Sicher durch die dunkle Jahreszeit

Beim Licht-Test zeigten sich bei fast jedem dritten Fahrzeug Mängel

Auch in der Region bieten die Kfz-Werkstätten den kostenlosen Lichttest an. Siegfried Heer (links), Geschäftsführer der Kfz-Innung Heilbronn-Öhringen, warnt: „Wenn Scheinwerfer nicht funktionieren, steigt das Unfallrisiko.“ Foto: privat

21.09.2020

Bei mangelhaften Bremsen geht Autofahrern in punkto Verkehrssicherheit schnell ein Licht auf, bei defekter Beleuchtung weniger. Und das, obwohl jedem bewusst sein sollte: Ohne Sichtbarkeit keine Sicherheit – erst recht nicht in der dunklen Jahreszeit. Immerhin ereignet sich ein Drittel der tödlichen Unfälle in der Dämmerung und bei Dunkelheit. Ein einleuchtender Grund für die Teilnahme am jährlichen Licht-Test vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und der Deutschen Verkehrswacht. Zum 65. Mal laden die Meisterbetriebe der Kfz-Innungen im Oktober Millionen Fahrzeuge zum Check in die Werkstätten, diesmal unter dem Motto „Licht, Sicht und Sicherheit“.

Mängel im Fokus
„Die regelmäßige Überprüfung der Fahrzeugbeleuchtung ist absolut wichtig, das zeigen die hohen Mängelquoten beim Licht-Test“, betont ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. Trotz leichter Aufhellung zum Vorjahr war 2019 mit 28,8 Prozent fast jedes dritte Auto mit einer mangelhaften Beleuchtung unterwegs. Jedes fünfte fiel mit defektem Hauptscheinwerfer und fast jedes zehnte als Blender oder Funzler negativ auf. Die düsteren Ergebnisse toppen mit einer Mängelquote von über 32 Prozent nur noch die Brummis.

Auf dem Prüfstand
Kostenlos gecheckt werden Fern- und Abblendlicht, Zusatzscheinwerfer, Blinker, Brems- und Schlusslichter, Warnblinker, Begrenzungs- und Parkleuchten – für die Werkstätten eine geldwerte Serviceleistung in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Ersatzteile, Reparaturen und umfangreiche Instandsetzungsarbeiten müssen ebenso bezahlt werden wie die aufwendige Einstellung komplexer intelligenter Scheinwerfersysteme. Nach erfolgreichem Test gibt es die Plakette für die Windschutzscheibe. Ein prima Ausweis bei Verkehrskontrollen – ums Licht kümmern sich die Ordnungshüter dann weniger. Partner der diesjährigen Verkehrssicherheits-Aktion unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sind Osram, die Nürnberger Versicherung und „Auto Bild“.

Fitness fürs Autolicht
Die Scheinwerfer sollten – vor allem im Winter – regelmäßig geprüft werden. An Lack, Frontscheiben, Felgen und Spiegeln putzen und wienern wir weg, was die eisige Wetterfront uns so beschert. Dabei sollten wir Scheinwerfer und Heckleuchten nicht vergessen, denn gerade sie bringen in Herbst und Winter Licht ins Dunkel. Sind sie mit Schmutz und Matsch verdreckt, schwindet die Sicht in Minutenschnelle, der Gegenverkehr wird geblendet. Tipps, wie die Kunststoffscheiben unbeschadet Kälte überstehen und uns sicher ans Ziel bringen.

Schonend enteisen
Was der Windschutzscheibe schadet, tut den sensiblen Scheinwerferscheiben aus Kunststoff, die mit einer feinen Lackschicht als UV-Schutz versehen sind, erst recht nicht gut. Eiskratzer hinterlassen darauf schnell Riefen. Ist der Schutzlack erst einmal angegriffen oder nicht mehr vorhanden, dringen UV-Strahlen ungehindert in die Abschlussscheiben ein und führen zu irreparablen Schäden. Die schonende Variante: Enteiserspray. Lauwarmes Wasser, das vorsichtig über die Abschlussscheiben gegossen wird, hilft nur bei mäßig kalten Temperaturen. Bei starkem Frost gefriert es auf der Stelle.

Richtig säubern
Man nehme: ein weiches Tuch, viel Wasser, etwas Autoshampoo oder Spülmittel. Die sanfte Waschart verspricht unabhängig von den Lichtquellen die besten und schonendsten Reinigungsergebnisse. Je eher Hand angelegt wird, desto besser. Auf die Wagenwäsche zu warten reicht meist nicht. Hartnäckiger Schmutz wird vorher eingeweicht.

