Der Öko-Weinbauer

Wein soll ein Genuss sein und Spaß machen, findet Lars Hieber. Von fancy Namen und anderen Werbeaktionen hält er wenig.

Lars Hieber Foto: Christiana Kunz
Lars Hieber Foto: Christiana Kunz
Bodenständig, so sieht Lars Hieber sich. Seine nur ein Jahr ältere Schwester Sarah meint, dass klänge so nach Bauer. Aber vielleicht stimmt auch das. Der Weinbau hat einiges mit der Landwirtschaft gemeinsam, meint der 30-Jährige. Das habe er schon als kleines Kind mitbekommen, wenn die Eltern Elke und Andreas Hieber rund um die Uhr im Wengert oder im Weinkeller unterwegs waren. Das Öko-Weingut Schäfer-Heinrich ist ein Familienbetrieb – durch und durch. 1990 schließt es sich dem Ecovin-Verband an und stellt als erster Betrieb in Heilbronn auf ökologischen Weinanbau um. Der Nachwuchs kennt es nicht anders. Dem derzeitigen Bio-Boom steht Lars Hieber skeptisch gegenüber. Einerseits sei es gut, dass jedermann zu erschwinglichen Preisen Öko-Produkte kaufen kann, so dass deren Anteil steige. Gleichzeitig fragen sich die Jungwinzer aber, ob ökologische Produktions- und Qualitätsstandards sowie faire Entlohnung über Großhändler wie Lidl und Co. auf Dauer garantiert werden können – oder ob nicht kleine Bioläden eine bessere Infrastruktur garantieren.

Lars Hieber, der in seiner Freizeit gerne klettert, macht sich viele Gedanken. Manchmal vielleicht ein paar zu viele, wie er mit einem Lachen zugibt. Der zurückhaltende Jungwinzer redet viel über das Kaufverhalten der Menschen, die häufig verkannte, aber hohe Qualität des württembergischen Weins und ist plötzlich gar nicht mehr schüchtern. Mit fester Stimme erzählt der gelernte Techniker für Weinbau und Oenologie wie wichtig es in der Zukunft sei, im Einklang mit der Natur zu leben und zu arbeiten. Wenn nur die Hälfte des in Deutschland konsumierten Weins von heimischen Winzern stammt und der Rest häufig in Containern weite Strecken transportiert wird, um dann kostengünstig ohne Zertifikate als Bio-Wein verkauft zu werden, dann laufe etwas verdammt schief. Lars Hieber möchte, dass das Weintrinken Spaß macht und der gute Tropfen wertgeschätzt wird. Bevor an einem Abend in seiner Zweier-WG in der Heilbronner Innenstadt nur eine halbe Flasche Wein geleert wird, trinkt der Winzer lieber ein kleines Bier.