Die Zukunft gehört klimarobusten Bäumen

Forschung beschäftigt sich mit widerstandsfähigen Gehölzen für den Hausgarten

Der Judasbaum, der zur Familie der Johannisbrotgewächse gehört, ist äußerst pflegeleicht, braucht keinen Schnitt und kommt mit Trockenheit gut zurecht. Außerdem ist er mit seiner Blütenpracht ein echter Hingucker im Garten. Fotos: dpa

13.05.2021

Es lässt sich nicht leugnen – unser Klima verändert sich. Die Sommer werden heißer, es fehlt an Regen, die Böden trocknen aus. Wetterextreme, die vielen Pflanzen schwer zu schaffen machen. Das zeigt sich nicht nur am zunehmend schlechten Zustand der heimischen Wälder, sondern auch in den Hausgärten, wo Bäume und Sträucher unter der Trockenheit leiden, Krankheiten und Schädlinge ein zunehmend leichtes Spiel haben.

Unter Stress
Zwar herrschen in Privatgärten immer noch bessere Standortbedingungen als in der Stadt oder am Straßenrand, aber auch hier gibt es Gehölze, die stark leiden – und einige, die mit den Klimaveränderungen wesentlich besser zurechtkommen – und zwar deshalb, weil sie extreme Bedingungen aus ihren natürlichen Lebensräumen gewohnt und deshalb klimatolerant oder klimarobust sind.

Genau solche Pflanzen sind es, mit denen man in Zukunft die heimischen Arten ergänzen sollte, um einen großen Ausfall an Bäumen zu verhindern, wenn ein neuer Schädling oder eine neue Krankheit auftritt und die so den klimatischen Bedingungen auf Dauer nicht mehr gewachsen sind.

„Gehölze, die sich teilweise schon über Jahrhunderte hinweg als wichtige Elemente der Gartengestaltung etabliert haben, stehen mittlerweile enorm unter Stress“, erklärt Paul Saum vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, BGL. Für ihn ist es nur folgerichtig, dass sich die Forschung dieses Themas annimmt. So wie das Projekt „Stadtgrün 2021“, das in Bayern ins Leben gerufen wurde.

Langzeitversuch
Dabei wurden 30 verschiedene Baumarten an drei Standorten im Freistaat mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen auf ihre Robustheit hin getestet: im trocken-heißen Würzburg, im frostig-kalten Hof-Münchberg und im gemäßigten-regenreichen Kempten. Ziel des Langzeitversuches war es, herauszufinden, welche Klimabäume das Zeug dazu mitbringen, sich künftig in unseren Breiten behaupten zu können.

Dabei konnten sogar heimische Baumarten punkten. Etwa eine neuere Ulmensorte mit hoher Resistenz gegen die weit verbreitete Ulmenkrankheit, Elsbeere und Feldahorn. Ebenfalls gut abgeschnitten haben Purpur-Erle, Lederhülsenbaum und die Hopfenbuche. Als für den Hausgarten geeignet herausgestellt hat sich der Spitzahorn, der selbst extreme Sommer unbeschadet übersteht. Für kleine Gärten werden Zierapfel, Blasenbaum, Eisenholzbaum, die weidenblättrige Birne und die Blumenesche empfohlen. Ebenfalls gut gedeihen der Seiden- und der Bienenbaum. Beide benötigen zum Überleben aber einen zusätzlichen Winterschutz.

Eine Liste, die Paul Saum noch ergänzen kann. „Auch der Judasbaum ist ideal. Er stammt aus dem Mittelmeerraum und verträgt von Natur aus hohe Temperaturen. Er bleibt relativ klein, erfreut im Frühling mit pinkfarbenen Schmetterlingsblüten und im Herbst mit einer goldgelben Laubfärbung.“ Ebenfalls mit Hitzeperioden kommt der Maulbeerbaum gut zurecht. „Er trägt schmackhafte, gesunde Beeren und fasziniert mit einem etwas knorrigen Wuchs sowie verschiedenen Blattformen in einer Krone – von herz- bis birnenförmig“, weiß der Experte.

Hitzerobust ist auch der Amberbaum, der sogar kurzzeitigen Überschwemmungen Stand hält. „Deshalb ist er nicht nur ein guter Hausbaum, sondern auch ein Stadtbaum mit Zukunft“, ist sich Saum sicher. Ein Hingucker ist der Amberbaum obendrein: seine sternförmigen Blätter leuchten im Herbst mit einer breiten Palette an Orange und Rottönen bis hin zu Violett. Für die Pflanzung der klimarobusten Bäume geben die bayerischen Forscher Hobbygärtnern folgende Tipps: Die Gehölze auf keinen Fall zu tief in die Erde setzen und die jungen Bäumchen bis zu ihrem fünften Lebensjahr konsequent wässern.

Abwechslungsreich
Da den jungen Bäumchen noch ihre schützende Borke fehlt, sollte der Stamm mit einem speziellen weißen Schutzanstrich versehen werden, um die Rindentemperatur im Sommer zu senken. Alternativ lässt sich ein weißer Kalkanstrich aufbringen oder der Stamm wird mit einer Schilfmatte geschützt.

Das Allerwichtigste ist aber, bei der Wahl des Klimabaums neben dem Standort und der Grundstücksgröße dessen Wuchshöhe zu beachten – und sich schon im Vorfeld darüber schlau zu machen, wie das Gehölz in 25 Jahren aussieht.

Gartenbesitzer, die sich solch ein robustes Grün wünschen oder eine große Pflanze ersetzen möchten, die den klimatischen Bedingungen zum Opfer gefallen ist, sollten sich am besten mit einem Landschaftsgärtner zusammentun. Der Profi kennt ein breites, abwechslungsreiches Sortiment an klimarobusten Bäumen und hilft dabei, die richtige Wahl zu treffen. So schafft man die besten Voraussetzungen für ein langes Baumleben. Ulrike Kübelwirth
  

INFO Wissenswertes

Weitergehende Informationen zum Thema finden sich online auf www.mein-traumgarten.de