwig unterzeichneten jetzt die Charta der Religionen und gaben sich damit ein gemeinsames „Grund-Gesetz“. Die feierliche Zeremonie fand in der Moschee in der Rötelstraße statt und wurde begleitet von muslimischen und christlichen Gesängen. Liedern und Gebeten. Im Anschluss lud der Neckarsulmer Moscheeverein zum Tag der offenen Moschee ein.

Weltoffen und tolerant
„Neckarsulm ist eine weltoffene und tolerante Stadt“, stellte Oberbürgermeister Steffen Hertwig fest. „Vor allem im Jahr des 1250. Stadtjubiläums sind wir stolz auf diese Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit. Besonders stolz können wir darauf sein, dass die Menschen trotz unterschiedlicher Kulturen und Religionen hier seit Jahrzehnten, ja sogar seit Jahrhunderten friedlich zusammenleben.“

Ziel des Forums sei es, dieses friedliche Zusammenleben noch mehr zu festigen. „Das Forum der Religionen dient als Plattform des Austauschs und der Begegnung und soll das Verbindende zwischen den Glaubensrichtungen betonen“, erläuterte Steffen Hertwig.

Seit Januar 2021 habe ein Redaktionsteam intensiv an der Charta gearbeitet. Sie bilde ein tragfähiges Fundament für die vertrauensbildende Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften, auch bei Konflikten. Insofern richte sie sich nicht nur an die Mitglieder der Religionsgemeinschaften, sondern an die gesamte Stadtgesellschaft. „Ich freue mich jetzt auf die gemeinsamen Projekte“, betonte Steffen Hertwig.

Im Namen der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Neckarsulm und Erlenbach begründete Dieter Steiner, Pfarrer der Martin-Luther-Kirchengemeinde Neckarsulm, warum sich die evangelische Kirche an der Charta beteiligt: „Weil Religionen auch brücken bauen können.“ Miteinander, nicht übereinander sprechen – so beschrieb Steiner die Funktion des Forums. „Wir entdecken, was anderen heilig ist, weil wir alle Teil dieser Stadt sind, weil wir alle dem Frieden und den Religionen verpflichtet sind.“

Hoffnungsvoll
Für die Katholische Kirche erklärte Diakon Klaus Börger: „Es ist für uns selbstverständlich, dass wir uns an dem Forum beteiligen.“ Er erinnerte an die seit Jahren gut funktionierende Ökumene zwischen der Evangelischen und der Katholischen Kirche. „Wenn dieses Zusammen durch die Charta und die Zusammenarbeit im Forum der Religionen zu einem geschwisterlichen Zusammen der Religionen und der Stadt Neckarsulm führt, dann erfüllt mich dies mit Hoffnung.“ Für den Moscheeverein, das Kulturzentrum für Bildung und Integration unterzeichneten der Vorstandsvorsitzende Necmi Kocak und Vorstandsmitglied Mustafa Bilgi die Charta. Als Vertreter des Internationalen Gremiums für Neckarsulmer im Forum der Religionen unterschrieb Ahmed Srir die Vereinbarung. snp

Ziele und Inhalt

Die Charta der Religionen ist das erste gemeinsame Projekt des Forums. Sie beschreibt gemeinsame Grundhaltungen und Werte sowie das konkrete Handeln des Forums. Zu den fünf wegweisenden Grundhaltungen, auf die sich die Gemeinden über kulturelle und konfessionelle Grenzen hinweg verpflichten, gehören Barmherzigkeit, Menschenliebe, Anteilnahme, Mitgefühl und Humanität. So bekennen sich die Unterzeichner zu ihrer großen Verantwortung für das friedliche Zusammenleben in der Stadt, Mit der Unterzeichnung beginnt jetzt die eigentliche Arbeit des Forums der Religionen, das die Stadt regelmäßig einberufen wird. Das Forum ist ausdrücklich bereit, weitere Religionsgemeinschaften, kirchliche und konfessionelle Gemeinden und Gruppen aufzunehmen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. snp

Landesstraße voll gesperrt

NECKARSULM Für den Abbruch der Widerlager an der Autobahnbrücke bei der Südtangente muss nach Mitteilung der Projektgesellschaft ViA6West die L1101 noch zweimal für den gesamten Verkehr gesperrt werden. Die erste Sperrung der Landesstraße beginnt am heutigen Freitag, 15. Oktober, um 20 Uhr und endet am Montag, 18. Oktober, 5 Uhr. Die zweiten Abbrucharbeiten finden eine Woche später von Freitag, 22. Oktober, 20 Uhr, bis Montag, 25. Oktober, 5 Uhr statt.

