Frühjahrs-Wildkräuter im Porträt

   

Illustrationen und Fotos: Good Studio, Ruckszio, Morphart, Veronika/stock.adobe.com; Porträt-Texte zusammengestellt von Sylvia Heider

26.01.2021

Spitzwegerich stehen lassen, ist Sylvia Heiders Tipp. Die Natur findet ihren Weg. Auch Markus Strauß empfehlt: „Wenn man im Garten Giersch, Löwenzahn und Brennnessel zulässt, ist der Anfang getan.“ Auch auf dem Balkon kann jeder loslegen: „Rucola wächst bestens in einem Topf. Genauso Salbei, Wermuth und Dost.“
    

Die Küchenwerkstatt GmbH

Rezepte, wie die Wildpflanzen zu leckerem Essen verarbeitet werden können, bietet das Internet zuhauf. Anleitungen für Brennnessel-Kuchen, Vogelbeer-Elixier oder Wildem Früchtebrot sind zum Beispiel auf der Homepage von Markus Strauß zu finden. Daniela Somers nutzt neben ihrer Homepage das Bürgerportal der Heilbronner Stimme, Meine.Stimme, um ihr Hobby und ihr Wissen breit zu streuen. Dort stellt sie Pflanzenporträts ein oder gibt Tipps. Zum Beispiel, was aus den Kernresten beim Geleekochen noch Leckeres entstehen kann: Brombeer-Essig etwa.

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Auch Sylvia Heider plant bei ihren Führungen immer eine Verkostung mit ein. „Die Leute müssen es schmecken.“ Oder wer weiß schon, dass angebratene Spitzwegerichblüten wie Champignons schmecken? Dass Schnittlauchblüten dekorativ und gesund auf dem Salat sind? Oder wer weiß, dass das Gänseblümchen eine Heilpflanze ist, in der viel Vitamin C, Vitalstofe, Magnesium und Eisen stecken? Dann geht man vielleicht nicht mehr achtlos daran vorbei oder sticht sie entnervt aus dem Rasen. Das gilt auch für die anderen Wildpflanzen, weiß Markus Strauß. Darin stecken fünf bis zehn Mal mehr wichtige Stoffe für uns Menschen als in gezüchtetem und gekauftem Spinat und Co.

Sylvia Heider sind noch andere Aspekte an Wildpflanzen wichtig: ihre Heilwirkung. Der Spitzwegerich ist ein tolles Indianerpflaster für unterwegs. Der Breitwegerich hilft als Ersatz-Blasenpfaster. Damit sich das Wissen rund um die Pflanzen um uns herum weiterverbreitet, hat Markus Strauß, der heute im Allgäu lebt aber vom Bodensee stammt, vor fünf Jahren die Stiftung Essbare Wildpflanzenparks (Ewilpa) initiiert. Das Ziel: In Parks Wildpflanzen, Stauden, Sträucher und Bäume zu pflanzen, um diese kontrolliert verwildern zu lassen – und jeder kann sich am Angebot der Natur bedienen. 4000 Parks für Deutschland hat Strauß als Ziel ausgegeben. Drei Ewilpa-Parks gibt es in Deutschland schon. Das klingt nach wenig. Doch der 54-Jährige ist zuversichtlich: Das Thema Wildpflanzen und im Einklang mit der Natur leben sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ein Essbarer Wildpflanzenpark für die Region? Daniela Somers wäre sofort als Ehrenamtliche mit dabei. Katja Bernecker


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Löwenzahn
Taraxacum officinale

Treibt früh aus, besitzt eine kräftige Pfahlwurzel und wächst als Rosette. Die Blätter sind besonders reich an Vitamin B, C und Provitamin A, Flavonoiden und Mineralstoffen. Er wird bei Appetitlosigkeit, Gallenflussstörungen, Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl, Rheuma, Hautleiden, Nierengrieß, Anämie und zum Durchspülen der Harnwege verwendet. Im Frühjahr sollte die Wurzel ausgegraben werden, sie besitzt dann am meisten Bitterstoffe, durch diese wird die Gallentätigkeit angeregt. Jeden Tag drei Löwenzahnblätter oder einige Blätter in den Salat beugt Gallenproblemen vor.


