Frisch und fruchtig in den Frühling

Die Württemberger Weingärtnergenossenschaften versuchen, mit milden Tropfen anzukommen


29.03.2021

Spritzige Jungwinzer-Tropfen, andere mit provokantem Etikett oder mit wenig Alkohol: Die Württemberger Genossenschaften bringen im Frühling auch ohne große Messen interessante Neuheiten in die Regale.

Die Genossenschaftskellerei Heilbronn stellt ihrem Ursprung Trollinger einen Ursprung Trollinger Rosé zur Seite – als ihren ersten Rosé in der Geschmacksrichtung feinherb. Wie beim Roten gilt auch beim Rosé: Es soll eine neue Generation Trollinger geschaffen werden, zeitgemäß und jung. Mit Trauben aus den besten Lagen Heilbronns, ertragsreduziert auf maximal 90 Kilogramm pro Ar. Eine ganz andere Richtung schlägt der fruchtige 2020er Trollinger Rosé ein: Seine Vergärung wurde bei 46 Gramm Restzucker abgestoppt. Dadurch hat er mit 10,5 Prozent einen außergewöhnlich niedrigen Alkoholgehalt. Damit will man insbesondere junge Weinfreunde ansprechen: üppiges Fruchtspiel, Himbeerduft, schöner Trinkfluss.

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Lesestoff 
Die Neuheiten der Heilbronner rundet eine 2020er Spätburgunder Beerenauslese ab – eine echte Rarität, vinifiziert aus hochreifem Lesegut. Die tiefrote Süßigkeit erinnert an Waldfrüchte und dunkle Schokolade.

Die Lauffener Weingärtner stellen den neuen 2020 Lesestoff Rosé vor: Auch dieser Tropfen zeichnet sich wie die weiteren Weine der Lesestoff-Linie durch einen aroma-intensiven Charakter aus. Vielschichtig und körperreich, nicht zu gerbstoffbetont, dafür mit einer fruchtintensiven Note und Frische. Als weitere Neuheit ist der 2020 Bio-Riesling trocken angekündigt. Denn in Lauffen gibt es auch WG-Mitglieder, die Schwarzriesling, Acolon, Dornfelder oder etwa Riesling nach ökologischen Regeln anbauen. Ihre Weine werden nach den Ecovin- und den Bio-Baden-Württemberg-Richtlinien (Bio BW) hergestellt und sind sogar vegan ausgebaut.

Divers
Die Heuchelberg Weingärtner stellen zwei neue Produkte mit provokantem Titel vor: Der „# für jedermann m/w/d Mein Wein Darling“ Trollinger – er heißt tatsächlich so – zeigt sich mit feiner Frucht, Finesse und spielerischer Eleganz. Lieblich ausgebaut am besten gekühlt trinken. Er ist aber auch als Basis für Cocktails und Longdrinks denkbar. Den m/w/d gibt es außerdem als Trollinger mit Lemberger. Letzterer verleiht dem Tropfen zusätzlich Kraft, Ausdruck und Dynamik.

Der Weinkonvent Dürrenzimmern erweitert bestehende Linien: Neu sind der 2020 Rosé und der Sparkling Rosé in der Only-Reihe, die Klosterhof-Linie wird durch den 2020 Spätburgunder Blanc de Noir und den 2020 Samtrot ergänzt – beide halbtrocken. Dazu kommt die trockene Rotweincuvée „Novitius“, hauptsächlich aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Lemberger und Dornfelder. In der Cellarius-Linie erscheint erstmals der 2020 Cellarius Rosé trocken, aus Merlot, Lemberger und Spätburgunder.

Die Weingärtner Cleebronn-Güglingen setzen bei ihren Neuheiten auf den aktuellen Trend zu Aromasorten und bringen innerhalb ihrer Linie „fein & fruchtig“ den 2020 Muscari heraus – eine Cuvée unter anderem aus Riesling und Muscaris. Letzteres ist eine pilzresistente Spielart des Muskateller. Daraus resultiert das zauberhaft exotische Bouquet mit Rosen- und Holunderblüte.

