Hallenbad Eichbottbad der Stadt Leingarten: Neue Heimat für Schwimmer

Stadt nimmt Betrieb im 8,9 Millionen Euro teuren Hallenbad auf – Keine Einweihungsfeier

Direkt neben dem Freibad ist das auffällige Bauwerk der Architekten Kauffmann, Theilig und Partner aus Ostfildern entstanden. Foto: Mario Berger

3.08.2021

Gerne hätte die Stadt Leingarten ihr neues Eichbottbad mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht. Schließlich ist das 8,9 Millionen Euro teure Bauwerk, das nur wenige Meter neben dem alten Hallenbad auf dem Freibadgelände errichtet wurde, eine architektonische Perle.

Das vom Architekturbüro Kauffmann, Theilig und Partner aus Ostfildern geplante Bauwerk im Eichbottgraben überzeugt mit seiner grau eloxierten Aluverkleidung, einer umlaufenden Glasfassade und der luftigen Dachkonstruktion von außen. Von innen blicken die Badegäste im vierbahnigen 25-Meter-Becken auf eine besondere Deckenkonstruktion aus hellem Holz, Sichtbeton, weißen Stoffmembranen mit indirekter Beleuchtung. Und für Kinder gibt es ein 45 Quadratmeter großes Planschbecken, das auch zum Babyschwimmen einlädt.
  

igp

Die Ausstattung wurde an den Nutzern des seitherigen Hallenbades ausgerichtet: Schülern, die dort Unterricht erhalten und Schwimmkurse absolvieren, und den Senioren. Eine Gruppe, die laut Bürgermeister Ralf Steinbrenner auch in Leingarten kräftig angewachsen ist. Dazu kommt die DLRG.

„Um diesen Gruppen gerecht zu werden, ist das neue Hallenbad zweckgerichtet“, sagt der Stadtchef. Beim Bau hat sich Leingarten völlig auf das Schwimmen konzentriert. „Es gibt weder Sprungbretter noch einen Sprungturm oder Rutschen“. Auf einen Saunabereich wurde ebenfalls verzichtet. „Mit den Freizeitbädern in der Umgebung können und wollen wir nicht konkurrieren“, betont Steinbrenner.

Synergieeffekte
8,9 Millionen Euro hat die 12 000-Seelen-Stadt an Eigenmitteln in das neue Eichbottbad investiert. Zuschüsse gab es keine. Auch nicht, als die geplanten Baukosten unter anderem durch Umweltvorschriften nach oben schnellten. Dass sich die Stadt in einer Zeit, in der andere Gemeinden ihre Hallenbäder schließen, für einen Neubau entschieden hat, liegt auch daran, dass man sich davon große Synergieeffekte verspricht, denn die enge Verzahnung mit dem Freibad bietet viele Vorteile.

So wird die neue Technik, etwa für die Wasseraufbereitung, künftig gemeinsam genutzt. Auch Kassen, Umkleiden und Duschen stehen im Sommer Freibadbesuchern als direkte Verbindung zwischen den beiden Bädern zur Verfügung, denn das alte Sanitärgebäude musste dem Neubau weichen.

Infrastruktur
Durch die Nutzung der gemeinsamen Infrastruktur erhofft man sich in Leingarten künftig etliche Kosteneinsparungen. Wie hoch diese sein werden, bleibt abzuwarten.

Bürgermeister Ralf Steinbrenner hätte das das neue Hallenbad jedenfalls gerne zusammen mit seinem Gemeinderat und der Leingartener Bevölkerung eingeweiht. Das aber hat Corona vereitelt. Trotzdem ist er sich sicher, dass die Einrichtung auch ohne große Eröffnungszeremonie bei den Schwimmerinnen und Schwimmern in Zukunft gut ankommt. Der schon seit einigen Wochen laufende Parallelbetrieb lässt das jedenfalls stark vermuten.

Ulrike Kübelwirth

INFO Öffnungszeiten
Montag bis Freitag von 16 bis 21.30 Uhr. Mittwochs gibt es ab 16 Uhr einen Kinderspielenachmittag, freitags für Erwachsene von 7 bis 11.30 Uhr Frühbadetag. Samstags kann von 10 bis 15 Uhr, sonntags von 9 bis 13 Uhr gebadet werden. In den Ferien hat das Eichbottbad täglich von 14 bis 21.30 Uhr geöffnet.

„Toilette für alle“

Eine Besonderheit im Eichbottbad ist die „Toilette für alle“. Sie ist elf Quadratmeter groß, mit höhenverstellbarer Wandliege, elektrischem Lift zum Umsetzen des Rollstuhls und einem verschließbaren Windeleimer ausgestattet. Das 14 000 Euro-Projekt wurde vom Landes-Sozialministerium mit einem 90 prozentigen Zuschuss gefördert. Die „Toilette für alle“ ist in Leingarten übrigens schon die zweite. Die erste befindet sich seit 2020 im Museum Altes Rathaus.


Zahlen, Daten, Fakten

Bauzeit: März 2019 bis Januar 2021
Kosten: 8,9 MIllionen Euro
Förderung: keine
Architekten: Kauffmann, Theilig und Partner (Ostfildern)
Nettonutzfläche: 2161 Quadratmeter
Besonderheiten:
– elf Quadratmeter große Toilette für alle mit Liege und elektrischemLift
– Eingangsbereich, Umkleiden, Duschen und Teile der Beriebstechnik werden gemeinsam von Frei- und Hallenbach genutzt.