Die Lebensmittelretterin

In ihrer Funktion als Lebensmittelretterin hat Astrid Wagner sämtliche Tiefkühltruhen der Nachbarschaft okkupiert.

Astrid Wagner Fotos: Dennis Mugler
Astrid Wagner Fotos: Dennis Mugler
Mindestens 14 580 Kilogramm Lebensmittel hat Astrid Wagner in ihrem Leben bereits gerettet. Bananen, vor allem Bananen. Die landen immer viel zu schnell im Müll. Nur weil die Schale nicht mehr gelb strahlt. Dabei kann man Bananen einfrieren und später in halbgefrorenem Zustand pürieren und als Eis verputzen. Oder als Bananenmilch oder im Quark. Improvisieren kann die 38-Jährige. Anders würde sie ihren Alltag mit Job, Ehrenamt und Familie auch nicht gestemmt bekommen. Ihr Einsatz für die Initiative Foodsharing ist freiwillig und unbezahlt. Etwa 20 Stunden pro Woche verbringt die Heilbronnerin damit, Essen vor der Mülltonne zu retten, Einsätze anderer Foodsaver zu organisieren oder Kontakt zu Betrieben zu knüpfen, die Essen spenden möchten.

Bei der Tafel oder der Wohnungslosenhilfe der Aufbaugilde in Heilbronn liefern die Foodsaver regelmäßig Essen ab. Den Vorwurf, die Lebensmittelretter würden den Bedürftigen Essen wegnehmen, weist die gebürtige Siebenbürgenerin strikt von sich. Schließlich ginge es auch nicht darum, kostenlos an Essen zu kommen. Sondern: Jeder weggeworfene Joghurt ist einer zu viel. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wirft jeder von uns pro Jahr mindestens 55 Kilogramm Lebensmittel weg. Dagegen kämpft Astrid Wagner seit zwei Jahren erfolgreich an. Aus damals 50 sind heute 350 Foodsaver in der Region geworden. Und Wagners bester Freund ist heute der Dörrautomat – schließlich können auch ihre drei Söhne und ihr Mann nicht mehr essen als andere. Ernst wird die Sprachpädagogin, die ansonsten mit der Sonne um die Wette strahlt, wenn es um die Reduzierung von CO2 und ein verändertes Konsumverhalten geht. Dass das geht, macht sie vor: Wenn andere meinen, sie müssten sich ein neues T-Shirt oder ein großes Auto gönnen, durchstöbert Astrid Wagner Secondhand-Shops und Flohmärkte. Für sie kein Verzicht, sondern ein Gewinn für alle – auch für die Umwelt.