Geschützte Kleinode für Tiere und Pfanzen

Der Schutz der Natur - Vom einzelnen Baum bis zum unberührten Dschungel: Im Heilbronner Land gibt es 21 Naturschutzgebiete sowie weitere schützenswerte Flächen. Je nach Schutzzweck werden die Gebiete nach speziellen Vorgaben gepflegt – oder sich selbst überlassen.

Die Nachtigalleninsel in Lauffen ist eines der ältesten, wenn nicht sogar das älteste Schutzgebiet des Nabu. Fotos: Mario Berger; Joachim Neumann/stock.adobe.com

9.06.2021

Dichtes Geäst, moosbewachsene Bäume, ein Dickicht aus Blättern und Efeuranken: Wie eine längst vergessene Welt erstreckt sich das Schutzgebiet Nachtigalleninsel unterhalb der Burg am Neckar in Lauffen. Die Insel befindet sich in einem besonderen Urzustand. Denn seit Jahrzehnten bleiben Flora und Fauna sich hier selbst überlassen. „Betreten verboten, Naturdenkmal“, steht auf dem Schild an der Treppe, die vom Rathaus zur Insel runterführt. Ein Mann kommt regelmäßig, um auf der Nachtigalleninsel nach dem Rechten zu sehen: Adolf Monninger, Sprecher des Nabu-Kreisverbands und Vorsitzender der Ortsgruppe in Brackenheim, die das Gebiet in Lauffen betreut. Viel zu tun gibt es für Monninger allerdings nicht auf der Nachtigalleninsel. Sie wird von den Naturschützern lediglich beobachtet. Nur in besonderen Fällen wird eingegriffen, ansonsten darf sich das vier Hektar große Gebiet ganz so entwickeln, wie es will. „Wir brauchen mehr solcher Flächen, die man in Ruhe lässt“, findet Adolf Monninger.

In Ruhe gelassen werden, das ist der Schutzzweck der Nachtigalleninsel seit über 110 Jahren. Das Lauffener Schutzgebiet ist eines der ältesten des Nabu, wenn nicht sogar das älteste. Begonnen hatte alles mit der Nabu-Gründerin Lina Hähnle. 1899 rief sie in Stuttgart den Verband als Deutschen Bund für Vogelschutz ins Leben. 1908 kaufte sie aus eigenen Mitteln zwei der Grundstücke in Lauffen mit rund 1,7 Hektar, die heute zur Nachtigalleninsel gehören. Hähnles Absicht: Die Vögel der Nachtigalleninsel sollen in Ruhe brüten und leben können. „Ich kann die rücksichtslose Ausbeutung der Natur einfach nicht mehr mit ansehen“, zitiert Adolf Monninger die Nabu-Gründerin. Im Jahr 2000 schenkt die Erbengemeinschaft Hähnle die beiden Flächen der Nabu-Stiftung „Nationales Naturerbe“. Die anderen Teile der Nachtigalleninsel gehören der Stadt Lauffen und dem Energieversorger Zeag.

Naturdenkmal

Die Nachtigalleninsel ist genau genommen ein flächenhaftes Naturdenkmal. Diese haben, genau wie Naturschutzgebiete, dem strengsten Schutzstatus. Naturdenkmale sind bis zu fünf Hektar groß, Naturschutzgebiete sind größer. In beiden Fällen darf in den Gebieten nicht gebaut werden, Pflanzen dürfen nicht gepflückt, Tiere nicht gefangen und die Wege nicht verlassen werden. „Wenn etwas mit dem Status eines Naturschutzgebiets ausgewiesen ist, gibt es eigentlich nur wenige triftige Ausnahmegründe, einzugreifen“, erklärt Adolf Monninger. Einen deutlich schwächeren Schutzstatus haben hingegen Landschaftsschutzgebiete, in denen noch ordnungsgemäß Land- und Forstwirtschaft zugelassen sind.

