Der Gummi macht den Unterschied

Die richtigen Reifen für Matsch und Schnee – Fahrzeug gut vorbereiten für die kalte Jahreszeit

Spezielle Winterreifen haben nicht nur ein ganz besonderes Profil, sondern auch eine weichere Gummimischung. Foto: dpa

12.10.2020

Herbst und Winter stehen im Straßenverkehr für lange Nächte, Nebelschwaden, Regen- und Schneeschauer. In diesem schwierigen Umfeld kann nur eine funktionierende, fehlerfreie Beleuchtung Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern eine gute Sicht sowie verlässliche gegenseitige Sichtbarkeit garantieren. Deshalb ist mit der kalten Jahreszeit auch die Zeit für eine gründliche Überprüfung und Säuberung der Fahrzeugbeleuchtung gekommen, rät der Auto Club Europa (ACE). Und wegen der besseren Sichtbarkeit sei es in den dunklen Jahreszeiten zudem empfehlenswert, das Licht auch tagsüber einzuschalten, egal ob es sich um ein Auto oder Motorrad handelt.

Einstellungssache Die richtige Einstellung und Funktion der Auto-Beleuchtung lässt sich im Oktober während der kostenlosen Licht-Test-Wochen in vielen Kfz-Meisterbetrieben überprüfen, erklärt der ACE. Bei dem Test werde nicht nur die Funktion, sondern auch die richtige Einstellung der Autolichter überprüft. Dazu gehörten neben Nebelscheinwerfern auch Fern- und Abblendlicht, Bremslichter, Nebelschlussleuchte, Blinker und weitere Beleuchtungsbestandteile.

Doch die besten Einstellungen bringen in Sachen Sicht nichts, wenn die Autoscheiben verdreckt sind. Ergänzend zum Licht-Test empfehlen die Experten deshalb, vor dem ersten Frost das Wischwasser mit einer Reinigungsflüssigkeit zu befüllen, die Frostschutz enthält. Zudem gelte es, die Scheiben von innen gründlich zu reinigen. Denn schmutzige Scheiben beschlagen den Angaben zufolge erheblich schneller als saubere und verschlechtern so die Sicht.

Vorgeschrieben Wenn es draußen nass und kalt wird, ist das ein untrügliches Anzeichen dafür, dass es bald auch Zeit wird für eine wintergerechte Autobereifung. Seit 2010 ist diese gesetzlich vorgeschrieben, wenn winterliche Straßenverhältnisse herrschen, also bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Infrage kommen reine Winterreifen, Ganzjahresreifen oder runderneuerte Pneus dieser beiden Sorten. Ein festes Startdatum jedoch gibt es nicht, denn es handelt sich um eine „situative Winterreifenpflicht“, so der ADAC. Als Faustformel gelte aber der Zeitraum von Oktober bis Ostern. Wer die Winterreifenpflicht missachtet, riskiert ein Bußgeld von mindestens 60 Euro sowie einen Punkt in Flensburg.

Kennzeichnung Ob ein Reifen für den Einsatz im Winter zugelassen ist, lässt sich an der Reifenkennzeichnung ablesen: „Entscheidend ist das Alpin-Symbol, also das Bergpiktogramm mit Schneeflocke auf der Reifenwand“, sagt Michael Schwämmlein vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). Daneben sind bis zum 30. September 2024 auch noch Reifen mit der M+S-Kennzeichnung für den Winter zugelassen, sofern die Pneus bis Ende 2017 produziert wurden. Technisch gesehen unterscheiden sich Reifen für den Winter vor allem durch die Gummimischung und das Profil von Sommermodellen: „Winterreifen besitzen eine weiche Gummimischung. Die sorgt bei kalten Temperaturen für kurze Bremswege“, erklärt Antonia Eckert vom Auto Club Europa (ACE). „Außerdem besitzen Winterreifen viele Lamellen, also kleine wellenförmige Einschnitte in den Profilblöcken, die dazu beitragen, dass der Winterreifen auf Schnee und Eis eine bessere Haftung hat.“

„Reine Winter- wie Sommerreifen sind Spezialisten für die jeweilige Jahreszeit, während der Ganzjahresreifen einen Kompromiss darstellt“, sagt Schwämmlein. „Ein Ganzjahresreifen kommt an diese Spezialisten nicht heran, das macht sich vor allem im Sommer durch ein schlechteres Handling und einen längeren Bremsweg bemerkbar.“ Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der ACE, der acht Ganzjahresreifen unter verschiedensten Bedingungen getestet hat. Das Ergebnis: Einige Modelle hatten bessere Sommerfahreigenschaften, andere konnten im Winter punkten. Unterm Strich bleibe der Ganzjahresreifen aber auf jeden Fall ein Kompromiss.

Profil Welcher Reifen auch immer zum Einsatz kommt, empfehlenswert ist es, alle vier Räder mit der gleichen Sorte zu bestücken. „Nach europäischem Recht muss zumindest achsweise der gleiche Reifen gefahren werden, wir empfehlen aber dringend, am gesamten Fahrzeug Reifen vom gleichen Fabrikat und Typ aufzuziehen“, sagt Stefan Ehl von der Prüforganisation KÜS. Wer ins winterliche Ausland reisen will, sollte die jeweiligen Landesvorschriften kennen. So gilt etwa in Österreich für Winterreifen ein Mindestprofiltiefe von vier Millimetern, während in Deutschland 1,6 gesetzlich ausreichend sind. Die Experten raten aber auch hier zu mindestens vier Millimetern. „Zudem gilt in einigen Ländern eine Mitführungspflicht für Schneeketten“, weiß Schwämmlein. dpa