Hörverlust erhöht das Risiko für Demenz

Welttag des Hörens macht auf die Bedeutung des Hörsinns aufmerksam – Experten empfehlen regelmäßige Tests ab dem 50. Lebensjahr

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3.03.2021

Mozart oder Metallica, Kinderlachen, Vogelzwitschern oder ein Gespräch unter Freunden: Hören ist nicht nur das Wahrnehmen von Geräuschen, sondern ein komplexer Prozess, der Orientierung, Verständnis und Teilhabe ermöglicht. Ein eingeschränktes Hörvermögen gilt deshalb als bedeutendes Risiko für eine Demenzerkrankung, weil wesentliche Teile des Gehirns nicht mehr gefordert werden.

„Die Ohren nehmen akustische Signale aus der Umwelt auf und wandeln diese in eine Form um, die das Gehirn verarbeiten kann“, heißt es beim Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Dies geschieht zunächst mechanisch, indem die Schallwellen über das Trommelfell die Gehörknöchelchen in Schwingung versetzen. Diese werden an das Innenohr weitergegeben, wo sie von unzähligen kleinen Sinneshärchen in elektrische Impulse umgewandelt werden, die wiederum über den Hörnerv ins Hörzentrum im Gehirn gelangen. Erst hier entsteht der eigentliche Höreindruck. „Die Kommunikationssignale wecken in logischen Verknüpfungen unterschiedliche Erinnerungen und Erfahrungen“, erklären die HNO-Ärzte im Netz. „Das Gehörte mit Erinnerungen zu verbinden, beschreibt den Prozess des Verstehens. Dieser Prozess, der sich in den neuronalen Netzwerken des Gehirns abspielt, wird im Laufe des Lebens durch Neues ständig gefördert.“

URSACHEN 
Doch im Laufe des Lebens kann die Hörleistung eben auch erheblich abnehmen. Das Alter ist eine der Hauptursachen für Hörverlust, eine andere ist Lärm. Laut dem Institut für Arbeitsschutz ist Lärmschwerhörigkeit die häufigste anerkannte Berufskrankheit in Deutschland. Nach der „Global Burden of Disease“- Studie der WHO zählen Hörstörungen in den Industrieländern zu den sechs häufigsten, die Lebensqualität am meisten beeinträchtigenden Erkrankungen. Rund 15 Millionen Deutsche über 50 Jahre seien mehr oder weniger von Einschränkungen des Hörvermögens betroffen, schätzt die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH).

Die Folgen können schwerwiegend sein. „Häufige Missverständnisse führen zu Konflikten und schließlich zu Stress und Versagensängsten“, warnt die FGH. Und: „Unbehandelter Hörverlust geht durch den kognitiven Leistungsverlust mit einem erhöhten Risiko einher, an einer Demenz oder Depression zu erkranken. Auch ein erhöhtes Sturzrisiko und die Gefahr einer allgemeinen Hilfsbedürftigkeit sind nicht von der Hand zu weisen“, sagt Dr. Dirk Heinrich, Präsident des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte.

Oft tritt der Hörverlust schleichend ein: Betroffene nehmen bestimmte Frequenzen und Tonlautstärken nur noch vermindert oder überhaupt nicht mehr wahr. „Um die schwerwiegenden Folgeerkrankungen zu verhindern, sollte ab dem 50. Lebensjahr regelmäßig ein Hörtest beim HNO-Arzt gemacht werden“, fordert Heinrich. Auch Hörakustiker bieten Hörtests an, oft sogar kostenlos. „Hörakustiker sind Experten in Sachen Hörsystemanpassung und Prävention, wie dem Gehörschutz“, erklärt Beate Gromke, Präsidentin der Europäischen Union der Hörakustiker (EUHA).

HIGHTECH 
Moderne Hörsysteme sind winzige Hightech-Geräte, die sich individuell einstellen lassen. Mit ihnen kann man nicht nur besser hören, sondern darüber hinaus eine Vielzahl von Zusatzfunktionen nutzen. Schaltzentrale ist dabei das Smartphone als Medium für Musik-, TV- und Radiohören, für Navigieren, Telefonieren, Sprachansagen und mehr.

@ welttag-des-hoerens.de

VON UNSERER REDAKTEURIN
RENATE DILCHERT

Welttag des Hörens

Am Mittwoch, 3. März, ist Welttag des Hörens. Mit diesem Aktionstag will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeinsam mit nationalen Partnern die globale Aufmerksamkeit auf die Prävention und Versorgung von Hörminderungen und auf die Bedeutung des Gehörs lenken. Die Kampagne steht in Deutschland unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das Motto lautet diesmal „Hörgesundheit für Alle!“. Da eine Schwerhörigkeit oft schleichend und lange unbemerkt einsetzt, fordert der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte ein gesetzliches Hörscreening ab dem fünfzigsten Lebensjahr. Bisher werden die Kosten für den anlasslosen Hörtest nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Hörakustiker bieten häufig, besonders aber zum Welttag des Hörens, kostenlose Hörtests an. ate