Eine Vielzahl an Änderungen und Neuheiten hat in diesem Jahr die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft parat. Zunächst wird die erfolgreiche Linie „Süß & Fruchtig“ um zwei Weine erweitert. Markttests ergaben: Je eine Cuvée in weiß und in rot wünschten sich die Freunde von „Süß & Fruchtig“ am liebsten, darum wurden diese jetzt neu entwickelt und ergänzen ab sofort den Riesling, Samtrot und Trollinger Rosé der Linie. Mit den „Bodenschätzen“ legt die WZG eine komplett neue Serie auf, die voraussichtlich ab Mai in die Regale kommt: Je ein Trollinger, Lemberger, Grauburgunder, Riesling und Schwarzriesling Rosé, alle trocken ausgebaut, sorgen schon mit ihrem stylischen Etikett für Aufmerksamkeit. Regionalität und der Stolz auf die Herkunft spiegeln sich in diesen Weinen wider. Die „Bodenschätze“ stehen für gehobenen Lifestyle und passen perfekt, wenn Gäste kommen und man es sich bei gepflegtem Essen und netten Gesprächen richtig gut gehen lassen will.

Auch den Trend zu leichteren Weinen bedient die WZG künftig: Mit „hier & jetzt“ bringt sie drei innovative, feinherbe Cuvées in Rot, Weiß und Rosé auf den Markt, deren Name Programm ist: Weine für „den Moment der Leichtigkeit, für das hier & jetzt-Gefühl“, heißt es. Diese Getränke sollen für verantwortungsvollen Alkoholkonsum stehen, für unkomplizierte Genussmomente mit Freunden, für Genuss – trotz dem geringen Alkoholgehalt von nur 9,5 Volumenprozent. Im Handel zu finden sein werden die Weine ab 1. April.

Opa 
Abgerundet werden die WZG-Neuheiten von „Opa Günther“, einer Cuvée in dunklem Rot mit violetten Reflexen. Den Wein gibt es schon seit Herbst. Er zeigt intensive Beeren- und Kirscharomen, dazu rauchige Holznoten und einen Hauch Vanille. Der feinherbe Großvater passt prima zu Antipasti, Tapas und mediterraner Küche. Wenn Opa Günther beim Publikum ankommt, soll rund um ihn herum eine ganze „Familie Feinherb“ aufgebaut werden – schließlich sind auch gereifte Weine nicht gern alleine, heißt es in der WZG-Zentrale. red/kra
  


Deutsche Weinkultur ist jetzt offiziell Kulturerbe

Expertenkomitee würdigt offene, lebendige und wandlungsfähige Traditionspflege

MAINZ Die „Weinkultur in Deutschland“ wurde am 19. März von der Kulturministerkonferenz auf Empfehlung des Expertenkomitees der Deutschen Unesco-Kommission in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen: und zwar auf Antrag der Deutschen Weinakademie (DWA).

Ein Expertenkomitee würdigt damit die Weinkultur in Deutschland als offene, lebendige und wandlungsfähige Traditionspflege, die gesellschaftlich stark verankert sei. In der Begründung wird auch hervorgehoben, dass die Weinkultur soziale, handwerkliche, kulturlandschaftliche und sprachliche Aspekte sowie zahlreiche Feste und Bräuche beinhaltet. Insbesondere in den Weinanbauregionen würde die Weinkultur den Lebensrhythmus vieler Menschen prägen und hätte oft identitätsstiftende Wirkung.

„Wir sind überglücklich und freuen uns gemeinsam mit allen Trägern der Weinkultur in Deutschland riesig über diese Entscheidung“, so die Geschäftsführerin der Deutschen Weinakademie, Monika Reule. „Damit wird die Leistung der Menschen, die die Weinkultur mit Leben erfüllen und weiterentwickeln, gewürdigt. Wir sind sicher, dass mit der Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes diese Leistungen für den Erhalt unseres Kulturgutes Wein und den Erhalt unserer Kulturlandschaften noch stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen.“

Der Antrag der Deutschen Weinakademie wurde auch vom Land Rheinland-Pfalz unterstützt und beratend begleitet. Darüber hinaus sei die DWA aber auch für die Unterstützung „vieler Menschen, die die Weinkultur bundesweit aktiv mitgestalten, dankbar“, so Monika Reule, die übrigens aus Aalen stammt. red