Heilbronn will fürs Gärtnern mit Wildpflanzen begeistern: Gratis-Samentütchen von den Heilbronner Buga-Freunden

Stadt beteiligt sich an bundesweiter Aktion „Tausende Gärten, Tausende Arten“ – Bürger erhalten Gratis-Saatgut solange der Vorrat reicht

Mehr Biodiversität soll die Aktion "Tausende Gärten, Tausende Arten" bringen. Dabei schafft die Stadt Heilbronn auch an Straßenrändern Wildblumenwiesen. Mitmachen kann jeder - auch im eigenen Garten. Foto: dpa

Margariten, Kornblumen, Wiesen-Salbei und andere Wildpflanzen statt Kies und Schotter: Heilbronn setzt auf die Stärkung der Biodiversität. Deshalb beteiligt sich die Stadt an der bundesweiten Kampagne "Tausende Gärten, Tausende Arten“, ein Projekt, das im Bundesprogramm für mehr Biologische Vielfalt vom Umweltministerium gefördert wird.

Artensterben Die Zahlen sind alarmierend: Die Flächen an Lebensräumen für Insekten haben sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr verringert. Deshalb sind in Deutschland rund 40 Prozent der insgesamt 33000 vorkommenden Arten vom Aussterben bedroht. Jetzt geht es darum, den Rückgang zu stop pen, Klimanpassung und Nachhaltigkeit zu verbinden. Dazu können auch Städte ihren Beitrag leisten - mit vielen Grünflächen statt mit Beton und Schotter.

Jeder kann mitmachen „Mit unserer Teilnahme wollen wir die Biodiversität in Heilbronn weiter stärken und zugleich möglichst viele Menschen zum Mitmachen einladen“, sagt Oberbürgermeister Harry Mergel. „Jede und jeder Einzelne kann im Garten oder auf dem Balkon für den Insektenschutz und damit für die Artenvielfalt aktiv werden“, betont er. Aber auch Unternehmen, Schulklassen und Kitas sind dazu aufgerufen, sich aktiv an der Aktion zu beteiligen und damit mit dem Thema auseinander zu setzen.

Neue Kultur Ziel von "Tausende Gärten, Tausende Arten" ist eine neue Gartenkultur, welche die Begeisterung fir das Gärtnern mit einheimschen Wildpflanzen weckt, naturnahe Gärten populär macht und die für echte heimische Wildpflanzen wirbt. Dazu gehören unter anderem die Wiesen-Margarite, Kornblumen, Wiesen-Salbei, Heil-Ziest, Kuhschelle, wilde Malve, wilde Karde und verschiedene Glockenblumen sowie weitere heimische Kräuter-, Stauden- und Gehölzar ten. Denn Insekten und Vögel brauchen Blühpflanzen, die sie während der gesamten Vegetationsperiode mit Pollen, Nektar und Samen versorgen.

Deshalb geht die Stadt mit gutem Beispiel voran, indem sie in Freiflächen Wildblumensamen aussät. An sechs ausge wählten Orten im Wertwiesenpark, im Campuspark, auf dem Friedensplatz, an der Stauwehrhalle Horkheim, beim Schießhaus und im Botanischen Obstgarten werden Demonstrationsflächen entlang der Wege angelegt und Informationstafeln aufgestellt. Außerdem werden Straßenbe gleitflächen in blühende Wie sen verwandelt und Landwirte beim Artenschutz unterstützt.

Gratis-Samentütchen Zusätzlich engagiert sich der Verein der Buga-Freunde seit 2019 gärtnerisch auf etlichen Kleinflächen. Jetzt sind auch die Bürger zum Mitmachen aufgerufen, ihre Vorgärten, Balkone, Terrassen und Gärten in kleine Wildblumenparadiese zu verwandeln. Mitmachen ist ganz einfach: Die Stadt stellt das passende Saatgut mit zahlreichen regionaltypischen Wildblumenmischungen zur Verfügung. „Das Saatgut kann im Zentralen Bürgeramt und in allen Bürgerämtern außer in Klingenberg, in der Tourist-Info (Kaiserstraße 17), im Service-Center Bauen (Caecilienstraße 45) sowie im HNV Kundencenter in der Harmonie abgeholt werden, so lange der Vorrat reicht“, sagt Projektkoordinatorin Susanne Toellner vom Heilbronner Grünflächenamt. Ausgesät werden können die Wildblumenmischungen noch bis Juni.