Schon einzelne Gebilde in der Natur wie Wasserflächen, Streuwiesen oder Felsgruppen können wegen ihrer Seltenheit, Schönheit oder ihres Alters Naturdenkmal werden. Naturgebiete werden außerdem aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder zur Erhaltung von Lebensstätten, Biotopen oder Lebensgemeinschaften geschützt, und um bestimmte wilde Tier- und Pflanzenarten zu bewahren. So wie der Feld-Mannstreu, die stachelige Charakterpflanze der Steppenheide auf dem Gundelsheimer Michaelsberg. Auf den ersten Blick ist er keine sehr aufregende Pflanze, das findet auch Horst Schulz vom Nabu Bad Friedrichshall und Umgebung. Ihrer Unscheinbarkeit zum Trotz ist die Pflanze aber laut Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Auch das Vorkommen der Karthäuser-Nelke und des Schachbrettfalters sind Gründe, weshalb die ein Hektar große Steppenheide seit 37 Jahren Naturdenkmal ist.

Einziger Pflegeeinsatz auf der Steppenheide ist bei der Mahd Anfang November – nicht früher, nicht später, heißt es im Vertrag mit der oberen Naturschutzbehörde, dem Regierungspräsidium Stuttgart, damit die schützenswerten Pflanzen aussäen können. Die Behörde entdeckte den großen Feld-Mannstreu Bestand auf dem Michaelsberg und übertrug die Pflege direkt dem Naturschutzverein. Das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde kontrolliert, dass in den Schutzgebieten alles mit rechten Dingen zugeht. Etwa zehn ehrenamtliche Helfer sind beim jährlichen Einsatz am Michaelsberg mit von der Partie, mit Unterstützung vom Bauhof der Stadt Gundelsheim sowie Biolandwirt Michael Schäfer. Ab und zu sind auch die Schüler der Horneck-Schule dabei.

Doch weil es immer weniger Helfer gibt, drohen viele Schutzgebiete zu verbuschen. „Dann kann man sie genauso gut aus der Verordnung rausstreichen“, sagt Horst Schulz. Normalerweise gehöre schon eine Menge dazu, bis das Regierungspräsidium oder die untere Naturschutzbehörde einen Schutzstatus entzieht. Wenn aber das Gebiet ganz zuwächst und seinen Charakter, der Grundlage zur Ausweisung als Naturdenkmal war, verliert, komme es dazu. Anders als bei der Nachtigalleninsel müssen Gebiete wie die Steppenheide entsprechend gepflegt werden. „Naturschutz geht nicht ausschließlich unter der Glasglocke. Es bedeutet, dass ein Gebiet in dem Zustand erhalten bleibt, in dem es ausgewiesen wurde“, sagt Horst Schulz.

Neckaraue

Im Landkreis Heilbronn gibt es 21 Naturschutzgebiete, das ist im bundesweiten Vergleich wenig. „Da besteht Nachholbedarf, bevor jetzt noch Schutzwürdiges verloren geht“, findet Horst Schulz. Allerdings müssten solche Flächen vom amtlichen Naturschutz zuvor überprüft werden, sowie der Zustand, in dem sich die bestehenden Denkmäler befinden. Im Gespräch ist derzeit, die 200 Hektar große Neckaraue zwischen Neckarsulm-Untereisesheim-Bad Friedrichshall-Bad Wimpfen als Naturschutzgebiet auszuweisen. Der Anstoß kam von der Nabu-Gruppe Heilbronn bereits in den 80er Jahren. Lange Zeit passierte nichts, bis das Regierungspräsidium Stuttgart auf das Gebiet aufmerksam wurde. Ein erstes Treffen der Beteiligten, darunter auch die Fischereiverbände, Nabu und BUND, fand im Landratsamt statt. Aktuell liegt die Konzeptentwicklung beim Regierungspräsidium. Angler und Landwirte machen sich jedoch Sorgen wegen Einschränkungen, die sie durch das Ausweisen der Neckaraue als Naturschutzgebiet betreffen könnten. Bis die Neckaraue Naturschutzgebiet wird, dauere es noch mindestens zwei Jahre, schätzt Horst Schulz. Eines Tages wird vielleicht auch die Neckaraue zu einem Refugium für viele Pflanzen- und Tierarten werden. Linda Mölllers