Betroffen von der Vollsperrung ist auch der Rad- und Fußweg. Die Umleitung Richtung Erlenbach erfolgt weiträumig über die Heilbronner-/Hohenloher- und Binswanger Straße. Die Umleitungsstrecken (U58/U69) sind entsprechend ausgeschildert. Die Arbeiten stehen im Zusammenhang mit dem aktuellen sechsstreifigen Ausbau der A6 zwischen der Anschlussstelle Wiesloch/ Rauenberg und dem Weinsberger Kreuz. Sollten die Arbeiten früher als geplant beendet sein, wird die Sperrung entsprechend zeitnah aufgehoben. NSt


Heute Aktionstag nur für Mädchen

NECKARSULM Anlässlich des Internationalen Mädchentags veranstaltet das Kinder- und Jugendreferat der Stadt Neckarsulm einen Aktionstag nur für Mädchen und Frauen am heutigen Freitag, 15. Oktober, von 15 bis 20 Uhr im Gleis 3 am Bahnhofplatz. Verschiedene Angebote und Aktionen laden zum Mitmachen ein. Die Besucherinnen können sich zum Beispiel in einer Foto-Box selbst ablichten, bei Bastelangeboten kreativ sein oder an einem Tanz-Workshop teilnehmen. Interessierte werden gebeten, sich per E-Mail an gleis3@neckarsulm.de anzumelden und die Personenzahl der Besucherinnen anzugeben. Der Aktionstag bietet den Teilnehmerinnen einen ungezwungenen Rahmen, um sich über Themen auszutauschen, die für Mädchen und Frauen wichtig sind. Eingeladen sind Mädchen, Töchter, Schwestern, Freundinnen und junge Frauen aus Neckarsulm. Der Eintritt ist frei. Männliche Besucher haben keinen Zutritt. snp


Geschichte des Judenfriedhofs

NECKARSULM Die Ausführungen von VHS-Referentin Dr. Annika Höft-Buchin und Vera Kreutzmann vom Stadtarchiv hinterließen bei den 19 Teilnehmenden Betroffenheit. Sie hatten sich zusammen mit Bernd Herrmann von Heimatverein auf eine Führung durch den Neckarsulmer Judenfriedhof begeben.

Kreutzmann erläuterte zunächst das Zusammenleben der deutschen Christen und Juden, die seit 1298 in Neckarsulm ansässig waren. Der jüdische Friedhof in Neckarsulm wurde 1635 erstmals erwähnt und war einer der bedeutendsten Verbandsfriedhöfe, auf dem auch Juden aus umliegenden Gemeinden begraben wurden. Zuletzt die Neckarsulmerin Klara Bodenheimer am 16. Juli 1924.

Jugendliche warfen im Jahr 1938 Grabsteine um und beschädigten das Tahara-Haus, das Haus der Reinigung, das für die Totenwaschung verwendet wird. Im Februar 1942 musste der Friedhof unentgeltlich der Stadt überlassen werden. Er wurde zerstört, das Tahara-Häuschen teilweise abgetragen. Grabsteine wurden zerschlagen, am Waldrand verstreut oder zum Feldwegbau verwendet. Nach 1945 ging der Friedhof an die Israelitische Religionsgemeinschaft zurück, die das Tahara-Haus wieder herstellte. Unter Leitung des Ratsherren, der 1938 mit dem Ortsgruppenleiter der NSDAP die Auflösung des Friedhofs betrieben hatte, wurden die intakten Grabsteine wieder aufgestellt, die Teile der zerstörten in Haufen zusammengetragen. NSt