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Spitzwegerich
Plantago lanceolata

Gehört in die Familie der Wegerichgewächse und zu den bekanntesten Hustenkräutern. Er wirkt durch Inhaltsstoffe wie Aucubin, Schleim- und Bitterstoffe, Flavonoide und Kieselsäure reizmildernd und entzündungshemmend auf die Bronchien. Als „Indianerpflaster“ lindert er Juckreiz und Insektenstiche. Er kann roh oder gekocht gegessen werden. Die Samenstände des Spitzwegerich schmecken nussig nach Pilz und können in Öl angebraten werden. Anleitung für einen Hustensirup: Eine Handvoll Spitzwegerich-Blätter mit Thymian in Wasser kochen, abkühlen lassen und mit Honig oder Zucker zu Sirup kochen.


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Gänseblümchen
Bellis perennis

Wird auch Tausendschön oder Maßliebchen genannt, ist aus der Familie der Korbblütler und blüht das ganze Jahr. Auch im Januar und Februar streckt es seinen Kopf in Richtung Sonne, wenn die Schneedecke dünner wird. Es ist reich an Vitamin C, Magnesium, Eisen und anderen Vitalstoffen und eignet sich sehr gut als Dekoration auf vielen Speisen, in Salat. Die Knospen können als Kapernersatz in Essig verwendet werden. Schon im Mittelalter nutzten die Ärzte die entzündungshemmende Wirkung bei Hautunreinheiten. Auch heute kommt es als Tinktur oder Tee zum Einsatz.


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Brennnessel
Urtica dioica

Wächst im Frühjahr sehr schnell. Sie ist eine der ältesten Heil-, Räucher-, Zauber- und Küchenpflanzen. Ihre entzündungshemmenden Eigenschaften wirken sich auf die Gelenke positiv aus, es wird eine Besserung der Beweglichkeit festgestellt. Sie sind vollgepackt mit Vitaminen, Eisen und Eiweiß. In der Heilkunde schätzt man ihre stoffwechselanregende, verdauungsfördernde und harntreibenden Eigenschaften auch bei Frühjahrskuren zur Ausleitung. Nach dem Ernten mechanisch bearbeiten (z.B. mit Wellholz drüberrollen), so brechen die Brennhaare, dann kochen oder trocknen.


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Huflattich
Tussilago farfara

Ist einer der ersten Frühjahrsblüher. Seine gelben Blüten treiben bevor das Blatt kommt. Der lateinische Name weist auf die traditionelle Anwendung hin, „tussi“ bedeutet husten. Er wächst meist an Wegrändern am Waldrand oder auf lehmigen Böden. Er hat einen hohen Anteil an Mineralstofen wie Kalium, Kalzium, Zink, Magnesium, Kieselsäure und Eisen. Zudem enthält er Schleim- und Gerbstoffe, wodurch er zu einer sehr guten Pflanze für alle Bronchialerkrankungen wird. Schon 1994 wurde der Huflattich als „Heilpflanze des Jahres“ erwähnt.


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Vogelmiere
Stellaria media

Ist eine Pionierpflanze, die sich schnell ausdehnt. Sie hat ihren Namen, da Vögel und Hühner die Samen und Blätter gerne fressen. In kälteren Monaten kann man sie in größeren Mengen ernten. Sie ist ein sehr mildes Wildgemüse, kann in Salaten, Suppen oder Kräuterbutter verarbeitet werden. Sie ist sehr reich an Vitaminen A, B und C und liefert weit mehr Eisen, Kalium, Kalzium und Magnesium als heimisches Kulturgemüse. Außerdem kann sie bei Husten, Lungenleiden und Hautentzündungen, Ekzemen oder bei Rheuma Linderung verschaffen.
     

Mehr im Internet

Profil von Daniela Somers auf Meine.Stimme:
www.meine.stimme.de/somers

Internetauftritt von Sylvia Heider:
www.kraeuterwanderung.online/listing/kraeuterpaedagogin-silvia-heider

Infos zu Markus Strauß und der Stiftung Essbare Wildpflanzenparks:
www.dr-strauss.net