Ökologische Alternative zum Rasen

Zwergklee: Belastbares und strapazierfähiges Grün, das mit wenig Aufwand verbunden ist

Zwergklee (li.) im Vergleich zum normalen Klee: Nur halb so hoch, kleine Blätter, dichter Wuchs – ideal für gepflegte Grünflächen. Foto: Maurus Senn
Zwergklee (li.) im Vergleich zum normalen Klee: Nur halb so hoch, kleine Blätter, dichter Wuchs – ideal für gepflegte Grünflächen. Foto: Maurus Senn
Heißer und trockener werden die Sommer. Auch in unseren Breiten. Gartenbesitzer, deren ganzer Stolz ein saftiges Grün ist, können ein Lied davon singen, dass die Rasenpflege zunehmend aufwendiger wird. Deshalb haben Handel und Industrie in den vergangenen Jahren diesem Thema besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Das Ergebnis: Spezielle Mischungen, Dünger oder Arbeitsgeräte, die dauerhaftes Grün versprechen.

Ideale Optik
Gärtnermeister Maurus Senn ist da skeptisch. Auch er hat sich mit dem Thema beschäftigt und ist dabei auf eine Gruppe von Züchtern und Wissenschaftlern der Uni Hohenheim gestoßen, die sich auf die Suche nach einer ökologischen Rasenalternative gemacht – und diese im Mikrooder Zwergklee entdeckt haben. Dieser wird zwischenzeitlich unter der Bezeichnung Microclover® in verschiedenen Mischungen zusammen mit Gräsern angeboten.

Doch war genau ist Mikroklee? „Fast jede Kleeart darf so bezeichnet werden. Vorwiegend ist aber der Weißklee Trifolium repens damit gemeint“, erklärt Senn. „Es gibt viele Sorten mit unterschiedlicher Höhe, die vorwiegend für Wiesen, Weiden, Begrünungen und zum Zweck der Tierfütterung eingesetzt werden, aber nur drei (Pipolina, Pirouette und Euromic) hat die Beschreibende Sortenliste des Bundesamts für Ernährungssicherheit (BSL) für die besonders niedere Begrünung anerkannt und zugelassen.“

Im Vergleich zum herkömmlichen Weißklee haben die drei zugelassenen Sorten nur halb so großer Blätter und nut dessen halbe Höhe. Dadurch ergebe sich eine ideale Optik, „so wie wir sie von einer gepflegten Grünfläche erwarten“. Und: Versuche der Uni Hohenheim haben gezeigt, dass Grünflächen mit Zwergklee fast genauso belastbar und strapazierfähig sind wie herkömmlicher Rasen – nur mit weniger Aufwand. Lediglich für stark strapazierte Flächen wie Bolz- oder Fußballplätze eignet er sich nicht.

Für Mähfaule
Wer seine Grünfläche auf eine Klee umstellen will, kann schon jetzt damit beginnen – oder warten, bis die ideale Keimtemperatur von 20 Grad Celsius erreicht wird, was meist erst Mitte Mai der Fall ist. Nach dem gewohnten Vertikutieren wird anstelle von Regenerationsrasen die gewünschte Kleesorte mit ein bis zwei Gramm je Quadratmeter ausgesät. Danach das Ganze mit dem Vertikutierer (etwas tiefer eingestellt) in die Oberfläche leicht einarbeiten. Wie bei der Rasensaat wird die Fläche die nächsten 14 Tage feucht gehalten.

Die Schnitthäufigkeit von echtem Mikroklee ist gegenüber herkömmlichem Rasen um mindestens 60 Prozent geringer. Zwei- bis dreimal Mähen pro Jahr genügt. Je häufiger der Schnitt, desto kleiner und niedriger bleiben die Blätter. Außerdem wird er dann blühfaul.

