Neues Zuhause gesucht

PFLEGEHEIM - Corona-Pandemie erschwert Auswahl-Bedingungen

Foto: brankospejs/stock.adobe.com

16.09.2020

Einen Platz im Pflegeheim zu finden, ist unter normalen Umständen schon nicht immer leicht – in Zeiten der Corona-Pandemie gilt das erst recht. Zum Teil dürfen die Heime keine neuen Bewohner aufnehmen. Ausführliche Besichtigung? Selten möglich. Und meist müssen Pflegebedürftige nach dem Einzug eine Zeit lang in Quarantäne.

Doch Pflegebedarf richtet sich nicht danach, ob gerade eine Pandemie herrscht. Für Angehörige ist die jetzige Situation herausfordernd. „Viele warten im Moment aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona ab und versuchen stattdessen, die Pflege zu Hause zu realisieren“, sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK. „Das geht mal mehr, mal weniger gut.“

Zentraler Baustein bei der Wahl des Pflegeheims ist üblicherweise die Besichtigung – diese aber ist aktuell oftmals nicht oder nur bedingt möglich, gleiches gilt fürs Probewohnen, so Bentele. Die Besichtigung von Einrichtungen sei sicherlich nicht im Sinne der infektionshygienischen Maßnahmen, erklärt eine Sprecherin der Caritas und verweist auf Möglichkeiten wie Flyer, Website oder Telefon.

„Man muss es also anders hinkriegen – sich zum Beispiel am Telefon etwas über das Pflegeheim erzählen lassen: Was gibt es für Angebote, wie ist der Umgang mit den Bewohnern?“, sagt die Pflegerechtsexpertin Verena Querling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Nur auf den Eindruck am Telefon sollte man sich aber nicht verlassen.

Sie verweist auf schriftliche Broschüren der Heime. „Die müssen laut dem Wohn- und Betreuungsgesetz wahrheitsgetreu das Angebot widerspiegeln.“ Sonst könne man sich beschweren und gegebenenfalls Geld zurückverlangen. Idealerweise kommt es aber gar nicht erst dazu, weil man sich schon vorher genau mit dem Heim auseinandergesetzt hat. Im Idealfall kennt man die Einrichtung vor Ort von Veranstaltungen aus Vor-Corona-Zeiten oder erhält Insider-Informationen von Nachbarn und Bekannten, die dort die Mutter oder den Opa untergebracht haben.

Orientierung
Ratsam ist auch ein Blick auf die Pflegenoten: Die vergibt der medizinische Dienst der Krankenkassen. Er prüft und bewertet die Heime nach vorgegebenen Kriterien, wie Querling erklärt. Sie rät aber, sich nicht nur auf die Durchschnittsnote zu verlassen. „Wir empfehlen dringend zu prüfen, wie das Heim in den einzelnen Kategorien abgeschnitten hat, die einem wichtig sind.“

Es gibt an den Pflegenoten auch Kritik – vor allem, dass sie zu positiv seien. Bewertungsportale sind aus Sicht der Verbraucherschützerin nur mit Vorsicht zu genießen: „Weil man nicht immer weiß, ob die von den Heimen bezahlt werden und nach welchen Kriterien sie genau bewerten.“ Als Orientierung nennt Querling noch das Siegel Grüner Haken. „Gut ist, dass hier die Lebensqualität im Vordergrund steht.“

Von Tom Nebe, dpa