Mit dem Rollator wieder aktiv sein

Beim Kauf der Gehhilfe ist einiges zu beachten

Ein Rollator kann dabei helfen, im Alter mobil zu bleiben. Foto: Animaflora PicsStock/stock.adobe.com

16.06.2021

Der Gang wird unsicher, Schwindel macht einem das Leben schwer – jetzt könnte ein Rollator dabei helfen, mobil zu bleiben. „Der Rollator hat heute kein Stigma mehr, zumindest in der Gesellschaft“, sagt Christine Gaszczyk vom Sozialverband VdK in Berlin. Für die Personengruppe, die wohl am häufigsten auf solche Gehhilfen angewiesen ist, gilt das allerdings nicht immer. Mancher Senior habe Bedenken, sagt Frank Leyhausen, Sprecher der Deutschen Seniorenliga: „Man muss sich damit raustrauen.“

Für wen kommt das Hilfsmittel überhaupt in Frage? In der Regel vertrauten Schlaganfall- oder Parkinson-Patienten darauf, erklärt Frank Leyhausen. Auch bei leichter Gangunsicherheit oder Schwindel kann ein Rollator sinnvoll sein.

Andere halten Rollatoren längst nicht immer für das ideale Mittel. „Die Leute verlernen, selbstständig zu laufen, wenn sie sich nur auf den Rollator verlassen, und stürzen schneller“, nennt VdK-Expertin Christine Gaszczyk die Argumente. Andererseits gewinnen Senioren durch einen Rollator an Sicherheit. „Man wird wieder aktiver, viele machen aus Angst sonst bestimmte Sachen nicht mehr“, sagt Gaszczyk. Sie rät aber, vor allem bei Schwindel und Gangunsicherheit mit dem Hausarzt die Ursachen zu erforschen. Eventuell ist ein Rollator dann gar nicht notwendig oder kann vermieden werden.

Stellt der Arzt ein Rezept für einen Rollator aus, haben Versicherte Anspruch auf ein Modell, das die Kasse bezahlt. Das ist in der Regel ein Standardmodell aus Stahl, das durchaus mehr als zehn Kilogramm auf die Waage bringen kann. Das fällt ins Gewicht, wenn der Rollator etwa über einen Bordstein gehoben werden muss. Wer einen leichteres Modell haben möchte, muss in der Regel zumindest einen Teil der Kosten selbst zahlen.

Bei manchen Indikationen wie schwerer Atemnot, Muskel- und Gelenkerkrankungen sei es besser, sich einen Leichtgewicht-Rollator verschreiben zu lassen, erläutert Roman Schukies von der Stiftung Warentest, die 2019 eine Untersuchung zu Rollatoren veröffentlicht hat – nur zwei von zwölf Modellen waren „gut“.

Christine Gaszczyk rät generell, sich vor dem Kauf eine Liste zu machen: Was soll der Rollator können, bei was soll er unterstützen? So findet man heraus, welche Eigenschaften einem eigentlich am wichtigsten sind.

Wollen Sie den Rollator vor allem draußen nutzen? Dann ist es gut, wenn er stabiler konstruiert ist, meint Gaszczyk. In einer Wohnung mit schmalen Fluren und engen Zimmern hingegen sei ein leichteres Modell besser. Tasche oder Korb sind sinnvolles Einkaufszubehör. Wer mobil mit Bahn, Bus oder Auto unterwegs ist, sollte darauf achten, wie gut sich das Modell zusammenklappen lässt und alleine stehen kann. Die Standard-Rollatoren im Test der Stiftung Warentest wurden über die Querachse zusammengefaltet – „Klemmfallen inklusive“, wie Schukies sagt. Die Leichtgewichte dagegen hatten eine Schlaufe, an der man zieht – und der Rollator klappt zusammen. Diese Modelle nennt man Längsfalter.

BERATUNG
Was immer wichtig ist: die individuelle Anpassung des Rollators. Die Höhe der Griffe zum Beispiel muss sich einstellen lassen. Sie sollte so sein, dass man sich nicht aufstützt, sondern aufrecht stehen kann. Sind die Handgelenke auf gleicher Höhe mit den Griffen und lassen diese sich mit leicht angewinkelten Armen umfassen, dann ist der Rollator in der Regel richtig eingestellt. Bei bestimmten Krankheiten könnten aber andere Einstellungen nötig sein. Am besten lassen sich Betroffene den Rollator im Sanitätshaus individuell anpassen. Dabei erhalten sie auch eine Einführung in den richtigen Umgang mit dem Gerät. dpa

BERNADETTE WINTER