Ein Virus, zwei Krankheiten

Windpocken und Gürtelrose werden vom gleichen Erreger hervorgerufen – und beide können richtig Probleme machen

Windpocken sind eine typische Kinderkrankheit. Erwachsene, die sie nicht durchgemacht haben, können sich impfen lassen. Foto: Halfpoint/stock.adobe.com

4.11.2020
verosana team Rehabilitationstechnik Vertriebs- und Fertigungs-GmbH

Windpocken gelten allgemein als Kinderkrankheit. Weil diese hochansteckend ist, haben die meisten Menschen die juckenden Bläschen schon im Kindheitsalter aushalten müssen. Einmal und nie wieder, das ist das Gute daran. Doch wer als Jugendlicher oder Erwachsener an Windpocken erkrankt, kommt oft nicht so glimpflich davon, erklärt der Patientenbeauftragte des Deutschen Hausärzteverbandes, Jakob Berger. „Der Ausschlag tritt dann verstärkt auf, auch im Kopfbereich.“ Zudem könne es zu einer Lungenentzündung oder einer Gehirnhautentzündung kommen.

IMPFUNG
Wer als Erwachsener noch keine Windpocken gehabt hat, sollte seiner Ansicht nach eine Impfung erwägen. „Bestimmte Patientengruppen sollten die Impfung auf jeden Fall nachholen“, rät der Hausarzt mit Praxis im bayerischen Meitingen und zählt auf: „Menschen mit starker Atopie, also Menschen, die zu Milchschorf und endogenem Ekzem neigen. Leute mit Risikoerkrankungen im Atemwegsbereich und ebenso jemand, der eine Organtransplantation bekommen soll.“ Wer nicht weiß, ob er als Kind schon Windpocken hatte, kann das mit einem Bluttest feststellen lassen.

Frauen mit Kinderwunsch sollten ebenfalls auf Nummer sicher gehen. Teils zahlen die Krankenkassen die Kosten. Erkrankt eine Mutter kurz vor oder nach der Geburt an Windpocken, kann das Kind geschädigt werden und schlimmstenfalls sogar sterben.

Anstecken kann man sich bei jemandem, der selbst Windpocken hat. Das passiert über die Luft recht schnell. Ansteckungsgefahr droht auch von Menschen mit Gürtelrose – wer noch keine Windpocken durchgemacht hat und nicht dagegen geimpft ist, kann sie durch eine Infektion mit dem Virus bekommen. Ausgelöst durch den gleichen Erreger aus der Familie der Herpesviren, ist die Gürtelrose die Zweiterkrankung der Windpocken.

Wer Windpocken hatte oder dagegen geimpft ist, trägt das Virus lebenslang in sich. Es wird von der eigenen Immunabwehr in Schach gehalten, kann aber reaktiviert werden und dann Gürtelrose auslösen. Wieso genau die Viren wieder in Aktion treten, ist laut Jakob Berger noch nicht abschließend geklärt. „Aber es hat immer mit einer Immunschwäche zu tun“, sagt er. So können Stress oder starke Sonneneinstrahlung eine Gürtelrose hervorrufen. Kranke Menschen im Allgemeinen, besonders aber Tumorpatienten, die mit Substanzen behandelt werden, die das Immunsystem schädigen, sind gefährdet. Betroffen sind außerdem eher ältere Menschen, ergänzt der Hautarzt Erik Senger aus Seligenstadt (Hessen). „Auch Kinder können Gürtelrose bekommen, aber die Häufigkeit steigt mit dem Lebensalter an.“

MEDIKAMENTE
Generell gilt: Mit einer Gürtelrose sollte man schnell zum Arzt. „Je früher man geht, desto besser“, betont Berger. Dann kann der Patient noch sogenannte Virostatika einnehmen, die den Verlauf abschwächen. „Denn es kommt relativ häufig zu einer Gürtelrose-Neuralgie, bei der über Monate bis Jahre starke Schmerzen im Verbreitungsgebiet der Gürtelrose auftreten können.“ Die Medikamente machen solch einen Verlauf unwahrscheinlicher.

BLUTUNTERSUCHUNG
Eine Gürtelrose bekommen die meisten Menschen, wenn überhaupt, nur einmal im Leben. Doch es gibt auch Ausnahmen. Hausarzt Jakob Berger überprüft auf jeden Fall nach einer Gürtelrose-Erkrankung noch mal gründlich das Blut des Patienten. „Es ist ja immer ein Zeichen, dass das Immunsystem in einer schwachen Position ist. Eine Gürtelrose kann sehr selten auch im Rahmen einer Tumorerkrankung auftreten oder ein frühes Anzeichen dafür sein.“

Auch gegen Gürtelrose gibt es eine Impfung – zwei Spritzen im Abstand von mindestens zwei Monaten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Institutes empfiehlt die Impfung für Patienten ab 60 Jahren und bei Risikopatienten schon ab 50 Jahren.

VON CHRISTINA BACHMANN, DPA


Mundhygiene ist bei Diabetes besonders wichtig

Diabetiker haben ein erhöhtes Kariesrisiko. Das liege am erhöhten Zuckergehalt in ihrem Speichel, erläutert der Zahnmediziner Stefan Zimmer. Bestimmte Kariesbakterien könnten sich dadurch leichter vermehren. Dazu kommt noch, dass sich im Speichel von Diabetikern häufig zu wenig Kalzium finde, was die Remineralisierung der Zähne erschwere.

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann außerdem zu Mundtrockenheit führen, was den Bakterien ebenfalls in die Karten spiele, so der Sprecher der Informationsstelle für Kariesprophylaxe in Frankfurt am Main. Speichelfluss trage dazu bei, Essenreste und bakterielle Zahnbeläge wegzuspülen.

Zu hohe Blutzucker-Langzeitwerte begünstigen laut Zimmer Entzündungen und somit die Entstehung einer Parodontitis. Diabetiker sollten darum nicht nur Wert auf eine gründliche tägliche Zahnpflege legen, sondern auch ihren Blutzucker optimal einstellen. Mundgeruch und Zahnfleischbluten als erste Anzeichen für eine Parodontitis sollten sie ernstnehmen und rasch ärztlich abklären lassen.dpa