Wichtige Säulen der Therapie

Medizinische Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus: Kompressionsstrümpfe und Orthesen

Viele Orthesen gibt es von der Stange, etwa zur Stabilisierung der Gelenke beim Sport. Manchmal aber braucht es eine individuelle Anfertigung vom Orthopädietechniker. Foto: Dan Race/stock.adobe.com

8.09.2021

Manche Krankheiten entwickeln sich schleichend: Lymph- und Venenleiden gehören dazu oder degenerative Erkrankungen wie die Arthrose. Hier spielt die Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln eine wichtige Rolle in der konservativen Therapie.

„Phlebologische und lymphologische Krankheitsbilder sind keine harmlosen Befindlichkeitsstörungen, sondern ernstzunehmende medizinische Probleme“, sagt Professor Markus Stücker, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen könne Komplikationen vorbeugen und Beschwerden lindern. „Das setzt aber voraus, dass die Strümpfe auch eine optimale Kompressionswirkung haben – also richtig angepasst wurden und nicht zu alt sind.“

Die Folgen einer fehlenden oder ungenügenden Kompressionsversorgung können gravierend sein. Im schlimmsten Fall droht eine Thrombose, die Hauptursache einer Lungenembolie, an der jährlich bis zu 100000 Menschen in Deutschland versterben.

ENTSTAUUNG ERHALTEN
Auch Patienten, die an einem Lymphödem leiden, profitieren von einer Kompressionsversorgung. Diese spielt eine wichtige Rolle bei der sogenannten Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE). Sie besteht aus einer Entstauungs- und einer Erhaltungsphase. In der Entstauungsphase wird das Bein bandagiert und es werden Lymphdrainagen angewendet, bis die Schwellungen zurückgegangen oder verschwunden sind. In der Erhaltungsphase sorgen dann medizinische Kompressionsstrümpfe dafür, dass dieser Erfolg erhalten bleibt. Aus versorgungsmedizinischen Gründen ist also eine konsequent fortgeführte Kompression bei der Behandlung von phlebologischen und lymphologischen Beschwerdebildern nach wie vor erforderlich. Und es gibt auch keinen Grund, aus Angst vor Corona darauf zu verzichten. Denn für das Maßnehmen der Beine zur Anfertigung von passenden Kompressionsstrümpfen gibt es inzwischen berührungslose Alternativen mit 3D-Messtechnik.

GANGBILD-ANALYSE
Gleiches gilt für die Anpassung von Orthesen. Ein Beispiel ist die Videoanalyse des Gangbildes mit und ohne Orthese. Damit kann zum Beispiel bei einem Patienten mit Kniegelenksarthrose herausgefunden werden, was das Beste für ihn ist: etwa eine Knieorthese, die eine Art Rahmen um das Knie bildet, der es entlastet. Oder eine Unterschenkelorthese, die das Gangbild so verändert, dass sich die Belastung am Knie verringert. Daher lässt man den Patienten im Sanitätshaus die unterschiedlichen Hilfsmittel testen, um das Hilfsmittel auszuwählen, das nicht nur indikationsgerecht ist, sondern auch zu den individuellen Lebensumständen passt.

MESSSYSTEME
Ob sich eine Orthese positiv auf die Körperhaltung auswirkt, kann mit modernen Messsystemen überprüft werden. Oft merken die Patienten selbst unmittelbar, ob eine Orthese zu ihnen passt. Die Schmerzen sind dann sofort reduziert oder ganz verschwunden, weil die Belastung korrigiert wurde.

Auch im Zusammenhang mit der operativen Arthrosetherapie spielen Orthesen eine Rolle. Mit ihnen lassen sich beispielsweise bei der Kniearthrose Operationen teilweise aufschieben oder ganz vermeiden. red

TERMINE

Informationen im Internet
Freitag, 1. Okt., 14 – 16.30 Uhr, Praxiswerkstatt: seriöse Angebote rund um Gesundheit, Therapie und Pflege. VHS Heilbronn, Cäcilienstr. 54. Anmeldung unter Telefon 07131 99650.

