Von Werner GlanzMich, das Besenbrot, gibt es schon seit 120 Jahren. Denn kurz vor der Jahrhundertwende, genau 1899, legt „Gründervater“ Alois Förch mit Ehefrau Emma den Grundstein der Traditionsbäckerei am heutigen Standort in Binswangen. Und wenig später schuf er mich, das Besenbrot, das er zunächst Bauernbrot nennt. Erst 1975 werde ich in Besenbrot umgetauft – von Katharina Förch, Ehefrau von Roland Förch, der die Bäckerei inzwischen nach Vater Johannes in dritter Generation führt. Hintergrund: In zahlreichen Besenwirtschaften werde ich zum deftigen Vesper gereicht. Die Nachfrage der Kunden nach mir, „dem Brot, das es im Besen gibt“, ist groß und geht weit über die Region hinaus.Sauerteig Ich bin ein lockeres, rustikales Weizenmischbrot aus Sauerteig mit unnachahmlichem Geschmack und kerniger Kruste. Hergestellt werde ich nach dem uralten Originalrezept, und nach wie vor von Hand, mit viel Liebe und Zeit geformt. Mit mir und vielen weiteren Bäckerei- und Konditoreierzeugnissen sind meine Chefs nun bereits in der fünften Generation in aller Munde – und erfolgreich dazu.Es gibt nichts Perfektes, außer man bäckt es: Der Leitsatz hat meine Bäckerei in zwölf Jahrzehnten zu einem Betrieb gemacht mit rund 150 Mitarbeitern, die im Hauptbetrieb und weiteren zwölf Filialen arbeiten. „Wir sind täglich bemüht, alle Kundenwünsche zu erfüllen“, sagt kürzlich mein Chef, Roland Förch junior, der die Bäckerei in der vierten Generation führt.
Besenbrot ist der Klassiker
Moderne Technik
Was sich in 120 Jahren doch alles in der Backstube geändert hat. Die Anfangsjahre mit den zweimaligen Kriegswirren waren eher bescheiden. Den ersten großen Umbau mit Erweiterung führen 1974 Roland und Katharina Förch durch. Etwas später wird ein Nachbargrundstück erworben, 1983 abermals modernisiert und erweitert. Zwölf Jahre später erfolgt der nächste Stepp, immer modernere Technik zieht in die Backstube ein. Das von vielen Kunden gewünschte Café, auch mit Mittagstisch, wird 2005 eröffnet. Heute steht am Firmenstammsitz in der Binswanger Hauptstraße ein moderner Betrieb, der sich ganz dem traditionellen Bäckerei- und Konditoreihandwerk verschrieben hat.
Gute Mitarbeiter
Bäckermeister Roland Förch junior setzt mit Ehefrau Beate auch auf gut geschultes Personal. In das allgemeine Wehklagen hinsichtlich Personalmangel will der 57-Jährige aber nicht einstimmen. „Wir bekommen noch sehr gute Mitarbeiter“, bestätigt der zweifache Großvater und ergänzt: Für Bäckereifachverkäuferinnen gäbe es in der Berufsschule derzeit nur noch eine Klasse. Fünf Auszubildende davon kämen alleine aus seinem Betrieb.
Mit den Töchtern Marlies Füger und Rita Gosch sitzt seit geraumer Zeit bereits die fünfte Generation in der Geschäftsführung. Auch deren Männer sind mit von der Partie: Louis Füger kümmert sich um Marketing und die Logistik, Felix Gosch erlernt derzeit das Bäckerhandwerk.
Regionalität
Förch ist besonders stolz darauf, dass trotz der erfolgreichen Entwicklung das Unternehmen nach wie vor viel Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität legt. So stammt das Mehl beispielsweise von der Jesser-Mühle, die nur einen Katzensprung entfernt ist und Förch mehrmals pro Woche beliefert. So garantiert Förch stets eine hohe, gleichbleibende Qualität seiner Produkte und hebt sich durch die Unterstützung regionaler Betriebe von der Masse ab.
Von Hand
Über ein Jahrhundert backen wir nun schon Brote und Backwaren, die wir von Hand formen, jede Brezel von Hand schlingen und jedes Krusti als Unikat erschaffen. Die Filialen werden mit Rohlingen vom Hauptbetrieb beliefert. Vorort wird dann bei Bedarf gebacken. So ist es möglich, dass zum Beispiel Krusti und Brezel stündlich frisch über die Ladentheke gehen.