Bodenvorbereitung Zur blühenden Wiese gelangt man ganz einfach: Erstens den Standort festlegen. Geeignet sind sonnige bis halbsonnige Flächen. Dann den Boden vorbereiten. Vor dem Aussäen vorhandene Pflanzenteile und Wurzeln entfernen, Sand unter die Erde mischen und sie so bearbeiten, dass das Beet einen feinkrümeligen Boden aufweist.

Auch die Einarbeitung von Komposterde ist für das Gedeihen hilfreich. Wer einen Blumenkasten bepflanzen will, füllt diesen mit Kübelpflanzenerde oder Dachbegrünungsubstrat. Alternativ lässt sich auch Blumenerde im Verhältnis 2:1 mischen. Möglichst etwas lehmigen Unterboden beigeben.

Als Saatgut ausschließlich zertifizierte regionale oder gebietsheimische Mischungen verwenden. Als Ursprungsgebiet sollte das südwestdeutsche Bergland angegeben sein. Das Saatgut gleichmäßig ausstreuen. Nur andrücken ode anwalzen, aber nicht in die Erde einarbeiten. Achtung: nur vorsichtig gießen, da das Saatgut sonst wegschwemmt. Die Fläche bis zur Keimung, die in drei bis fünf Wochen erfolgt, feucht halten.

Viel Pflege brauchen die Wildblumen nicht, aber etwas Geduld, denn die Blumen und Stauden zeigen ihre wahre Schönheit erst im zweiten Jahr. Lediglich Unkraut sollte herausgezupft werden. Blumenkästen können ganzjährig draußen stehen bleiben, denn vertrocknete Staudenstängel bieten Insekten willkommenen Unterschlupf Ein Rückschnitt oder Abmähen ist nach dem Winter möglich. Dann aber sollte das Mähgut liegenbleiben, damites wieder aussamen kann.

Freudetellen Ihre Freude über das so entstandene kleine Wildblumenparadies können die Heilbronnerinnen und Heilbronner unter #Insektenvesper auf sozialen Netzwerken teilen. Unter allen Teilnehmern verlost die Stadt dann im Herbst ein kleines Präsent.

Weitere Infos gibt es unter www.tausende-gaerten.de , www.heilbronn.de/Insektenvesper und www.heilbronn.de/Grünflächenamt .

INFO Thema des MonatsSo geht es weiter

14. Mai "Blütenpracht für Spätentschlossene" (Magazin)

17. Mai , Der Reizöffentlicher Bänke in Grünanlagen" (Region)

19. Mai ,Hausmittel zur Schädlingsbekämpfung" (Region)

21. Mai „Mulch - ein Deckmäntelchen fürs Beet" (Magazin)

Biodiversität

Mit ihrer Teilnahme an der Aktion setzt die Stadt Heilbronn auf mehr Biodiversität.

Parks und Grünanlagen: Vermehrt werden Rasenflächen auf artenreiche Wiesen umgestellt. Als Blühstreifen eignen sich sonnige Flächen entlang von Wegen, die Lebensräume für Insekten und Vögel vernetzen.

Wie Blumenbeete auch, sollen die Wiesenflächen nicht betreten werden, damit sie in einem guten Zustand bleiben.

Straßenbegleitgrün: Entlang von Straßen werden Grünstreifen zunehmend als Wiesen gepflegt, wenn sie aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht niedrig gehalten werden müssen. Gepflanzt werden vor allem insektentaugliche Wildstauden. 

Ackerrandstreifen: Mit dem Ackerrandstreifenprogramm unterstützt Heilbronn Landwirte gezielt beim Artenschutz. Geförderte Blühstreifen entlang der Felder bieten Pflanzen und Tieren Lebensraum und schützen den Oberboden bei starken Regenfällen vor Erosion. Unterstützt wird die Initiative zu mehr Biodiversität von den Buga-Freunden, die sich seit 2019 für viele gärtnerische Flächen in der Stadt engagieren.kü