Württemberg hinkt bei bio hinterher

Immer mehr Rebflächen in der Welt werden nach Bio-Richtlinien bewirtschaftet

Andreas Stutz aus Heilbronn ist einer der Pioniere des Öko-Weinbaus in Württemberg, hier bei der Lese von Leon-Millot. Foto: Andreas Veigel

14.11.2021

Auch wenn es die Winzer 2021 wegen des hohen Pilzdrucks europaweit besonders schwer hatten, der Öko-Weinbau gewinnt weltweit an Bedeutung: Die Umstellung von Rebflächen auf ökologischen Landbau hat seit Beginn des 21. Jahrhunderts erheblich zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV), berichtet das Fachblatt Wein+Markt. 2005 bis 2019 wuchs die weltweite zertifizierte ökologische Rebfläche um durchschnittlich 13 Prozent pro Jahr, während die konventionelle Rebfläche um durchschnittlich 0,4 Prozent pro Jahr zurückging. 2019 waren 63 Länder – übrigens auf allen Kontinenten außer der Antarktis – am ökologischen Weinbau beteiligt. Die zertifizierte ökologische Weinbaufläche wird auf 454 000 ha geschätzt. Das entspricht 6,2 Prozent der weltweiten Gesamtrebfläche. Auf die drei großen Weinbauländer Spanien, Frankreich und Italien entfallen rund 75 Prozent der Bio-Flächen. Öko-Weinberge gewinnen vor allem in Europa, wo 2019 rund 381 000 ha zertifiziert wurden, an Bedeutung. 84 Prozent der gesamten zertifizierten Bio-Weinbaufläche liegen in Europa.

Auch beim Anteil der ökologisch bewirtschafteten Rebfläche an der Gesamtrebfläche des jeweiligen Landes wird die Rangliste von den europäischen Ländern dominiert: Italien widmet den OIV-Zahlen zufolge 15 Prozent seiner Rebflächen dem ökologischen Weinbau, gefolgt von Frankreich und Österreich (je 14 Prozent). Das einzige außereuropäische Land unter den Top 10 ist Mexiko (8 Prozent der Rebfläche, das entspricht etwa 3100 ha), das diesen Angaben zufolge einen ähnlich hohen Anteil wie Deutschland aufweist, in Württemberg nicht einmal die Hälfte.

Hinter der weltweiten Zunahme verbirgt sich laut OIV auch noch eine beträchtliche Dunkelziffer, denn die Umstellung eines Weinbergs erfordere ein hohes Maß an Anpassung. Wetterphänomene wie 2021 sowie strukturelle oder organisatorische Probleme könnten die Erzeuger dazu veranlassen, ihre Zertifizierung für den ökologischen Landbau aufzuschieben oder sogar aufzugeben. red