Der Garage auf’s Dach gestiegen

Grünflächen in der Höhe haben viele Vorteile und sind förderfähig

Ein spezielles Geotextil lässt die Dachbegrünung ganz ohne Erde zu. Das Material mit voluminöser Mattenstruktur ermöglicht die Durchwurzelung der Pflanzen. Fotos: dpa

17.06.2021

Ein bisschen Grün. Das wünschen sich viele. Doch vor allem in der Stadt ist es mit Gärten nicht allzu weit her. Der Platz ist begrenzt. Doch der Traumgarten muss gar nicht immer zu ebener Erde liegen – Dächer, vor allem die von Garagen, sind potenzielle Grünflächen, die man sich zunutze machen kann. Denn eine Dachbegrünung sieht nicht nur schön aus, sie gibt der Umgebung auch ein wenig Natürlichkeit zurück.

Vielegute Gründe
Gründe für eine Dachbegrünung gibt es viele: Zum einen filtern die Pflanzen Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft, zum anderen produzieren sie Sauerstoff. Das ausgebrachte Substrat speichert Regenwasser und entlastet somit die Kanalisation. Und – eine Dachbegrünung trägt zu besseren Dämmung bei. Im Sommer bleiben die darunterliegenden Räume kühler, im Winter helfen sie Heizkosten zu sparen. Doch vor allem bieten sie Vögeln, Insekten und anderen Kleinstlebewesen einen von Menschen geschaffenen natürlichen Lebensraum. Zudem verlängern Begrünungen die Lebensdauer von Dächern, da diese besser vor Witterungseinflüssen geschützt sind. 

Wer Haus-, Garagen- oder ein Schuppendach begrünen will, sollte sich zu Anfang die Frage stellen, was er möchte: einen richtigen Garten oder nur eine begrünte Fläche? Um herauszufinden, was überhaupt machbar ist, sollte sich ein Landschaftsgärtner die Gegebenheiten ansehen.

Ist die Fläche begehbar, wird der Experte wohl eine Intensivbegrünung vorschlagen. Dafür werden eine durchwurzelungsfeste Dachabdichtung und verschiedene Erdschichten angelegt. Das fertige Projekt ähnelt dann einem ebenerdigen Garten mit Rasen, Stauden, Gehölzen und sogar Bäumen. In diesem Fall ist die Pflanzenauswahl besonders wichtig, sind sie an ihrem neuen Standort doch Wind und Wetter in extremer Weise ausgeliefert.

Die einfachere Variante ist die extensive Dachbegrünung, die zwar nicht wie ein Garten genutzt werden kann, aber das Auge erfreut. Hier wird mit einem speziellen Vegetationssubstrat gearbeitet, auf dem genügsame Vertreter wie Gräser, niedrige Stauden, Wildkräuter, Sukkulenten und Moose gedeihen.

Auch auf einem grünen Dach wollen die Pflanzen gehegt und gepflegt werden. Bei der extensiven Variante hält sich de Aufwand aber in Grenzen. Lediglich im Frühjahr und Herbst sollten Abflüsse, Rand- und Sicherheitskanten von Wildwuchs und altem Laub befreit werden.

Intensiv oder extensiv

Klimarobust: der amerikanische Amberbaum.
Klimarobust: der amerikanische Amberbaum.

Für eine Intensivbegrünung sind übrigens die wenigsten Garagendächer geeignet. Was sie aushalten, ist eine Frage der Statik, und die sollte in jedem Fall mit dem Architekten oder Bauträger geklärt werden. Das maximal mögliche Gewicht hat nicht nur Auswirkungen auf Art und Materialien der Dachkonstruktion, sondern auch auf die Zusammenstellung der Erdmischungen und die Auswahl der Pflanzen. Diese müssen außerdem zu den Standort-Bedingungen passen.

Extensivbegrünungen wiegen durchschnittlich zwischen 50 und 170 Kilo pro Quadratmeter Fläche, intensive haben Flächenlasten ab 300 Kilo pro Quadratmeter. Und auch preislich – immerhin werden hier Stauden, Sträucher und Bäume gepflanzt – schlagen sie mit etwa 80 bis 140 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Bei der extensiven Variante sind es letztlich zwischen 40 und 70 Euro.

Ein bisschen was davon kann man sich aber vom Staat wieder zurückholen: In ihrem Programm „Energieeffizient Sanieren“ fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW (www.kfw.de), die Dachbegrünung mit einem Zuschuss. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Kosten für die Dachdämmung plus Begrünung von der Steuer abzusetzen. Eine Kombination aus beidem ist aber nicht möglich.

Ulrike Kübelwirth