Hände weg von Fliegenschwämmen und Trockenreinigung. Auch hochentwickelte Lacke halten diesen mechanischen Belastungen nur begrenzt stand.

Spezialmittel wählen
In Autos mit einem Abblendlicht von über 2000 Lumen Lichtstrom sowie in seit April 2000 zugelassenen Fahrzeugen mit Xenon-Licht arbeiten Scheinwerfer-Reinigungsanlagen. Ins Wischwasser gehört im Winter nicht nur Frostschutz, es sollte auch speziell für die empfindlichen Polycarbonat-Scheiben zugelassen sein. Beim Kauf also auf Hinweise wie „Kunststoffverträglich“ oder „für Polycarbonat geeignet“ achten.

Versiegelung durchführen
Die einfachste Lösung ist Heißwachs in den Autowaschanlagen. Wasser und Dreck perlen für eine bestimmte Zeit besser ab. Allerdings lösen die Waschwasserzusätze der Scheinwerfer-Reinigungsanlagen die Versiegelung auch schnell wieder. Im Handel gibt es Produkte mit Nanopartikeln, die auf die Abschlussscheiben aufgetragen werden und Schutz versprechen.

Ausreichend Wischwasser
Das Leid jedes Autofahrers: Bei schlechtem Wetter und in der dunklen Jahreszeit geht die Hand öfter an den Wischerhebel als gewöhnlich. Die Anzeige leuchtet gefühlt wöchentlich. Es macht also Sinn, eine Wischwasser-Reserve für die Scheinwerfer-Reinigungsanlage sowie die Front- und Heckscheibe an Bord zu haben. Tipp: Wer eine Fertigmischung kauft, muss beim Mischen nicht umständlich zirkeln.

Scheiben tauschen
Steinschläge, UV-Licht, Insektenfriedhöfe – irgendwann ist jede Kunststoffscheibe entweder milchig, rissig oder zerkratzt. Der Handel wirbt für die Doit-yourself-Reparatur mit den verschiedensten Polituren und Schleifpapieren. Doch Vorsicht: Das Material hat keine Herstellerqualität, und das Know-how der Laien hat besonders beim Auftragen der dünnen Lackschicht seine Grenzen. Selbst professionelle Lackierer sind nicht in der Lage, den Lack so gleichmäßig und dünn wie der Scheinwerfer-Hersteller aufzutragen. Oft entsteht danach gefährliches Streulicht, schlimmstenfalls rauscht man mit derart „aufbereiteten“ Scheinwerfern noch durch die HU. Da hilft nur der Tausch in der Werkstatt.

Falsch eingestellt
Der eine blendet, der andere funzelt, der dritte verschwindet gänzlich im Dunkeln. „Wenn Scheinwerfer nicht funktionieren oder falsch eingestellt sind, steigt das Unfallrisiko. Der Gegenverkehr wird gefährlich geblendet, die eigene Sicht ist erheblich beeinträchtigt“, warnt Geschäftsführer Siegfried Heer, Kfz-Innung Heilbronn-Öhringen. Jedes fünfte Auto war 2019 mit defekten Hauptscheinwerfern unterwegs, fast jedes zehnte Fahrzeug blendete oder leuchtete zu kurz. Das ergab der jährliche Licht-Test von ZDK und Deutscher Verkehrswacht. Eine düstere Bilanz gerade in der Dunkelheit. Mängel an der Beleuchtung zählen seit Jahren auch zu den häufigsten Beanstandungen während der Hauptuntersuchung (HU) und sind ein sicherheitsrelevanter Grund, ohne Plakette vom Hof zu rollen. Blender oder Blinder?

Von vielen Autofahrern unterschätzt: Zu hoch eingestellte Scheinwerfer blenden den Gegenverkehr, aber auch Vorausfahrende. Ehe man sich am rechten Straßenrand orientiert hat, sind etliche Meter im Blindflug zurückgelegt. Das ist kreuzgefährlich, nervt und wird von den Betroffenen mit Blinken oder Hupen häufig auf der Stelle moniert. Nicht selten kommt es allerdings zu einem Unfall. Die Lenker funzelnder Autos mit zu kurz eingestellten Scheinwerfern haben es da um einiges schwerer, dem Mangel auf die Spur zu kommen. An eine schlecht ausgeleuchtete Straße gewöhnt man.

Das Abblendlicht ist korrekt eingestellt, wenn die trockene Fahrbahn 50 bis 100 Meter vor dem Auto hell sichtbar ist, Schilder und Bäume deutlich erkennbar sind. Manchmal trüben aber auch verschmutzte Scheinwerferscheiben die Sicht. Laut Tüv kann die Leuchtweite dadurch in nur wenigen Minuten bis zu 80 Prozent sinken. red