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Mehrere Arzneimittel einzunehmen, birgt Risiken – Eine Liste kann helfen

Pillendosen sind ein einfaches Hilfsmittel für mehr Überblick beim Einnehmen von Medikamenten. Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn

16.06.2021

Zwei Tabletten morgens, drei abends: Ältere Menschen nehmen oft mehrere Medikamente am Tag. Bei 7,6 Millionen Bundesbürgern ab 65 Jahren sind es nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) fünf oder mehr.

Dadurch steigen die Risiken, etwa für Nebenwirkungen. Bei älteren Menschen sind laut ABDA bis zu 30 Prozent der Krankenhauseinweisungen auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen. Meist stünden diese in Zusammenhang mit einer Polymedikation – je nach Definition spricht man davon, wenn eine Patientin oder ein Patient dauerhaft mindestens drei oder mindestens fünf Medikamente einnimmt. Es ist also sehr wichtig, dass man als Patientin oder Patient im eigenen Medikamentenwald den Durchblick behält. Das gilt ebenso für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte.

Aktuell und vollständig
Idealerweise würde jeder, der mehrere Medikamente einnehmen muss, eine Liste anlegen. Darauf ist zu verzeichnen: Welche Pillen werden wann eingenommen und wofür oder wogegen? „Da reichen prinzipiell Angaben wie Blutdruckpille oder Herztablette“, sagt Professor Hans Jürgen Heppner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).

Selbstmedikationen sollten darin ebenfalls aufgeführt sein, ergänzt Professor Daniel Grandt. Er ist Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses Patientensicherheit und Internist und Gastroenterologe am Klinikum Saarbrücken. „Der Plan sollte aktuell und vollständig sein und die Dosierung enthalten.“ Diesen kann man bei jedem Arzt- und Apothekenbesuch oder Klinikaufenthalt vorlegen.

Eigentlich soll bei einer vorliegenden Polymedikation ein bundeseinheitlicher Medikationsplan helfen. Seit Herbst 2016 haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch darauf, wenn sie dauerhaft mindestens drei Medikamente gleichzeitig einnehmen oder anwenden.

Den Plan erstellt laut kassenärztlicher Bundesvereinigung in der Regel die Hausärztin oder der Hausarzt. Das Papier soll durch seine einheitliche Gestaltung etwa Patientinnen und Patienten das Verstehen erleichtern und Informationsverluste zwischen Ärzten verhindern.

Geringe Verbreitung
Doch Brandt sieht noch viel Verbesserungspotenzial. So sei der bundeseinheitliche Medikationsplan zwar eine gute Idee, jedoch häufig unvollständig, weil Ärzte die von Kollegen verordnete Medikation gar nicht kennen würden, erklärt der Mediziner, der daran mitgearbeitet hat, ihn auf den Weg zu bringen. Dazu kommt: „Der bundeseinheitliche Medikationsplan hat leider nur eine ganz geringe Verbreitung“, sagt Brandt.

Ob selbst notiert oder vom Arzt gepflegt: Wer ein besonderes Medikament einnehmen muss – beispielsweise einen Fettsenker nach einer schweren Herzerkrankung – sollte das auf jeden Fall notieren (lassen), um ungewünschte Wechselwirkungen zu vermeiden.

Zudem sollte man der Ärztin oder dem Arzt, die oder der ein neues Medikament verordnet, gut zuhören und mögliche Ratschläge vermerken (lassen). Wann ist die ideale Uhrzeit für die Einnahme? Welche Nahrungsmittel vertragen sich gut damit und welche weniger?

Gut auffindbar
Der Plan mit allen Infos über die eigenen Medikamente sollte am besten so aufbewahrt werden, dass Rettungskräfte diesen im Notfall finden. Idealerweise lagert er im Kühlschrank, rät Heppner. Hierfür gibt es zum Beispiel die grüne „Notfalldose“ und entsprechende Aufkleber, die man an der Haustür platzieren kann, damit die Rettungskräfte gleich wissen, wo sie suchen müssen.

Pillenspender oder automatisierte Dosierbehälter helfen dabei, mit den Medikamenten nicht durcheinander zu kommen und sie immer zum richtigen Zeitpunkt zu nehmen. Dafür gibt es inzwischen auch Apps: Bei einem Vergleich der Stiftung Warentest von zehn kostenlosen und werbefreien Apps zur Medikamenteneinnahme schnitten hier im Januar die Anwendungen Mediteo, Vimedi und Callmyapo am besten ab.

Bernadette Winter und Weronika Peneshko, dpa