Spitznamen: Untereisesheimer Schlappenscheißer & Obereisesheimer Zwetschgenmärtle

HNV-Fahrplantipps

Weil ein Obereisesheimer Zwetschgendieb vor den Bäumen seiner Untereisesheimer Nachbarn nicht Halt machte, wurden diese zu Schlappenscheißern. Foto: dpa

Wie die Untereisesheimer zu ihrem Spitznamen kamen, darüber kursieren zwei Versionen. Die unverfänglichere – aber auch langweiligere – Variante ist die, wonach die Bewohner des Ortes entgegen modischer Gepflogenheiten in früherer Zeit keine Stiefel, sondern stets Schlappen getragen haben sollen. So wirklich glaubt an diese Version aber niemand. Vermutlich wurde sie erfunden, um den Nachbarn in einem besseren Licht zu erscheinen. Apropos: Mit Nachbarn ist es ja immer so eine Sache: Jahrelang kann das Verhältnis ein gutes sein und dann kommt es zu einem Vorfall, der von jetzt auf nachher alles ändert. So mag es auch in der Beziehung zwischen Unter- und Obereisesheim gewesen sein. Schenkt man der Überlieferung Glauben, haben beide Ortschaften ihre Spitznamen einem einzigen Vorkommnis zu verdanken. Schlappenscheißer „Das Glück gedeiht im eigenen Haus und kann nicht in Nachbars Garten gepflückt werden“. Hätte der Obereisesheimer, der heute als Verursacher ausgemacht wird, vor langer Zeit diesen Ausspruch des englischen Dramatikers Douglas Jerrold gekannt, wären vermutlich sowohl Ober- als auch Untereisesheim ihre Spitznamen erspart geblieben.Überliefert ist jedenfalls folgendes: Weil seine Frau einen Zwetschgenkuchen wollte, hatte sich eines Tages ein Obereisesheimer auf den Weg gemacht, das Obst zu besorgen. Im eigenen Ort blieb die Suche aber erfolglos. Schließlich fiel dem Mann ein, dass es auf Untereisesheimer Markung jede Menge Zwetschgenbäume gibt. Schnurstracks marschierte er zu den Nachbarn, fand was er gesucht hatte, zog seine Schuhe aus, kletterte auf den Baum und erntete die Zwetschgen.Zur gleichen Zeit aber hatte ein Untereisesheimer die Eingebung, nach seinen Obstbäumen zu sehen. Bereits von weitem entdeckte er den Obstdieb, in dem er einen Obereisesheimer erkannte, der einen seiner Bäume plünderte. Bald darauf entdeckte er auch die „herrenlosen“ Schuhe, die der Dieb am Stamm abgestellt hatte. Da den Untereisesheimer just in diesem Augenblick ein menschliches Bedürfnis überkam, war für ihn klar, dass er noch vor Ort Rache üben würde. So hinterließ er einen unschönen Gruß an den Zwetschgendieb. Seither heißen die Untereisesheimer Schlappenscheißer und die Obereisesheimer sind – zurückzuführen auf diebische Marder – Zwetschgenmärtle.        In den 70ern gab es den Schlappenscheißer auch als Figur. Foto: privatSage vom Erbselgeist Noch länger zurück als die Entstehung des Spitznamens liegt die Sage vom Erbselgeist. Im 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648), lag zwischen Wimpfen und Untereisesheim das Zentrum der Auseinandersetzungen. Am 5. und 6. Mai 1622 verwandelte sich die Gegend in ein blutiges Schlachtfeld, auf dem die Kämpfe zwischen den kaiserlichen katholischen Truppen unter General Tilly und den evangelischen Unionstruppen des Markgrafen von Baden tobten. An beiden Tagen gab es mehr als 1000 Tote – darunter auch der württembergische Herzog Magnus, der auf Seiten des Markgrafen gekämpft hatte und am Holzweg gefallen war.Entschieden wurde diese blutige Schlacht in der Kirschenhohle unter anderem durch eine gewaltige Explosion, die den Ausgang der Kämpfe beeinflusst hat. Um dieses Ereignis herum entstanden gleich mehrere Sagen. Eine handelt von einer riesigen weißen Frau, die nach den Kämpfen über dem Schlachtfeld erschien. Eine andere erzählt vom Erbselgeist.Wegen eines Vergehens stand ein Soldat Tillys vor Gericht. Als dieses gerade sein Urteil fällen wollte, traf die Nachricht ein, dass der Markgraf mit seinem Heer im Anmarsch sei. Der Soldat wurde daraufhin sofort aufs Schlachtfeld zurück geschickt, um seine Treue als Kaiserlicher unter Beweis zu stellen.Was der Soldat auch tat: Am 6. Mai preschte er auf seinem Pferd geradewegs ins Pulverdepot des Markgrafen und brachte dort mit Pistolenschüssen den gesamten Pulvervorrat zur Explosion. Dabei starb auch er auf grausame Weise: Die Explosion riss ihm den Kopf ab. Warum auch immer, offenbar wollte er nach seinem Tod auf sich und seine Lage aufmerksam machen: Lange Zeit, so heißt es, habe man nachts im Gebiet zwischen Dornet, Schnait und Erbsel immer wieder einen kopflosen Reiter auf seinem Schimmel gesichtet – den Erbselgeist. Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth     

Zwetschgendieb wird auf ungewöhnliche Weise bestraft

HNV-Fahrplantipps

In Untereisesheim verkehrt die Regionalbuslinie 694. Damit werden Obereisesheim, Neckarsulm und Bad Wimpfen an Wochentagen fast im Halbstundentakt erreicht. In Neckarsulm besteht am ZOB und am Bahnhof die Möglichkeit zum Umstieg auf andere Regionalbuslinien, die Stadtbahn in Richtung Heilbronn oder die Regionalzüge in Richtung Stuttgart, Mannheim oder Würzburg. In Bad Wimpfen bestehen Umsteigemöglichkeiten zu anderen Buslinien und die Stadtbahn in Richtung Sinsheim. red

Zwei silberne, gekreuzte Hellebarden

Spitznamen: Untereisesheimer Schlappenscheißer & Obereisesheimer Zwetschgenmärtle-2

Relativ jung, aus dem Jahr 1946, ist das Ortswappen von Untereisesheim, das zwei gekreuzte, silberne Hellebarden – vom 14. bis zum 16. Jahrhundert waren sie die Stangenwaffen des Fußvolks – auf schwarzem Grund zeigt.

Zuvor zeigten Untereisesheimer Dienstsiegel ganz andere Darstellungen. Ab 1820 beispielsweise wies das Untereisesheimer Wappenschild neben drei württembergischen Hirschstangen ein Hufeisen („Eisen“) als „redendes“ heraldisches Symbol auf, das wohl auf den Ortsnamen hinweisen sollte. Auch auf dem Rathausbrunnen aus dem Jahr 1865 ist heute noch das Hufeisen als Ortswappen angebracht.

Das neue wurde im Jahr 1918 von der Archivdirektion Stuttgart vorgeschlagen, aber erst 1946 von der Gemeinde angenommen. Seit dieser Zeit wird es auch geführt. Vorbild dafür ist ein Siegelwappen des Wilhelm von Eisesheim aus dem Jahr 1382. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde am 4. März 1963 verliehen. Untereisesheims Ortsfarben sind schwarz-weiß. Die hälftig geteilte Ortsfahne trägt ebenfalls die beiden gekreuzten Hellebarden in ihrer Mitte.