Robuste Sorten
Die meisten neuen Sorten echter Mikroklee vertragen eine Schnitthöhe von nur zweieinhalb Zentimetern. „Gelegentlich heißt es, dass Mikroklee gegen Hitze und Trockenheit tolerant oder sogar resistent sei. Dies sollte man skeptisch betrachten, denn alle Pflanzen brauchen Wasser, auch Mikroklee“, erklärt Senn, fügt aber gleich hinzu. „Durch die ständige Bildung von Ausläufern beziehungsweise Kriechsprossen können die Pflanzen aber mehr Wasser aufnehmen und sind deshalb bei Hitze und Trockenheit etwas robuster.“

Weil er wie alle Kleearten Stickstoff als Hauptnährstoff aus der Luft sammelt, diesen in Form von Knöllchenbakterien speichert und ihn den Wurzeln für das weitere Wachstum zur Verfügung stellt, kann auf Dünger weitgehend verzichtet werden. Nur im Herbst ist eine Kaligabe von Vorteil, damit die Pflanzen den Winter gut überstehen.

Insektennahrung
Mikroklee ist übrigens auch ideal zur Unterbegrünung von Beerenrungobst, denn er gedeiht sowohl im Schatten als auch in der Sonne. Weil er narbendicht wächst, hilft er, Problemunkräuter wie den Giersch so zu unterdrücken, dass dieser nach zwei bis drei Jahren fast ausgerottet ist.

Nicht ausgesät werden sollte der Weißklee in Hanglagen (Rutschgefahr) und auf allen Flächen in deren näherer Umgebung Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. „Denn die Blüten sind eine hochwertige Insektennahrung“, weiß Senn.

Auch dort, wo viel gespielt wird, sieht der Gartenexperte den Klee eher nicht. „Denn während der Blütezeit kann es dort zu Stichen von Bienen kommen – besonders dann, wenn Kinder barfuß unterwegs sind.“
  
Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth
   

INFO Wissenswertes

Weitere Infos, insbesondere die fachlichen Sortenbeschreibungen und Tipps zur gleichmäßigen Aussaat lassen sich unter info@meingruenerdaumen.de kostenlos anfordern.

Feine Kräutlein, hübscher Klee

Jetzt wird das Sommerwohnzimmer auf Hochglanz getrimmt

Ökologische Alternative zum Rasen Image 1
Liebe Leserinnen und Leser,

endlich geht es wieder los – und wie. Kaum dass die ersten Sonnenstrahlen die Scholle erwärmen, heißt es für Mensch und Natur: Winterschlaf ade. Von Neuem erwacht das Leben im eigenen und in Nachbars Garten. Damit meine ich nicht nur das der Natur, nein, auch das des Hobbygärtners, der nach Monaten relativer Trägheit Involler Tatendrang frisch ans Werk geht, um das Sommerwohnzimmer auf Hochglanz zu trimmen.

Apropos Hochglanz: Des Hobbygärtners ganzer Stolz ist meist der sattgrüne Rasen, der ohne jegliches Unkraut in voller Pracht zeigt: Hier herrscht eine pflegende Hand. In Zeiten des Klimawandels mit heißen, trockenen Sommern eine ambitionierte Aufgabe. Wer es sich leichter machen, aber trotzdem eine gepflegte Grünfläche haben will, der kann von Forschungen der Uni Hohenheim profitieren, die dem Weißklee zu neuen Ehren verhalf – als ökologische, pflegeleichte Alternative zum herkömmlichen Rasen.

Pflegeleicht sind auch die wärmeliebenden Stauden, die trockenen Sommern trotzen (Seiten 6/7).

Nicht nur die Pflanzenauswahl, auch die Art wie der Garten bearbeitet wird, entscheidet darüber, wie wertvoll er als Lebensraum für Mensch und Tier ist. Das kommt nicht nur Igeln (Seite 5), sondern auch Schmetterlingen und vielen In sektenarten (Seite 3) zugute. Auch wer mit dem Nutzgarten wenig am Hut hat, nur über Balkon oder Terrasse verfügt, freut sich über duftende Kräuter und Naschgemüse. Zwergobst, Tomaten und Co. lassen sich auch gut in Kästen und Kübeln ziehen. Frei nach dem Motto: Gurke statt Geranie (Seite 8). Also, einfach mal ran und was wagen im Beet...

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen – und beim Start in die neue Gartensaison wünscht Ihnen

Ihre Ulrike Kübelwirth