Cleebronn: Rabiate Weiber und ein rettender Engel

Wie der Hausberg zu seinem Namen kam und die Versteigerung einer Backstelle zu einem Todesfall führte

Die Michaelskapelle auf dem Cleebronner Hausberg erinnert an den Kampf zwischen dem Heiligen Bonifatius und dem Teufel. Foto: Archiv/Veigel

29.09.2020

Ob Alt- oder Neu-Cleebronn (beide Dörfer bilden die Gemeinde Cleebronn) – ganz arm waren deren Bewohner nie. Neben Viehzucht wurde von dort aus ein reger Handel mit Wein, Dinkel und Früchten betrieben – bis in den Schwarzwald und in die Pfalz gingen die Cleebronner Erzeugnisse. Allerdings herrschte zwischen den beiden 1807 erstmals, und 1843 endgültig vereinigten Flecken nicht immer eitel Sonnenschein. Schließlich hatte Alt-Cleebronn zu Württemberg, Neu-Cleebronn zur Kurmainz gehört. Vor allem zwischen 1727 und 1785 beklagten die Neu-Cleebronner Bürger, für die zu dieser Zeit der Weinhandel das einzige wirtschaftliche Standbein war, von Württemberg als Ausländer behandelt zu werden. Denn den Alt-Cleebronnern war es per Erlass des Herzogtums Württembergs „bei einem Gulden Strafe“ untersagt, einen Krug Wein „über die Gass“ von einem der Neu-Cleebronner Wengerter zu holen.

Cleebronner Todabritscher
Ob die Fehde zwischen beiden Orten oder einfach nur die Umstände daran schuld sind, dass die Cleebronner einen nicht gerade schmeichelhaften Spitznamen abbekommen haben, ist nicht überliefert.
  

Überliefert ist aber, wie es zur Titulierung kam: In dem Ort ging es alljährlich schon vor der Kirchweih hoch her. Es wurde vorbereitet, gewerkelt – und es wurde gebacken. Schon eine Woche vor dem Fest glühte der Ofen im Backhäusle.
   

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Dort soll eines Tages ein mehr als reger Andrang geherrscht haben – schließlich ging es um die Versteigerung der Backstellen, die heiß begehrt waren. Schon bevor es so weit war, brach unter den Frauen des Ortes ein so heftiger Streit aus, dass die Damen untereinander handgreiflich wurden. Schon vor der Kerwe – bei der sich vorwiegend männliche Besucher oftmals eine blutige Nase geholt hatten – war eine Keilerei der übelsten Sorte im Gange. Dabei gingen die rabiaten Weiber äußerst brutal zu Werke. Eine der Frauen wurde mit einer Backschaufel dermaßen übel zugerichtet, dass diese kurz nach der Auseinandersetzung verstarb. Seither heißen die Cleebronner Todabritscher.

Engel und Teufel
Eng mit Cleebronn und seiner Geschichte verbunden ist die Legende vom Michaelsberg, die nicht erst fasziniert, seit die Dichter Eduard Mörike und Justinus Kerner sie niedergeschrieben haben. Demnach stattete Bonifatius, Apostel der Deutschen, 754 nach Christus, Cleebronn einen Besuch ab, dessen Zweck der Missionierung dienen sollte. Schließlich – so heißt es – war der Michaelsberg zu dieser Zeit gerade vom Teufel eingenommen worden.

Also stieg Bonifatius auf den Cleebronner Hausberg, wo es der Überlieferung zufolge zum Treffen zwischen den beiden und zu einem heftigen Wortwechsel gekommen war – auf den Satan grausame Taten folgen ließ: Der Boden brannte wie Schwefel, Dampf umhüllte den Berg – und schließlich ging der Teufel auf Bonifatius los. In seiner ausweglosen Situation bat der Heilige um göttlichen Beistand – worauf ihm Erzengel Michael mit Schwert und Donnerstreich gesandt wurde. Der würgte den Teufel heftig und warf ihn anschließend in den Höllenspalt.

Bevor sich Bonifatius beim Erzengel bedanken konnte, entschwebte dieser bereits Richtung Himmel. Der Heilige blieb mit einer Feder zurück, die er Michael aus seinem Flügel gerissen hatte. Zumindest dieser Feder wollte Bonifatius einen würdigen Platz zukommen lassen. Deshalb ließ er den ehemaligen römischen Luna-Tempel zur Michaelskapelle umbauen. Dort wird die Feder bis kurz nach der Reformation aufbewahrt, ehe sie ein evangelisch gewordener Stuttgarter Stadtschreiber mitnahm. Was dann aus ihr wurde, ist unbekannt.

Von unserer Redakteurin
Ulrike Kübelwirth
  

HNV-Fahrplantipps

Cleebronn wird über zwei Regionalbuslinien mit den anderen Gemeinden im Zabergäu verbunden. Es gibt regelmäßige Busverbindungen nach Güglingen, Eibensbach, Botenheim und Bönnigheim im Landkreis Ludwigsburg. Nach Brackenheim besteht unter der Woche ein Halbstundentakt, samstags ein Stundentakt. Sonn- und feiertags gibt es alle zwei Stunden eine Verbindung. In Brackenheim bestehen Umsteigemöglichkeiten auf verschiedene Regionalbuslinien zum Beispiel in Richtung Heilbronn und Lauffen. red