Fleisch ist das liebste Gemüse

Tipps mit Gelinggarantie – 2020 gaben Bundesbürger 4,2 Milliarden Euro für Würstchen und Steaks aus

Für die meisten Bundesbürger gehört Fleisch auf den Grill. Im vergangenen Jahr gaben sie dafür 4,2 Milliarden Euro aus. Foto: dpa

9.06.2021

Ohne Grillen, so viel steht fest, gibt es für die Deutschen keinen Sommer. Für sie gehört die Freizeitbeschäftigung am Rost unabdingbar zur warmen Jahreszeit. Dass es nach der Nutzung von Medien ihr liebstes Hobby ist, beweisen auch die Zahlen.

Liebstes Hobby
Laut einer Statista-Umfrage hat ein Großteil der Bundesbürger im vergangenen Jahr ihre Lieben mit Gerichten vom Rost verwöhnt. Allein 4,2 Milliarden Euro gaben sie 2020 für Grillfleisch aus. Für die dazugehörigen Soßen waren es immerhin noch 435 Millionen Euro. Wobei, welch Überraschung, Ketchup auf dem ersten Platz rangierte. Und immer noch gilt beim Grillen das Motto. „Fleisch ist mein liebstes Gemüse“ – bei nur 38 Prozent der Befragten hatten Zucchini und Co. einen festen Platz auf dem Rost. Wen mag es da noch verwundern, dass fast alle Befragten voll des Eigenlobs für ihre Leistungen am Grill waren. Ob dem so ist, das lässt sich bezweifeln. Denn wer ein Super-Ergebnis auf den Tisch bringen will, der sollte einiges beim Zubereiten der Speisen beachten. Und wetten, dass auch die selbsternannten Grillmeister noch etwas dazu lernen können? Hier ein paar nützliche Tipps mit Gelinggarantie.

Vorheizen
Für ein optimales Ergebnis muss der Grill auf Betriebstemperatur gebracht werden. Beim Gasgrill dauert das etwa zehn Minuten, bei Holzkohle muss eine Vorlaufzeit von 30 bis 40 Minuten eingeplant werden. Erst wenn die Kohle einen Grauschleier aufweist, kann das Grillgut auf den Rost.

Nicht selten greifen Ungeduldige dabei zu Brennspiritus, der den Vorgang beschleunigt. Eine gute Idee ist das nicht, da Fisch, Fleisch und Gemüse auf dem Rost dessen Aroma annehmen. Nicht wirklich lecker. Wer den Vorgang beschleunigen will, greift daher besser zu einem Anheizkamin. Gut ist es auch, vor dem Grillen den Rost mit einem hitzebeständigen Raps- oder Sonnenblumenöl einzufetten. So bleibt das Fleisch nicht kleben.

Fleisch
Für ein gleichmäßiges Garen sollte das Fleisch so rechtzeitig aus dem Kühlschrank genommen werden, dass es Zimmertemperatur hat. Wer Steaks liebt, sollte darauf achten, dass die Scheiben nicht zu dünn sind. Eine Dicke von zwei bis drei Zentimetern garantiert, dass sie außen knusprig und innen schön saftig bleiben. Vor dem Auflegen – am besten von links nach rechts in einer Reihe, so behält man den Überblick darüber, was als erstes auf den Grill gelegt wurde – das Fleisch trockentupfen. So kann die Wärme direkt eindringen, ohne dass zuvor überschüssiges Wasser verdampft werden muss. Nachträgliches Salzen verhindert ebenfalls ein Austrocknen. Beim Garen immer mit den verschiedenen Temperaturzonen arbeiten: hohe Hitze für die Kruste, geringe zum Garziehen. Wer mag, kann das Fleisch im Vorfeld mit etwas Öl einsprühen. Der dünne Fettfilm begünstigt die fürs Grillen typischen Streifen. Beim Fleisch à la minute arbeiten. Wird es auf dem Grill noch warmgehalten, trocknet es ebenfalls aus.

Marinaden
Klar lässt sich Fleisch und Gemüse bereits mariniert und damit gut vorbereitet kaufen. Selbst hergestellte Marinaden sind aber schnell gemacht und schmecken einfach besser. Dabei sollte immer eine säurehaltige Komponente (Fruchtsaft, Joghurt, Wein oder Essig) eingearbeitet werden. Das macht das Fleisch schön zart. Bei zuckerhaltiger Marinade darauf achten, dass diese immer erst in letzter Minute aufs Grillgut kommt, denn die hohen Temperaturen lassen den Zucker schnell verbrennen.

Fisch
Das Garen von Meeresgetier und Fisch erfordert von den Grillmeistern Fingerspitzengefühl. Denn schnell wird deren Fleisch trocken und zerfällt. Für Anfänger empfiehlt es sich, erst einmal auf so fettreiche Arten wie Lachs oder Forelle zurückgreifen. Spezielle Fischbräter helfen bei der Zubereitung.

Gemüse
Fast alles, was der Garten bietet, kann auch auf den Rost. Am besten gelingt das Grünzeug aufgespießt, da es so gleichmäßig gart. Aber auch mariniert und in Aluschalen oder in Aluminiumpäckchen verpackt, werden Spargel und Co. zum Gaumenschmaus. Apropos Spargel: Wer den weißen blanchiert auf den Grill legt, verringert die Garzeit um mehr als die Hälfte.

Besondere Aromen
Wer auf das Besondere setzt, legt einfach Kräuter in die Glut – das verleiht den Speisen ein besonders würziges Aroma. Beim Gasgrill werden Kräuter in eine Aluschale mit etwas Wasser gelegt und in die Nähe des Brenners unter den Rost gestellt. Auch Aromaplanken aus Zedernholz verleihen dem Grillgut einen ganz eigenen Geschmack. Für Jakobsmuscheln und Shrimps gibt es spezielle Grillplatten aus Himalayasalz – nicht ganz billig (circa 20 Euro), aber die Anschaffung lohnt sich.

Obst
Etwas Süßes gefällig? Obst vom Grill ist ein super Nachtisch. Wer Zimtstangen als Spießchen verwendet, verleiht Pfirsichen, Pflaumen, Feigen und Ananasstücken das gewisse Etwas. Und wer es knackig mag: für eine goldbraune Kruste einfach etwas Kristallzucker über die Spießchen streuen.

So steht dem Grillvergnügen von der Vorspeise bis zum Nachtisch nichts mehr im Wege. Außer vielleicht ein sauberes Arbeitsgerät. Nur zu gerne wird nach der Grillparty das Säubern des Rostes vergessen. Das geht aber mit einer Drahtbürste am schnellsten, solange der Rost noch warm ist. Ulrike Kübelwirth