Corona bringt Markt durcheinander

Lebensmittelhandel und Online profitieren – Gastronomie und Feste brechen ein

Zwischen Laptop und Barrique: Wie hier im Sontheimer Weingut Bauer forcieren viele Winzer jetzt den Online-Handel. Foto: Andreas Veigel

19.11.2020

Der Weinmarkt in Deutschland entwickelt sich Corona-bedingt sehr unterschiedlich: Während es im ersten Halbjahr im Lebensmitteleinzelhandel deutliche und im ECommerce äußerst große Steigerungen gab, entwickelte sich der Absatz im Fachhandel unterdurchschnittlich und im Direktverkauf leicht rückläufig. Dramatische Rückgänge verzeichnet der Außer-Haus-Bereich, also Gastronomie, Feste und andere Veranstaltungen.

Die Ausgaben der deutschen Haushalte (ohne Außer-Haus) für alkoholische Getränke haben sich laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im ersten Halbjahr deutlich erhöht. Insbesondere Wein und Spirituosen konnten vom Shutdown überproportional profitieren. „Es scheint, als wollten sich viele Menschen etwas gönnen“, so Uwe Kämpfer als Chef der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG).

Das Nielsen-Institut hat ermittelt, dass im ersten Halbjahr private Haushalte 6,5 Prozent mehr Wein gekauft haben als im Vorjahreszeitraum und dabei 8,1 Prozent mehr Geld ausgaben. Dies liege an einer massiven Steigerung im zweiten Quartal: Waren die Einkaufsmengen im Januar und Februar noch klar rückläufig, ist bereits im März ein deutlicher Zuwachs um 7,5 Prozent festzustellen. Dieser Zuwachs hat sich im zweiten Quartal weiter gesteigert auf 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wertmäßig war die Entwicklung noch deutlicher: Nach starkem Rückgang im Januar und Februar, gab es im März eine Steigerung von 8,2 Prozent, die sich im zweiten Quartal auf 17,6 Prozent erhöhte.

Wachstumstreiber waren Roséweine mit einem Plus von 24,3 Prozent (Menge) und 30,9 Prozent (Wert). Rotwein legte mengenmäßig um 10,9 Prozent zu, Weißwein um 8,7 Prozent. Aufgrund eines überproportionalen Wachstums bei den Weißweinen mit einem Preisgefüge von mehr als drei Euro pro Flasche verzeichnen diese wertmäßig mit 14,2 Prozent eine höhere Steigerung als Rotweine (11,6 Prozent). Besonders nachgefragt waren deutsche Weine: Sie konnten im zweiten Quartal mit einem Plus von 13,7 Prozent stärker von der gestiegenen Nachfragemenge profitieren als ausländische, die 9,5 Prozent zulegten. red