Reduziert auf das Wesentliche

Elektromobilität der Zukunft

Fotos: Sono Motors

7.10.2021

Das Münchner Start-up Sono Motors will ein Elektrofahrzeug mit Solarzellen auf den Markt bringen. Der Sion nutzt Sonnenlicht für zusätzliche Reichweite.

Beim Sion ist einiges anders als bei anderen Autos. Das fängt schon bei der Form an, denn der 4,47 Meter lange Stromer trägt keine trendige SUV-Karosse zur Schau, sondern rollt im völlig aus der Mode gekommenen Kompaktvan-Look vor. Hier ordnet sich das Design der Funktion unter. Einerseits, um viel Platz im Innenraum zu schaffen. Andererseits, weil der vom 200 Mann starken Münchner Start-up-Unternehmen Sono Motors präsentierte Wagen großflächig mit Solarzellen bestückt ist. Sie finden sich zum Beispiel auf dem Dach, auf der Haube, den Türen und am Heck wieder – und brauchen möglichst glatte Oberflächen.

Im Schnitt sollen über die dünnen, flexiblen Solarpanels 112 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Woche gewonnen werden. Die restliche Energie nimmt der Sion über die Ladebuchsen an der Frontpartie auf – bis zu 75 kW an einer Schnellladesäule (CCS) und bis zu 11 kW an einer Wechselstrom-Wallbox (Typ-2-Stecker). Doch der Sion tankt nicht nur Energie, sondern kann sie auf Wunsch auch abgeben, fungiert quasi als fahrender Akku (Fachsprech: bidirektionales Laden).

Schell Schokoladen

Gedacht für die Stadt

Im Moment gibt es den stets schwarz eingefärbten Wagen nur als Prototyp. Dank seiner 54 kWh großen Batterie soll der 163 PS starke Sion bis zu 305 Kilometer weit kommen, gemessen nach der realistischen WLTP-Norm. Beim Fahren fühlt sich der rund 1,7 Tonnen schwere Fronttriebler spritzig an, 270 Newtonmeter Drehmoment sorgen für angenehmen Druck, die versprochene Beschleunigung von null auf 100 in neun Sekunden wirkt glaubwürdig. Mit Rücksicht auf die Reichweite ist der Neuling schon bei 140 km/h abgeregelt – auch damit wird klar, wo der Hersteller den primären Einsatzzweck des Elektroautos sieht: in der Stadt.

Gebaut werden soll der Sion übrigens im früheren Saab-Werk Trollhättan (Schweden). „Geplant ist, dass im ersten Halbjahr 2023 die ersten Autos vom Band rollen“, sagt Marketing-Manager Max Flicker. Reserviert werden kann das Auto gegen Anzahlung bereits jetzt – was laut Flicker schon mehr als 14 000 Interessenten getan haben.

Kaum Schalter

Jeder Sion kann gegen Aufpreis mit einer Anhängerkupplung bestellt werden – das war es dann aber auch schon mit Extras, mehr gibt es nicht. Auch auf Farboptionen für die Kunststoff-Karosserie wird verzichtet. Im Innenraum fallen mehrere Dinge auf: Fahrstufen werden über einen Hebel am Lenkrad eingelegt, einen Schalter für die Handbremse gibt es hingegen nicht. Auch sonst sind kaum klassische Knöpfe und Tasten vorhanden, die meisten Funktionen können über das zehn Zoll große Touchdisplay des Infotainments gesteuert werden. Ein Navi ist nicht an Bord, Apple Car Play und Android Auto zur kabellosen Smartphone-Integration aber schon. Darüber hinaus hat der Hersteller eine App mit speziellen Zusatzfunktionen entwickelt (siehe Info). USB-C-Ports vorn wie hinten sind Standard, induktives Laden ist bislang nicht vorgesehen.

25 500 Euro

Daneben gibt es ein digitales Cockpit sowie eine Pflanzenleiste mit Moos. Letztere soll die Innenluft von Schadstoffen reinigen. Materialqualität (durchgehend harte Kunststoffe) und Ambiente wirken recht einfach, was aber nicht weiter verwundert, denn mit einem Kaufpreis von 25 500 Euro gehört der sehr geräumige, fünfsitzige Sion zu den günstigsten Elektroautos auf dem (deutschen) Markt – und das muss sich ja irgendwo bemerkbar machen.

Abstriche muss man auch beim Thema Sicherheit machen, denn außer dem Schleuderschutz ESP und sechs Airbags sind kaum nennenswerte aktive oder passive Systeme eingeplant. Es wird spannend zu sehen, welche Einstufung der Sion beim Euro-NCAP-Crashtest erreichen wird. Sollte alles funktionieren wie gedacht, könnten im Werk Trollhättan dann pro Jahr bis zu 43 000 Fahrzeuge produziert werden. Alexander Rülke

Sono App

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Über die eigens entwickelte Sono App lassen sich laut Hersteller künftig Echtzeit-Fahrzeugdaten abrufen, zudem kann das Smartphone auch als digitaler Schlüssel dienen. Darüber hinaus bietet die App eine Car-Sharing- Funktion zum Teilen des Sion sowie das sogenannte Ride Pooling – Besitzer können so vor Fahrtantritt Mitfahrgelegenheiten anbieten. Weitere Infos zur digitalen Infrastruktur und zum Sion gibt es unter www.sonomotors.com.