Gesundheits-Apps
Freitag, 22. Okt., 14 – 16.30 Uhr, Praxiswerkstatt: Wie findet und nutzt man passende Gesundheits-Apps? VHS Heilbronn, Deutschhof. Anmeldung unter Telefon 0713199650

Sport bei Arthrose?
Samstag, 23. Okt., 11 Uhr, Vortrag mit Dr. Carlo Bussi, Facharzt für Orthopädie. VHS Heilbronn, Deutschhof. Anmeldung unter Telefon 07131 99650

Immunstärkung
Mittwoch, 27. Ok., 17 Uhr, Vortrag mit Dr. Cornelia Blaich-Czink, Ärztin für Allgemeinmedizin. VHS, Deutschhof. Anmeldung unter Telefon 0713199650

Divertikel und Darmkrebsvorsorge
Mittwoch, 27. Okt., 19 Uhr, Vortrag mit Dr. Martin De Bernardinis, Facharzt für Innere Medizin, VHS Brackenheim, Bürgerzentrum, Austraße 21, Otto-Wendel-Saal

Depressionen
Donnerstag, 11. Nov., 19 Uhr, Vortrag mit Birgit Hülsewede, Fachärztin für Psychiatrie, Leiterin des MVZ am Klinikum am Weissenhof, Weinsberg. VHS Möckmühl, Jagsttal-Gymnasium, Lehlestraße 9, Musiksaal

Schlafstörungen
Donnerstag, 18. Nov., 19.30 Uhr, Vortrag mit Dr. Stefan Schröder, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Schlafmedizin, Heilbronn. VHS Bad Rappenau, Wasserschloss, Hinter dem Schloss 1, Dachgeschoss

Plötzlich Pflegefall – und was dann?

Ambulante Dienste helfen weiter, wenn Betroffene zu Hause nicht mehr alleine zurecht kommen

Pflegebedürftigkeit kann plötzlich kommen, etwa durch einen Unfall oder eine akute Erkrankung. Aber auch wenn der körperliche Zustand sich langsam aber stetig verschlechtert, geht es irgendwann nicht mehr alleine. Dennoch können viele alte Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben – dank der Hilfe von Angehörigen oder der Unterstützung durch ambulante Pflegedienste. Ambulante Pflege wird von Sozialstationen in gemeinnütziger oder kommunaler Trägerschaft und von privaten Pflegediensten angeboten. Adressen gibt es bei Ärzten, Pflegekassen oder Beratungsstellen.

Zuallererst sollte der Bedarf ermittelt werden: Welche Hilfsleistungen brauche ich für Pflege, Hauswirtschaft oder Betreuung wie oft? Dann geht es um die Aufteilung: Was können Angehörige oder Nachbarn leisten? Wo sind Fachkräfte nötig? Als nächstes muss die Finanzierung geklärt werden. Zunächst muss ein Antrag auf Anerkennung der Pflegebedürftigkeit bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Beurteilung erfolgt durch den Medizinischen Dienst.

Die Pflegekasse legt auf dieser Basis fest, ob und welcher Pflegegrad zutrifft. Damit können Angebote von Pflegediensten eingeholt werden. In der Regel kommt ein Mitarbeiter zu einem Hausbesuch, um den Leistungsbedarf zu besprechen. Im Angebot sollten alle Leistungen und Kosten aufgelistet und die Beteiligung von Pflege- und Krankenkasse dargestellt sein. Die vertraglichen Vereinbarungen mit dem Dienst sollte der Patient seiner Pflegekasse zur Kenntnis geben. Außerdem sollte er regelmäßig Leistungsnachweise des Dienstleisters gegenzeichnen. Anhand der Pflegedokumentation, die der Dienst führen muss, lässt sich prüfen, ob die Angaben mit den Leistungen übereinstimmen.dpa