Lieber sicher statt schnell

Autofahrer sollten in den nächsten Wochen noch aufmerksamer unterwegs sein – Mit Erstklässlern den Schulweg üben

Kinder haben eine schlechtere Sicht auf die Fahrbahn und können zudem die Geschwindigkeit herannahender Autos schlechter einschätzen als Erwachsene. Foto: Dekra

6.09.2021

Bald ist es wieder soweit: Das neue Schuljahr startet. Erstklässler zählen dann zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Seit vielen Jahren engagiert sich das Medienunternehmen Heilbronner Stimme für das Thema Verkehrssicherheit. „Kinder haben Vorfahrt – das muss jetzt wieder fest in den Köpfen der Autofahrer verankert sein“, sagt Chefredakteur Uwe Ralf Heer. „Kinder sind unberechenbar, können die Gefahren meist nicht richtig einschätzen und entscheiden sich oft im letzten Moment, über die Straße zu rennen.“

Gefahren
Zum Schulanfang beginnt nicht nur der Ernst des Lebens für die Erstklässler, auch die dunkle Jahreszeit rückt allmählich näher. „Viele müssen den Weg am Morgen in der Dämmerung oder später im Dunklen zurücklegen“, sagt Harald Lepple, langjähriger ehemaliger Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Heilbronn. „Das birgt zusätzliche Gefahren.“

Da Kinder bis weit in das Grundschulalter noch nicht in der Lage sind, sich verkehrsgerecht zu verhalten, bedarf es noch der Hilfe von Eltern und Erziehern, verkehrsgerechtes Verhalten zu trainieren und vor allem vorzuleben. Lepple: „Fahren Sie also besonders vorsichtig, wenn Sie Kinder in Straßennähe sehen, und seien Sie Vorbild für Kinder.“ Der kürzeste Schulweg ist nicht immer der beste. Eltern sollten mit ihren Kindern vor dem Schulanfang den sichersten Weg einüben – ob direkt zur Schule oder zur Haltestelle. Sicher ist ein Weg, wenn schwierige, stark befahrene Straßen und Kreuzungen sowie unübersichtliche Abschnitte umgangen werden, erklärt der Auto Club Europa (ACE).

Überqueren
Eine Fahrbahn zu überqueren, ist für Erstklässler oft das Schwierigste und Unfallursache Nummer eins, betont der Tüv Süd. Eltern sollten mit ihren Kindern üben, immer erst nach links und rechts zu schauen, dann noch mal kurz nach links und anschließend auf schnellstem und kürzestem Weg über die Straße zu gehen. Dieser Ablauf gibt Sicherheit und Routine. Wenn irgend möglich, wird eine Straße nur an Ampeln oder Fußgängerüberwegen überquert.

Den konkreten Weg mehrmals einzuüben ist wichtig, denn was Kinder im Erstklässler-Alter vielleicht an anderen Kreuzungen gelernt haben, können sie noch nicht auf neue Orte übertragen, warnt der ACE. Auf dem Rückweg sieht alles anders aus, er muss daher genauso geübt werden. Und auch wenn es momentan morgens hell ist, ist für den anstehenden Herbst auf eine gute Ausleuchtung der Strecke zu achten. Helle Kleidung und Reflektoren machen wiederum die Kinder für Autofahrer sichtbar.

Begleitung
Der ACE weist darauf hin, dass Sechsjährige noch nicht klar erkennen können, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt, ebenso wenig können sie Entfernungen und Geschwindigkeiten einschätzen. Bis zum achten Geburtstag sollte das Kind auf dem Schulweg am besten jemand begleiten, der älter und erfahren ist, rät der Autoclub.

Tabu ist laut den Experten das häufig beliebte „Elterntaxi“, das Kinder möglichst nah an der Schule absetzt. Denn direkt vor dem Schultor sind die Elternautos eine Gefahr für alle Kinder, weil diese zwischen den parkenden und an- und abfahrenden Autos nur schlecht zu sehen sind. Führt kein Weg an einer Autostrecke auf dem Schulweg vorbei, können Eltern ein Stück entfernt von der Schule halten.

Zum Teil gibt es auch von Schulen extra eingerichtete Halteplätze. Für Autofahrer bedeutet der Beginn der Schulzeit: Sie sollten besonders in Wohngebieten und in der Nähe von Schulen mit erhöhter Aufmerksamkeit fahren, so der Automobilclub Kraftfahrer-Schutz. Das heißt: Stets bremsbereit sein, weil plötzlich Kinder auf die Straße laufen könnten, die man zwischen parkenden Autos zu spät sieht. Auch an Ampeln und Zebrastreifen besonders aufmerksam sein, sowie sich strikt an die Geschwindigkeitsangaben halten. Alexander Schnell und dpa