Fiat elektrisiert den Ducato

TEST - Unterschiedliche Reichweiten mit zwei verschiedenen BatteriegrößenAlle reden von Nachhaltigkeit – Rieger redet nicht nur, Rieger tut etwas

Für jene, die auf der Suche nach einem elektrischen Transporter sind, hat Fiat Professional den E-Ducato im Angebot. Foto: Fiat Professional

27.09.2021

Das Fiat-Nutzfahrzeugangebot ist im Umbruch, weil die Eingliederung in den Stellantis-Konzern gewisse Umstellungen in den bisherigen Kooperationen nach sich zieht. Ein Fahrzeug ist davon nicht betroffen: der Ducato. Er wird seit 1982 im italienischen Werk von Sevel hergestellt, einem Gemeinschaftsunternehmen von Fiat, Peugeot und Citroën – alle drei Marken sind Teil von Stellantis. Der Ducato ist der Erfolgreichste des Trios, und auf ihm basiert in Deutschland die große Mehrheit von Reisemobilen. Zwar sind seine Dieselmotoren im vergangenen Jahr wegen einer Abschalteinrichtung ins Gerede gekommen – VW lässt grüßen. Das wird man mit der Nachrüstung eines SRC-Katalysators regeln müssen.

280 Kilometer
Davon nicht betroffen ist der brandneue E-Ducato, der natürlich mit seiner Reichweite von 280 Kilometern nicht gerade ideal für Wohnmobilisten ist. Anders sieht es im gewerblichen Betrieb für Handwerker und Lieferdienste aus. Hier könnte sogar schon die Ausführung mit der schwächeren 47-Kilowattstunden-Batterie ausreichen, wenn täglich nicht mehr als 170 Kilometer gefahren werden. Im innerstädtischen Verkehr mit geringen Geschwindigkeiten und viel Energierückgewinnung durch Bremsvorgänge soll es bei warmer Witterung und in der Ebene sogar für 235 Kilometer reichen. Für den stärkeren 79-Kilowattstunden-Akku, der schwerer und teurer ist, werden im Stadtgebiet bis zu 370 Kilometer Reichweite vorhergesagt.

Rhein Nutzfahrzeuge

Die mit einer Ladung zurückgelegte Strecke hängt auch vom Fahrstil und davon ab, welches Fahrprogramm gewählt wird: Mit der Eco-Einstellung kommt man im E-Ducato am weitesten; Power ist angesagt, wenn das Fahrzeug voll beladen oder eine starke Steigung zu erklimmen ist. Der Kompromiss aus beiden heißt Normal. Der Elektromotor leistet 90 kW/122 PS und liefert von der ersten Umdrehung an ein Drehmoment von 280 Newtonmeter. Diese Durchzugskraft im unteren Drehzahlbereich erzeugt ein ähnliches Fahrgefühl wie mit einem Dieselmotor. Fiat Professional, wie die leichte Nutzfahrzeugsparte der Italiener heißt, gibt die Beschleunigung von null auf 50 km/h binnen fünf Sekunden an – für den E-Ducato nur mit einem Menschen am Steuer besetzt und unbeladen.

Garantien
Für die Batterien werden folgende Garantien gewährt: Für den schwächeren Stromspeicher acht Jahre oder 160 000 Kilometer, für die stärkere Ausführung sogar zehn Jahre oder 220 000 Kilometer. Wobei wir bei der Wirtschaftlichkeit wären: Die Akkus sind so untergebracht, dass wie bei den Diesel-Ducatos in der längsten Fassung und mit Hochdach bis zu 17 Kubikmeter verstaut werden können. Das Fahrgestell ist so stabil konstruiert, dass die schweren Batterien die Nutzlast nicht beeinträchtigen: Fast zwei Tonnen sind möglich. Der E-Ducato (Verbrauch: 21,7 bis 26,5 kW/100 km, CO2: 0 g/km) wurde übrigens in Zusammenarbeit mit dem Paketdienst DHL Express entwickelt, der sich als Erstkunde die ersten 100 Stück von den Bändern des Sevel-Werks im Städtchen Atessa in den Abruzzen gesichert hat.

Fiat Professional gibt 40 Prozent weniger Wartungskosten gegenüber den Modellen mit Dieselmotor an. Das wird man natürlich unter anderem mit dem Anschaffungspreis gegenrechnen müssen, wo die Preisliste für den einfachsten Ducato-Kastenwagen mit Dieselmotor und der vergleichbaren Leistung von 88 kW/120 PS bei rund 33 500 Euro beginnt. Beim E-Ducato schlagen für das Einstiegsmodell 65 200 Euro zu Buche, von denen 7500 Euro Kaufprämie abgezogen werden können. Bernd-Wilfried Kießler