Weinhandel in der Pandemie

Deutsche Weine entwickeln sich besser als ausländische – Boom im LEH lässt nach

Philipp Meintzinger aus Franken geht auf Nr. Sicher. Foto: Krauth

14.11.2021

Im ersten Corona-Jahr 2020 hatte sich der Weinkonsum der Deutschen wegen zeitweise geschlossener Lokale und fehlender Feste stark nach Hause verlagert. Besonders der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) profitierte davon: 66 Prozent der Weine wurden im vergangenen Jahr dort gekauft.

Doch „die Rallye ist vorerst vorbei“, sagt Uwe Kämpfer, Vorstand Marketing und Vertrieb der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG). Obwohl es im ersten Halbjahr 2021 im LEH laut dem „Nielsen Homescan Panel für Wein“ noch ein leichtes Wachstum im Absatz von 0,6 Prozent und im Umsatz sogar noch um 3,4 Prozent gegeben hat, zeigen die Entwicklungen des zweiten Quartals, dass der Höhenflug des vergangenen Jahres wohl beendet ist. „So gingen im zweiten Quartal die Absätze um acht Prozent und die Umsätze um 4,5 Prozent zurück“, berichtet WZG-Chef Uwe Kämpfer.

Auffällig ist, dass sich deutsche Weine sowohl im Absatz (mit minus 5,9 Prozent gegenüber einem Minus von 9,7 Prozent für ausländische Weine) als auch im Umsatz (sogar mit minus 0,8 Prozent gegenüber minus 8,1 Prozent für ausländische Weine) deutlich besser entwickelten konnten. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Betrachtung der Käuferreichweite: Gab es im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch einen Anstieg von 49,5 auf 50,7 Prozent der Wein kaufenden Haushalte, so kam es im zweiten Quartal zu einem Rückgang von 42,2 Prozent auf 40,7 Prozent.

Und auch bei der Käuferreichweite schneidet deutscher Wein besser ab als seine ausländische Konkurrenz: Während die Anzahl kaufender Haushalte für deutschen Wein nur sehr wenig zurückging (29,8 auf 29 Prozent), schrumpfte die Anzahl kaufender Haushalte für ausländischen Wein so stark (30,3 auf 27,8 Prozent), dass sie nun unter der Käuferreichweite für deutschen Wein liegt.

Fächert man die Entwicklung weiter auf, so geht Spanien als Gewinner der ersten sechs Monate sowohl im Absatz (plus 15,9 Prozent) als auch Umsatz (plus 12,4 Prozent) hervor. Italien konnte mit plus 1,8 Prozent im Absatz und plus 2,4 Prozent im Umsatz leichte Gewinne verbuchen. Verlierer waren Frankreich (minus 2 Prozent im Absatz und minus 1,7 Prozent im Umsatz), aber vor allem die Neue Welt (minus 15,9 Prozent im Absatz und minus 16 Prozent im Umsatz) und Sonstige (minus 12 Prozent und minus 10,8 Prozent). Deutschland entwickelte sich mit plus 1,8 Prozent bei den mengenmäßigen Marktanteilen und mit plus 1,6 Prozent bei den wertmäßigen Anteilen analog zu Italien. red