In kleinen Schritten in die richtige Richtung

Nachhaltig Geld investieren

Fotos: Fotostudio-Ritter, Düsseldorf, kugelwolf, 4th Life Photography/stock.adobe.com

7.10.2021

Immer mehr Menschen entscheiden sich, ihr Geld in Unternehmen zu investieren, die für Nachhaltigkeit stehen. Doch nicht überall, wo Green drauf steht, ist auch Grün drin.

„Ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Als Neil Armstrong vor mehr als 50 Jahren seinen Fuß auf den Mond setzte, dachte er wahrscheinlich an die Möglichkeiten, die sich durch die Apollo-11-Mission in Zukunft auftun könnten. Doch das Zitat ist heute aktueller denn je, schließlich behaupten viele Menschen, dass sie allein nichts an der Klimakrise und ihren Auswirkungen ändern können. In diesem Fall möchten nur wenige den ersten Schritt gehen. Dabei kann jeder seinen Beitrag leisten. Und der muss nicht einmal vermeintliche Einschränkungen mit sich bringen wie etwa den Verzicht aufs Auto oder Fleisch. Es geht auch über die Geldanlage. Jeder Dritte ist inzwischen bereit, ökologische Aspekte in seinem Spar- und Anlageverhalten stärker zu berücksichtigen.

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Eigene Prioritäten festlegen

Wie das funktionieren kann, hat die Anlageberaterin Jennifer Brockerhoff in ihrem Buch „Grüne Finanzen“ (Oekom Verlag, 2021, 16 Euro) zusammengetragen. „In den vergangenen zwei Jahren gab es bei den Angeboten eine wahnsinnige Dynamik“, erklärt Brockerhoff. Inzwischen schrieben sich viele Unternehmen Nachhaltigkeit auf die Fahne. Dabei sei es aber auf den ersten Blick schwer herauszufinden, was nachhaltig ist und was nicht. Stichwort Greenwashing: Dabei wird ein Unternehmen nach außen hin umweltfreundlicher dargestellt, als es eigentlich ist. Nicht geschützte Begriffe wie „grün“, „ethisch“ oder „verantwortlich“ werden für Produkte ausgegeben, können aber leicht in die Irre führen. Das gleiche Problem gibt es auch bei eigenen Siegeln, die etwas suggerieren sollen, das vielleicht gar nicht oder nur teilweise vorhanden ist. Wichtig sei es deshalb, eigene Prioritäten festzulegen, sagt Jennifer Brockerhoff. „Das ist aber nicht so einfach, da man nicht weiß, welche Möglichkeiten es gibt.“ Ein Katalog mit verschiedenen Alternativen könne helfen.


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Grüne Finanzen

Von Altersvorsorge bis Geldanlage – der Ratgeber für Einsteiger*innen Oekom Verlag, 160 Seiten, 16 Euro


Die Finanzberaterin warnt davor, direkt mit der Geldanlage loszulegen, ohne sich vorher um grundlegende Dinge Gedanken zu machen. Am Anfang steht deshalb der Kassensturz: Wie viel Geld habe ich zur Verfügung, welche Kosten kann ich vielleicht vermeiden. Außerdem ist eine Liquiditätsreserve für außerplanmäßige Ausgaben wichtig, etwa wenn die Waschmaschine oder das Auto repariert werden muss. Schulden sollten getilgt, die Altersvorsorge aller Anfangseuphorie zum Trotz nicht aus den Augen verloren werden. Hier gleichen sich nachhaltige und konventionelle Geldanlagen noch. „Aber wer grün investieren möchte, muss komplexer denken“, sagt die Expertin. Der menschliche Geist wolle Dinge schnell abhaken, was schwer sei bei diesem Thema. „Ein Rädchen dreht viele andere weiter. Es kann also anstrengend sein, sich damit auseinanderzusetzen.“

Frauen sind aufgeschlossener

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Sie selbst hat die Erfahrung gemacht, dass sich Frauen eher für Nachhaltigkeit interessieren, allerdings auch ängstlicher bei der Vorsorge sind. Ein Grund: tradierte Rollenmuster. Denn viele Frauen sind mit dem Bild eines sich um die Finanzen kümmernden Vaters aufgewachsen. Das übertragen sie als Erwachsene auf ihr eigenes Leben. Kommt es dann aber zu Gesprächen, seien sie allerdings aufgeschlossener, denn durch Care-Arbeit – die meistens eben immer noch an Frauen hängen bleibt – sind sie automatisch mit dem Thema konfrontiert. „Für sie ist es deshalb oft greifbarer und verständlicher“, erklärt Jennifer Brockerhoff. Männer würden hingegen schneller Nein zu nachhaltigen Anlagen sagen, oft aus Unwissenheit und in der Annahme, die Rendite sei unsicherer. Für Frauen stehe dieser Punkt nicht an erster Stelle.

Doch allein mit der Investition in nachhaltige Unternehmen ist es nicht getan. „Nur weil man bestimmte Branchen ausschließt, hält man den Klimawandel nicht auf“, sagt Jennifer Brockerhoff. Andere Firmen bestehen schließlich weiterhin. Diese im Wandel zu begleiten sei aber ebenfalls nachhaltig. Nicht immer muss es eine Guerilla-Aktion sein wie die des Hedgefonds-Investors Chris James, der sich mit Engine No.1 und einem Investment von 50 Millionen Dollar in den Ölkonzern Exxon eingekauft hat. Das brachte ihm zwar nur 0,02 Prozent der Anteile ein. Da ihn aber weitere Aktionäre unterstützten, wurden drei der zwölf Vorstandsmitglieder gegen Kandidaten ausgetauscht, die sich für eine nachhaltige Wende beim texanischen Konzern starkmachen.

Kein Platz für Romantik

„Es muss mehr passieren in dieser Richtung“, sagt Jennifer Brockerhoff. Das Thema dürfe nicht romantisiert werden. Man müsse auch da hinschauen, wo es weh tut und wo mehr Aktivismus stattfinden muss. Viele Fonds gehen einen ähnlichen Weg wie Chris James und investieren bewusst, um einen Wandel zu erreichen.

Der Ottonormalverbraucher hat natürlich keine Millionen, mit denen er die Struktur eines riesigen Unternehmens aushebeln kann. Aber bereits im Kleinen kann man Dinge ändern. Dazu zählt die Anlageberaterin auch den Wechsel zu einem grünen Girokonto. Alle Banken investieren Geld, das ihnen die Kunden zur Verfügung stellen. Dabei können sie in der Regel nicht entscheiden, mit welchen Unternehmen sie zusammenarbeiten. Wichtig ist bei einer Entscheidung zuerst, ob das Kreditinstitut eine Auskunft darüber geben kann, was es unter nachhaltig versteht. Grüne Banken verfolgen laut Jennifer Brockerhoff ethisch-ökologische Geschäftsmodelle, erneuerbare Energien oder umweltfreundliche Immobilienprojekte. Es sind eben doch die kleinen Schritte, die die Menschheit vielleicht retten können. Elfi Hofmann
  


Zur Person

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Jennifer Brockerhoff ist seit 20 Jahren als Finanzberaterin tätig. Sie ist unter anderem seit 2009 selbstständige Fachberaterin für nachhaltiges Investment und engagiert sich beruflich sowie privat für ein Umdenken und Umlenken von Finanzströmen im Finanzwesen. Brockerhoff lebt und arbeitet in Düsseldorf.