Traditionelles Essen in der Hohenloher Ebene: Von Rosenküchlein bis Ochs am Spieß

ESSEN UND TRINKEN An besonderen Gaumenfreuden mangelt es Besuchern der Hohenloher Ebene nicht

Bei Veranstaltungen auf dem Wein- und Hofgut der Familie Weibler brutzelt meist ein ganzer Ochs am Spieß. Fotos: Ute Böttinger

Wie einer Perlenschnur gleich ziehen sich die kulinarischen Genüsse durch die Hohenloher Ebene. An den Weinberghängen reifen die Trauben für edle Weine, auf den Streuobstwiesen die Grundlagen für ausgezeichnete Spirituosen. Viele Direktvermarkter bieten selbst gemachte Produkte wie Marmelade, Nudeln, Senf, Essig oder Holzofenbrote an. Und in der Gastronomie findet man eine bunte Vielfalt: von der hochdotierten Sterneküche über die gutbürgerlichen Speisen im gemütlichen Gasthaus oder deftigen Gerichte in den Besenwirtschaften bis hin zu internationalen Spezialitäten oder ausgezeichnetem Streetfood.

Traditionelles Gebäck Viel braucht es für das frittierte Gebäck nicht: Mehl, Eier, Milch, Vanillezucker und eine Prise Salz, erklären Renate Heinrich und Renate Bender von den Kleinhirschbacher Landfrauen. „Das hatte man immer im Haus. Und wenn unerwarteter Besuch kam, legte man einfach ein paar Scheite aufs Feuer, machte den Teig und die Rosenküchlein waren schnell ausgebacken“, erklärt Heinrich, die viele Jahre Kreisvorsitzende der Hohenloher Landfrauen war. 1979, damals war sie im Vorstand des Freilandmuseums Wackershofen, habe man in einem alten Gebäude ein Eisen gefunden. Es stellte sich heraus: Das blumenförmige Teil war das Handwerkszeug für ein altes traditionelles Gebäck. Bei einem Backofenfest des Freilandmuseums kamen die Rosenküchlein schließlich zum ersten Mal aus dem heißen Fett und sorgten für Begeisterung. Renate Heinrich ließ daraufhin die speziellen Eisen in Ungarn herstellen und so kam das Rosenküchlein zunächst zu den Kleinhirschbacher Landfrauen und von da aus zu anderen Landfrauenvereinen in der Region.

„Ein gewisses Geschick benötigt es schon“, betont Renate Bender, die heutige Vorsitzende der Kleinhirschbacher Landfrauen. „Die Beschaffenheit des Teiges muss stimmen“ und beim Eintauchen in das Fett sei Fingerspitzengefühl gefragt. Dann stimmt auch das Resultat: Außen kross und innen fluffig-locker zergehen die warmen Rosenküchlein auf der Zunge.

Deftig Es gibt sie noch in der Region, wenn auch immer weniger: die ursprünglichen und traditionellen Gasthöfe mit gutbürgerlicher Küche. Auf über 110 Jahre Familientradition können die Drehers mit ihrem „Gasthaus zum Löwen“ in Pfedelbach-Harsberg zurückblicken. Am Küchenherd steht heute neben Roswitha Dreher schon die nächste Generation: Sohn Thorsten setzt neue kulinarische Akzente. Die gemütlich-urige Atmosphäre der Gaststube ist seit vielen Jahren nahezu unverändert und begründet auch den Charme der Lokalität.

Besenwirtschaften Nicht wegzudenken sind die vielen Besenwirtschaften in der Region. Im Banzhafer Besen in Bretzfeld-Siebeneich kann man im Eisenbahnwaggon ein deftiges „Banzhäfele“ – eine warme Leberwurst mit Bratkartoffeln – vespern, bei Weihbrechts in Schwabbach kommen Linsen mit Spätzle auf den Tisch, bei der Familie Borth in Adolzfurt die Leber im Trollingersößle und bei Birkert die Fleischküchle mit Kartoffelsalat. Bei den Veranstaltungen der Familie Weibler in Siebeneich dreht sich sogar ein ganzer Ochs am Spieß über dem Grill.

Ausgezeichnet Dass hervorragende Gerichte auch aus einem Foodtruck kommen können, beweist Toni Tänzer in Öhringen: Mit seinem International Streetfood erreichte er bei einem Voting des Magazins „Falstaff“ den ersten Platz. Auszeichnungen gibt es auch für andere Genüsse: Spitzenweine aus der Region treten regelmäßig in den Jahreslisten namhafter Weinführer auf und bei den Bränden und Spirituosen kann sich die Region über einige Superlative freuen: Die Brenner-Familie Mozer aus Pfedelbach wurde jüngst beim Craft Spirit Award in Berlin zu einer der zehn „World’s Best Craft Distilleries 2022“ gekürt.