Das Auto, das keines ist

AMI - Mit diesem elektrischen Winzling will Citroën die Städte erobern – Roller-Führerschein reicht für den maximal 45 km/h schnellen Franzosen aus

Klein, leicht, elektrisch und mit dem Charme eines Spielzeugautos – so zieht der AMI die Blicke der Menschen auf sich. Das technische Konzept dahinter ist mutig und radikal – denn der Franzose ist eine rollende Verzichtserklärung. Fotos: Citroën

28.09.2020

Wer sich für den AMI entscheidet, entscheidet sich für Verzicht. Elektrische Fensterheber? Klimaanlage? Radio? Elektronische Helfer? Das alles (und noch einiges mehr) gibt es beim 2,41 Meter kurzen und gerade mal acht PS starken Franzosen nicht. „Unser 471 Kilogramm leichtes Vierradfahrzeug ist anders, cool und bezahlbar“, sagt Pressesprecher Christopher Rux im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. „Es bietet wetterfeste Mobilität für die Städte.“

Denn im Gegensatz zu Mopeds, Rollern und E-Scootern hat man beim zweisitzigen AMI ein Dach über dem Kopf. Trotzdem gilt der maximal 45 km/h schnelle Citroën nicht als Auto – darum reicht in Deutschland bereits der Roller-Führerschein aus, um den aus nur 250 Teilen bestehenden Neuling fahren zu dürfen. „Mit einem Wendekreis von 7,2 Metern ist der AMI extrem handlich“, betont Rux. „Zudem lässt er sich prima quer parken.“ Die großzügigen, recht steil stehenden Scheiben sollen darüber hinaus für eine sehr gute Rundumsicht sorgen.
   

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Ladezeit: Drei Stunden
Unter der Kunststoff-Karosserie verbaut der Hersteller eine Batterie mit einer Kapazität von 5,5 kWh – das reicht im Idealfall für eine maximale Reichweite von bis zu 75 Kilometern. Geladen wird der AMI an einer normalen Haushaltssteckdose, das Kabel dafür ist fest am Fahrzeug installiert. Christopher Rux: „Die Ladezeit beträgt ungefähr drei Stunden.“

Einen für Deutschland gültigen Kaufpreis kann zum jetzigen Zeitpunkt auch der Pressesprecher nicht nennen, er verweist aber auf Frankreich – dort steht der Citroën AMI ab 6900 Euro in der Liste und kann ab 19,99 Euro pro Monat geleast werden. Optional lässt sich das Legomobil mit diversen Farbakzenten, Beklebungen, Spoiler, Dachreling und mehr aufpeppen. Außerdem steht eine Fülle an Accessoires bereit – vom AMI-T-Shirt über bedruckte Tassen, Schuhe bis hin zu Bluetooth-Boxen reicht die Spanne. Der Elektro-Zwerg soll ganz bewusst in der Lifestyle-Ecke platziert werden.

Bei ersten kurzen Testfahrten ist uns aufgefallen, dass der AMI die Blicke von anderen Autofahrern geradezu magisch anzieht. Und er ist ein echter Kommunikationsgarant: Einmal kurz am Wegesrand halt gemacht, sofort kommt man mit wildfremden Passanten ins Gespräch. Das Interesse am kleinen Franzosen ist groß.
   

Bei Ausstattung und Fahrerlebnis muss man hingegen tolerant sein beziehungsweise sich auf das reduzierte Prinzip des AMI einlassen. Im Inneren gibt es statt Türgriffen nur Schlaufen, das Lenkrad ist nicht einstellbar, und die sehr harten Sitze sind für Personen ab 1,85 Meter vor allem im Kopfbereich zu knapp geschnitten. Wie bei der Ente lassen sich die Seitenfenster im unteren Bereich hochklappen, der verglaste Teil im vorderen Dachbereich ist hingegen fest verbaut. Die Fahrstufen des Automatikgetriebes werden nicht über einen Wählhebel, sondern über Tasten links vom Fahrersitz eingelegt. Darüber hinaus gibt es zwei seitliche Spiegel, aber keinen Rückspiegel. Smartphone-Halterung und USB-A-Port stehen zur Verfügung, eine Servolenkung aber nicht. Daran muss man sich beim Rangieren erst wieder gewöhnen.

Vertrieb
Übrigens geht Citroën in Frankreich auch beim Vertrieb neue Wege – so kann man den AMI komplett im Internet bestellen und sich wie ein Amazon-Paket nach Hause liefern lassen. Zudem ist der Erwerb über Kooperationspartner im Einzelhandel sowie über speziell ausgewählte Händler der Marke möglich. Christopher Rux: „Für Citroën ist der zu hundert Prozent elektrische AMI einfach eine clevere Lösung für urbane Mobilität.“

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke