„Wann genau es den ersten Nachtwächter in Neuenstein gab, ist nicht bekannt, aber es war im 17. Jahrhundert“, sagt Günter Patzelt. Damals gab es sogar drei: den Hochwächter auf dem Kirchturm und zwei Gassenwächter, die durch die Vordere Gasse (heute Schlossstraße) die Stadt hinunter und die Hintere Gasse wieder hinauf gingen. Neuensteins letzter Nachtwächter Sonnenwald wurde 1915 zum Krieg eingezogen. 1919 veröffentlichte der Gemeinderat zwar einen Bewerberaufruf, sah dann aber von einer Neubesetzung ab, wie in Wilhelm Lamms Buch „Im alten Neuenstein“ nachzulesen ist. Heimat Mit Neuensteins Nachtwächterei hat sich der pensionierte Polizist Patzelt intensiv beschäftigt und sie 2015 – hundert Jahre nach dem letzten Nachtwächter – wiederbelebt. Seither führt er Besucher mit viel Herzblut und Humor durch Neuensteins Straßen und Gässle und erweckt damit „aus Liebe zur Heimat“ ein Stück Stadtgeschichte wieder zum Leben. Wie beim Original fehlen auch bei Patzelt weder Umhang, Hut, Hellebarde, Horn noch Sturmlaterne. „Die vollen Stunden ansingen, Türen und Fensterläden auf Verschluss prüfen, Gaststätten kontrollieren und vor Feuer warnen“, so umreißt er die Aufgaben seiner historischen Vorgänger. Oder: „Eine Kombination aus heutiger Polizei und Feuerwehr.“ Mit einer Strophe des Nachtwächterlieds „Hört ihr Leut’ und lasst euch sagen, unsre Glock hat zehn geschlagen“, einem kurzen Signalstoß zur vollen Stunde sowie einem langen Hornstoß bei Gefahren, drehte er zwischen zehn Uhr abends und drei Uhr nachts seine Runden. Dabei hätten sich die Bürger „über seinen Gesang gefreut, nicht weil er so schön war, sondern weil sie wussten, dass da einer aufpasst“. Der Nachtwächter habe auch „polizeiliche Befugnisse“ gehabt, so Patzelt, konnte Diebe oder Ruhestörer festnehmen und in „den Malefizturm einsperren“. Die Nachtwächter mussten an solchen Stupfuhren zu bestimmten Stunden in ein bis dahin verdecktes Loch einen Zettel stecken und so ihren regelmäßigen Rundgang belegen. Fotos: privatDennoch litten die damaligen Nachtwächter unter „geringem Ansehen und schlechter Bezahlung“, weiß Patzelt. „Wie die Polizei heute auch“, legt er nach, „jeder will sie haben, aber nichts für die Sicherheit ausgeben“. Nachtwächter habe als „unehrenhafter“ Beruf gegolten, ohne gesellschaftlich zuerkannte Ehrbarkeit, und „nach dem Henker und Totengräber auf dem drittletzten Platz der sozialen Skala“ rangiert. „Um über die Runden zu kommen hatten die meisten einen Nebenjob“, sagt er. An Neujahr durften sie von Haus zu Haus gehen und Geschenke einsammeln.Klagen Wie bei Wilhelm Lamm zu lesen ist, gab es auch immer wieder Klagen über „nachlässige Nachtwächter, die an ihre Pflichten erinnert werden mussten“. Dabei gab es für die Bürger sogar eine „Denunziationsgebühr“. 1876 ließ die Stadt an sieben Plätzen mechanische Kontrolluhren montieren, mit denen sie anderntags überprüfen konnte, ob der Nachtwächter sie bei seinem Rundgang angesteuert hatte. 1885 musste die Stadt einen Nachtwächter entlassen, weil er „Unfug mit seinem Revolver verübt hatte und öfters betrunken war“.Wäre er selbst gerne ein echter Nachtwächter gewesen? „Ich denke ja“, sagt Günter Patzelt ohne lange zu überlegen. Trotz schlechter Bezahlung und wenig Ansehen? „Trotz allem, ja“, sagt er, „denn es war ein Stück weit ein sozialer Dienst an der Gemeinschaft und auch in meinem Beruf als Polizist habe ich mich als eine Art Sozialarbeiter in Uniform gesehen. Von Juergen Koch
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Wappen des Ortsadels

Der Spitzhammer, auch als Steinhammer bezeichnet, war schon Bestandteil des Familienwappens des Neuensteiner Ortsadels. In den Hohenloher Hausfarben Weiß und Rot fand er Eingang in das Wappen, das Kaiser Maximilian I. am 15. April 1509 der Stadt Neuenstein verlieh und das auch die nach der Kommunalreform entstandene neue Stadt Neuenstein weiterhin führt.
Über die frühe Geschichte dieses Adelsgeschlechtes ist nur wenig bekannt. Die Herren von Stein, deren Stammburg Kocherstein war, teilten sich vermutlich im zwölften Jahrhundert in mehrere Zweige: die Herren von Neuenstein, von Gabelstein, von Bachenstein, von Wunnenstein, von Bartenstein, die Herren von Bartenau in Künzelsau und das heute noch bestehende Geschlecht der Herren von Stetten auf Schloss Stetten. Für die These der Abstammung der Herren von Neuenstein von den Edelfreien von Stein spricht neben dem Namen vor allem die Verzahnung des Besitzes.
Wappen und Flagge wurden der Stadt Neuenstein am 11. November 1975 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.