Einfach anders reisen: Tipps von der Heilbronner Reisebloggerin Katrin Lehr

Nachhaltiger Urlaub

Wer reist, lernt die Welt kennen – begeht aber auch eine der schlimmsten Umweltsünden unserer Zeit. Deshalb: Tipps, wie wir in Zukunft nachhaltiger in die Ferne schweifen. Fotos: interstid/stock.adobe.com, Linkdin

10.06.2021

Ist nachhaltiges Reisen überhaupt möglich? Ist es nicht sogar ein Widerspruch? Alle Länder dieser Welt zu Fuß oder mit dem Rad zu erkunden, ist utopisch. Gleichzeitig sind aber die Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt und das Klima verheerend. Wir verreisen immer häufiger und kürzer und wählen Reiseziele auf der ganzen Welt. Ein Umdenken muss her: Nachhaltiger Tourismus verfolgt langfristige Ziele und ein kontrolliertes Wachstum innerhalb der Branche. Wichtig sind auch soziale Gerechtigkeit, die Beachtung ethischer Grundsätze, umweltverträglicher Aspekte und der Respekt vor Kulturen.

Mit Klimaprojekten Emissionen kompensieren

Seit 2013 betreibt die Heilbronnerin Katrin Lehr ihren Reiseblog „Viel Unterwegs“, seit 2020 in Begleitung des Campervans Vincent (https://viel-unterwegs.de). „Ich verstehe nur zu gut, dass alle raus wollen“, stellt die 43-Jährige fest. Nicht zu reisen, sei auch keine Lösung. Länder wie Thailand oder Griechenland seien vom Tourismus abhängig. Doch Lehr hat in den vergangenen acht Jahren gelernt, langsamer zu reisen. „Für ein Wochenende nach Paris zu fliegen, ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Lehr, die nach eigener Aussage ihren erhöhten CO²-Ausstoß bei Langstreckenflügen mit Spenden in nachhaltige Klimaprojekte kompensiert. Für Ziele innerhalb Deutschlands schwört die Heilbronnerin auf die Bahn. „Allerdings ist die Anbindung der Region an den Zugverkehr so schlecht, dass ich jeden verstehe, dem das mehrmalige Umsteigen zu anstrengend ist“, so Lehr.


„Für ein Wochenende nach Paris zu fliegen, ist nicht mehr zeitgemäß."

KATRIN LEHR


Eine nachhaltige Reise beginnt in ihren Augen bereits bei der Planung. Hilfe findet man – wie so oft – im Internet. „Es gibt Buchungsplattformen, die ihre Unterkünfte nach strengen Kriterien auswählen“, erklärt die Reiseexpertin. Zu nennen wären https://bookitgreen.com, https://goodtravel.de, https://veggie-hotels.de oder https://forumandersreisen.de. Auf All-inclusive-Angebote sollte man verzichten – durch die üppige Auswahl am Büffet bleibt häufig viel übrig und Lebensmittel werden verschwendet. Außerdem verdienen hier oft nur die großen Konzerne, nicht aber die einheimische Bevölkerung. „Bei einer Individualreise sollte man immer einheimische Tourenanbieter unterstützen, und bei ihnen Tagestouren buchen“, sagt Lehr. Übrigens bedeutet nachhaltiges Reisen nicht automatisch den Verzicht auf Luxus. Inzwischen sind in ganz Europa 4- und 5-Sterne-Hotels zu finden, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert haben. Statt beheizter Infinity-Pools bieten hochpreisige Hotels beispielsweise immer häufiger Naturbadeteiche. Dass Bio auch im Hotelgewerbe geht, beweist seit 20 Jahren der Zusammenschluss von Hoteliers auf der Plattform https://biohotels.info.

Camping-Urlaub

Katrin Lehr - Seit 2013 betreibt die 43 Jahre alte Heilbronnerin ihren Reiseblog „Viel Unterwegs“.
Katrin Lehr - Seit 2013 betreibt die 43 Jahre alte Heilbronnerin ihren Reiseblog „Viel Unterwegs“.

Nicht erst seit der Corona-Pandemie steht das Reisen mit dem Wohnmobil für Unabhängigkeit und Freiheit. Immer mehr Menschen legten sich in den vergangenen Jahren einen Wohnwagen zu, kauften sich einen älteren Transporter und bauten diesen zum fahrbaren Schlafplatz um. Der Kauf will jedoch gut überlegt sein, häufig stehen die Camper wochen-, ja monatelang ungenutzt vor der Haustür – wirklich nachhaltig ist das auch nicht. „Beim Umbau Marke Eigenbau wird häufig Holz verwendet, das den Wagen schwer macht und damit den Benzinverbrauch steigert“, gibt Katrin Lehr zu bedenken. Sie rät allen, die mit einem Campingurlaub liebäugeln, einen Testlauf mit einem Mietmobil zu unternehmen. Eine Adresse im Web ist dafür zum Beispiel https://paulcamper.de. Auch bei der Wahl des Campingplatzes gilt es, die Augen offenzuhalten. Immer häufiger findet man Plätze mit Öko-Zertifikaten, die zum Beispiel beim Duschen Zeitschaltuhren installiert haben oder Ökostrom für die Beleuchtung einsetzen.

Nicht nur beim Camping-Urlaub gilt die Devise: weniger ist mehr. Nimm nur das mit, was du wirklich brauchst. Zwei Paar Schuhe zum Beispiel reichen meistens. Je weniger man einpackt, desto weniger Emissionen stößt das Transportmittel aus. Genau wie zu Hause sollte man eine wiederverwendbare Trinkflasche oder aber eine Brotdose aus Metall im Gepäck haben. Was für uns im Alltag selbstverständlich geworden ist, sollten wir auch im Urlaub nicht über Bord werfen. Dazu gehören simple Dinge wie Wasser sparen, die Handtücher im Hotel mehr als einmal benutzen und das Licht, die Klimaanlage sowie den Fernseher beim Verlassen der Ferienwohnung ausschalten. Milva-Katharina Klöppel