Aha-Efekte beim Waschen und Spülen

Greenwashing

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Wasch- und Spülmaschinen sind nicht wegzudenkende Haushaltshelfer. Doch die eigenen Alltagsroutinen mal kurz zu überdenken, kann dabei helfen, die Maschinen, die Umwelt und den Geldbeutel zu schonen.     

Es gibt einen Aspekt beim Wäschewaschen, von dem die wenigsten Menschen eine Ahnung haben. Dabei werden wir alle ständig darauf gestoßen. Auf allen Waschmittelverpackungen wird bei den Dosierungsanleitungen darauf verwiesen, und die Waschprogramme haben hierzu ebenfalls oft Vorgaben. Die Rede ist vom Gewicht einer Waschladung. „Ich kann jedem nur raten, dass mal auszuprobieren. Das gibt einen Aha-Efekt“, ist sich Bernd Glassl sicher. Als Bereichsleiter des Industrieverbands Körperpfege und Waschmittel ist Glassl sozusagen promovierter Wasch- und Spülexperte. Als Familienvater aber natürlich auch Praktiker. „Mir ist schon klar, dass das kaum jemand macht.“

Dabei wäre es hilfreich. Kennt man das Gewicht seiner Waschladung lässt sich Waschmittel, Wasser und Energie sparen. Denn es macht eben einen großen Unterschied, ob ich einen Wäschekorb voll mit Jeans oder Synthetikhemden habe. Wäsche wiegen ist sozusagen der erste Schritt zum echten Dosieren. Denn die Waschmittelmenge, das geeignete Waschprogramm, der Strom- und Wasserbedarf und somit die Umweltverträglich- und Nachhaltigkeit des Waschgangs hängen unmittelbar davon ab.

Maschine saubermachen

Ein zweiter unterschätzter Punkt beim Waschen ist die Hygiene. Nicht die der Wäsche, sondern die der Maschine. „Nach dem Waschgang sollte das Bullauge der Maschine ofengelassen werden, der Einspülkasten entnommen, getrocknet und von Waschmittelresten befreit werden“, rät Glassl. Denn das biologisch abbaubare Pulver in Kombination mit einer feuchten Umgebung ist ein idealer Nährboden für allerlei Bakterien- und Pilzkulturen. Auch die Gummidichtung der Tür freut, wenn ab und an mal jemand dahinter schaut und sie mit einem Tuch sauberwischt.

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Geschirr türmt sich, wer kennt es nicht – aber wie richtig und umweltbewusst spülen? Foto: ChenPG/stock.adobe.com

Vor einigen Jahren sorgten slowenische Wissenschaftler für Schlagzeilen, als sie Exophiala dermatitidis an den Dichtungen von Spülmaschinen nachwiesen. Der schwarze Hefepilz soll Krankheiten auslösen können und resistent sein gegen Laugen. Wer den Blick auf die Gummidichtung seiner Spülmaschinentür wagt, wird ihn vielleicht sogar entdecken. Es herrscht aber ein Grund zur Panik: „Die Tatsache, dass sie irgendwo auf der Dichtung ihres Geschirrspülers Keime finden, die möglicherweise Krankheiten auslösen können, heißt ja nicht, dass wir krank werden. Denn niemand, ich mache das immer sehr plakativ, leckt ja an den Dichtungen seines Geschirrspülers“, klärt Mikrobiologe Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort auf.

Überhaupt. Die Spülmaschine, dieser Beliebteste aller Haushaltshelfer, ist weit besser als ihr Ruf und um ein Vielfaches effektiver als das Spülen von Hand. Voraussetzung hierfür: Sie sollte komplett gefüllt sein und in der Regel mit einem Sparprogramm bei niedriger Temperatur laufen. Wenn dann noch das Sieb im Boden immer mal wieder inspiziert und gesäubert wird, entsteht der schöne Nebeneffekt, dass das Geschirr praktisch keimfrei aus ihr herausgeholt werden kann. „Die Spülmaschine ist die Desinfektionsanstalt der Küche“, sagt Experte Glassl.

Efektive Nutzung

Nachhaltiges und umweltverträgliches Waschen und Spülen ist also in erster Linie eine Frage der effektiven Nutzung. Die Hardware, also die Maschinen selbst, ist darauf getrimmt. Der Mensch muss sie nur richtig bedienen und in Schuss halten.

Im Gesamtkontext von Energie- und Wasserverbrauch ist die Wahl des Wasch- oder Spülmittels von geringerer Bedeutung. Dennoch lässt sich auch hier einiges richtiger machen. Das fängt bei der Verpackung an. Immerhin 50 Einwegverpackungen Reinigungsmittel verbraucht ein durchschnittlicher deutscher Haushalt im Jahr. Auf dem Markt gibt es zahlreiche plastikfreie Alternativen. Dann sind die Wasch- und Spülltabs zwar bequem, aber im Vergleich zu Pulvern deutlich teurer und eben nicht genau dosierbar. Und dann sollte ein energiefressender Haushaltsfreund nur eingesetzt werden, wenn es gar nicht anders geht: der Wäschetrockner. „Wenn ich alle Wäsche in den Trockner packe, kostet das bei einem Vier-Personen-Haushalt 160 Euro mehr im Jahr“, weiß Experte Glassl. Auch im Winter also die Wäsche ruhig draußen trocknen lassen. Die Sonne übernimmt das kostenlos. Stephan Sonntag

Weitere Infos www.waschtipps.de
       

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EVERDROP:
Das Unternehmen aus München hat im Dezember einen der Deutschen Nachhaltigkeitspreise Design für seine Vorreiterrolle in diesem Bereich erhalten. Die Wasch-, Putz- und Spülmittel werden unbescheiden als „Weltretter-Set“ vertrieben. „Tschüss Plastik“ lautet das Everdrop-Motto. Die Produkte kommen in einem frischen, modernen Design daher und besonders die mit speziellen Tabs ganz simpel selbst anrührbaren Reinigungsmittel sind ein Verkaufsschlager.

www.everdrop.de
     

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KLAENY:
Die Marke des Berliner Unternehmens Green Home Living GmbH bietet eine ähnliche Produktpalette wie Everdrop, kommt aber weniger laut daher. Auf der Website fndet sich der dezente Hinweis: „Coole Marketing Sprüche raushauen kann jeder – sich von Dritten zertifzieren nicht.“ Tatsächlich tragen die Klaeny-Waschmittel ohne Mikroplastik den Blauen Engel und das EU-Ecolabel.

www.klaeny.de
   

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SONETT:
Das im Dorf Deggenhausen am Bodensee beheimatete Unternehmen hat sich als Pionier bereits 1977 ökologischen Wasch- und Reinigungsmitteln verschrieben. Der Produkt-Klassiker ist etwas für Wasch-Profs: das Baukastensytem. Es gibt ein Basiswaschmittel, zu dem je nach Wasserhärte, Art und Verschmutzung der Textilien ein separater Enthärter und Bleiche hinzudosiert werden müssen.

www.sonett.eu
     

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HELLO SIMPLE:
Warum nicht sein Waschmittel gleich selbst herstellen? Dachten sich auch die Gründer des Berliner Unternehmens. In der DIY-Box erhält der Kunde Natron, Waschsoda und eine Kernseife nach Wahl. In zehn Minuten lässt sich so ein eigenes Waschmittel mixen.

www.hellosimple.de