Vom Kinderwunsch zum Wunschkind

Klappt es nicht spontan mit der Schwangerschaft, können sich Paare helfen lassen – nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch

Der Traum vom Kind geht nicht immer von selbst in Erfüllung. Foto: Svetlana Fedoseeva/stock.adobe.com
Der Traum vom Kind geht nicht immer von selbst in Erfüllung. Foto: Svetlana Fedoseeva/stock.adobe.com
VON TERESA NAUBER, DPA

Ein Baby ist für viele die Krönung ihrer Beziehung. Und es gibt sie durchaus, die gesegneten Paare: Sie lassen die Verhütung weg – und schwupps ist die Frau schwanger. Bei anderen dauert es dagegen sehr lange, bis der Kinderwunsch in Erfüllung geht.

Ein Jahr sollten sich Paare Zeit geben, sagen Anne-Sophie Fleckenstein und Antje Mainka. Die Gynäkologinnen sind Autorinnen des Buches „Endlich schwanger!“ (Verlag Gräfe und Unzer, 17,99 Euro). „So banal es klingen mag – das Wichtigste ist, in dieser Zeit regelmäßig Sex zu haben“, sagt Fleckenstein. Entscheidend ist die Zeit um den Eisprung herum. Wann der stattfindet, hängt von der Länge des Zyklus ab. Im Schnitt ist dieser 28 Tage lang. Ist das der Fall, bedeutet das: Ab dem zehnten Tag nach Beginn der Regelblutung sollte das Paar ungefähr jeden zweiten Tag miteinander schlafen. Der Eisprung findet irgendwann um den 14. Tag herum statt. Ab diesem Moment kann die Eizelle ungefähr 36 bis 72 Stunden lang befruchtet werden.

Den zweiten wichtigen Punkt haben viele Paare gar nicht auf dem Schirm, sagt Fleckenstein: ihren Lebensstil. „Wer wirklich gern schwanger werden möchte, der sollte sich gesund ernähren, an der frischen Luft Sport treiben und ein gesundes Gewicht halten.“ Der Body Mass Index sollte zwischen 19 und 25 liegen. Außerdem trage das allabendliche Gläschen Wein nicht unbedingt dazu bei, dass eine Eizelle befruchtet werden kann. Rauchen schade sowieso. Und Achtung: All das gilt ausdrücklich für beide Partner.

Hat es binnen eines Jahres nicht geklappt, lohnt sich ein Besuch beim Gynäkologen, sagt Fleckenstein. Er wird beispielsweise fragen, ob die Frau Vorerkrankungen hat oder schon einmal operiert wurde. Außerdem kann er den Hormonstatus überprüfen. Und er kann mittels Ultraschall nachsehen, ob und wann der Eisprung stattfindet. „Dafür muss die Frau etwa drei Mal in einem Zyklus zum Frauenarzt gehen“, sagt Mainka. Die Kosten für diese Untersuchungen übernimmt die Krankenkasse in der Regel nicht. Parallel kann der Mann ein Spermiogramm erstellen lassen. Eine Probe seines Ejakulats wird unter dem Mikroskop darauf geprüft, wie viele Spermien sich darin befinden und wie schnell sie sich bewegen. Je nach Ergebnis können sich Paare für eine entsprechende Kinderwunschbehandlung entscheiden.
  
ZERREISSPROBE
An diesem Punkt angekommen, haben die Betroffenen meist schon reichlich Nerven gelassen. Denn ungewollte Kinderlosigkeit kann das für die Paare zur Zerreißprobe werden. „Es ist häufig schwer zu ertragen, dass andere Paare einfach so ein Baby bekommen können“, sagt Paar- und Familientherapeutin Petra Thorn, Vorsitzende des Netzwerks Kinderwunsch Deutschland (BKiD). Beginnt der Wunsch nach einem eigenen Kind das eigene Leben zu beeinträchtigen, sei es sinnvoll, sich Hilfe zu suchen: „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Paar nur noch über das Thema Kind spricht, keine Freude mehr am Sex hat oder sich von Freunden abwendet, weil diese Nachwuchs bekommen haben.“

Im Mittelpunkt der Beratung steht die Frage, ob es eine Kinderwunschbehandlung geben soll oder nicht. Einige Paare entscheiden sich dagegen, sagt Thorn. „Dann kann zum Beispiel eine Adoption infrage kommen, in selteneren Fällen auch die Aufnahme eines Pflegekinds.“ Anderen Betroffenen gelinge es, ganz bewusst ein Leben ohne Kind zu führen.

Wer sich von dem Wunsch nach einem eigenen Baby nicht verabschieden kann oder möchte, hat in Deutschland mehrere Optionen: Dem Eisprung bei der Frau kann man mit bestimmten Präparaten auf die Sprünge helfen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Spermien mit einem dünnen Schlauch direkt in die Gebärmutter zu befördern. „Den Weg zur Eizelle müssen sie dann selbst finden“, erklärt Mainka. Es können auch Spendersamen inseminiert werden, wenn der Partner zeugungsunfähig ist. Eine weitere Option ist die sogenannte In-vitro-Fertilisation. Dabei werden der Frau Eizellen entnommen und im Labor mit Spermien des Partners zusammengebracht. Im Anschluss transferieren Ärzte die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter.
   

„Eine Kinderwunschbehandlung gleicht häufig einer emotionalen Achterbahnfahrt.“

Petra Thorn

UNTERSTÜTZUNG
Egal welche Behandlung eingesetzt wird: Thorn empfiehlt, sich währenddessen psychologisch unterstützen zu lassen. „Eine Kinderwunschbehandlung gleicht häufig einer emotionalen Achterbahnfahrt, die für die Betroffenen unheimlich anstrengend ist.“ Die Chancen, durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden, liegen bei Frauen unter 35 Jahren pro Zyklus bei ungefähr 30 Prozent, erklären Mainka und Fleckenstein. In höherem Alter sinkt die Erfolgsquote rapide: Es gebe biologische Grenzen, die auch die moderne Kinderwunschmedizin nicht außer Kraft setzen kann, betont Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren.