Guten Gewissens surfen und telefonieren

Wie umweltschädlich ist das Smartphone?

Foto: Drobot Dean/stock.adobe.com

7.10.2021

Unsere treuesten Alltagsbegleiter sind kleine Klimakiller. Was Smartphones mit der Erderwärmung zu tun haben und wie das eigene Handy klimaneutral werden kann.

Das Smartphone ist für fast alle von uns mittlerweile der wichtigste Alltagsbegleiter. Es ist immer verfügbares Kommunikationsgerät, Dienstleister und Entertainer. Sofern der Akku geladen ist. Und eine Internetverbindung besteht. Diese beiden Einschränkungen leiten bereits zum eigentlichen Thema über. Einem, über das wir uns im Alltag in der Regel keine Gedanken machen, wenn wir uns via Google Maps durch die Stadt navigieren lassen oder im Auto einen Podcast streamen. Nämlich der Frage nach dem Stromverbrauch unserer kleinen allwissenden Lieblinge. Und damit der Frage, wie und in welchem Umfang Smartphones zum Klimawandel beitragen.

Um zu begreifen, dass dieser Anteil nicht unerheblich ist, genügt eine Zahl: Wäre das Internet ein Land, wäre es inzwischen hinter den USA und China der größte Stromfresser der Welt. Tendenz steigend. Verantwortlich dafür ist die gigantische Infrastruktur, all die Serverfarmen und Rechenzentren, die zum überwiegenden Teil von fossiler Energie gespeist werden. „Die Schlote der Digitalisierung rauchen genauso wie früher die in Gelsenkirchen“, sagte Martin Wimmer, Chief Digital Officer im Bundesumweltministerium, kürzlich dem „Tagesspiegel“. Und auf eben jene Infrastruktur greift jeder von uns mit jeder Google-Suche, mit jedem versendeten Bild, mit jedem gestreamten Video zurück.


„Auch die digitale Transformation der Gesellschaft ist letztendlich fossil.“

Jörn Gutbier, Diagnose:Funk


Stromverbrauch steigt

Da der Stromverbrauch der Digitaltechnologien Jahr für Jahr um neun Prozent steigt, ist nicht damit zu rechnen, dass dieser Energiehunger in allzu naher Zukunft über regenerative Formen gedeckt werden wird. „Auch die digitale Transformation der Gesellschaft ist letztendlich fossil“, sagte Jörn Gutbier, Vorstandsvorsitzender der Verbraucherorganisation „Diagnose:Funk“, bereits vor zwei Jahren in der „Welt“. Der einzelne Smartphone-Nutzer kann diese globalen Verhältnisse nicht verändern. Der Bezug von Ökostrom im eigenen Haushalt wäre ein kleiner Schritt, um die eigene Handynutzung umweltfreundlicher zu gestalten. Ein anderer ist inzwischen über den Tarifvertrag möglich. „Wir haben uns bewusst den Mobilfunk ausgesucht, weil wir hierüber viele Menschen erreichen können und es bisher noch kein entsprechendes Angebot gab“, sagt Nico Tucher, einer der drei Gründer von „WEtell“, dem ersten nachhaltigen Mobilfunkanbieter in Deutschland.

Wie das funktioniert? Zum einen über die Kompensation des CO²-Ausstoßes in Form von Pflanzenkohle, einem natürlichen CO²-Speicher. Zum anderen über den Bau von Solaranlagen. „Dadurch sind wir nicht nur klimaneutral, sondern sogar klimapositiv“, sagt Tucher. Das Freiburger Start-up existiert seit zwei Jahren. 400 bis 500 Neukunden kommen nach eigenen Angaben monatlich hinzu. „Unser Ziel ist es nicht, in Konkurrenz zu den großen Anbietern am Markt zu treten. Wir wollen die Branche mit unserem Angebot verändern, ein Umdenken einleiten“, erklärt Tucher. Das Thema Nachhaltigkeit soll in dem hart umkämpften Marktumfeld etabliert werden. „WEtell“ allein wird das nicht schaffen, aber viele Handynutzer, die ihre Verträge mit Verweis auf fehlende klimaverträgliche Angebote kündigen, womöglich schon. Ähnliches ist ja bereits im Bereich der Kapitalanlagen gelungen. Einen anderen Weg als „WEtell“ bietet „Goood.de“ an. Bei dem Münchner Unternehmen lässt sich ein Teil der monatlichen Grundgebühr für ein ökologisch nachhaltiges Projekt der eigenen Wahl spenden. Stephan Sonntag