Ort der Wunderheilungen

Rote Rosen als Symbol für den ehemaligen Ortsadel

Anno 1597/98, so ist es historisch verbrieft, war die Zeit der Wunderheilungen in Mulfingen. Im Zentrum dabei: die kleine Kapelle St. Anna. Fotos: Ute Böttinger

Anno 1597/98, so ist es historisch verbrieft, war die Zeit der Wunderheilungen in Mulfingen. Aus einem Brunnen bei der kleinen Kapelle St. Anna sprudelte Wasser, welches Menschen aus nah und fern anlockte und ihnen auch vielfach Heilung brachte.     

Als das Gnadenwasser noch in Mulfingen sprudelte

Pilgerstrom
Aus Weinheim in der Pfalz, aus Nürnberg, Weissenberg, Bamberg oder auch aus Frankfurt kamen die Wallfahrer mit ihren unterschiedlichsten körperlichen Gebrechen. Lähmungen, Gehörverlust, offenen Wunden und Geschwülsten, Augenleiden oder gar „100 Löcher im linken Fuß“: Die Aufzeichnungen über die Gesundungen in Mulfingen umfassen einige Seiten, welche im Bistum Würzburg liegen. „Aus dieser Zeit sind uns Akten mit Heilungsberichten erhalten“, erklärt dazu der Mulfinger Pfarrer und Dekan Ingo Kuhbach. Insgesamt 99 bezeugte Heilungen zeigt das Bild eines Baumes mit Namenstäfelchen – ähnlich eines Stammbaumes – im Eingangsbereich der Kapelle. Auf der gegenüberliegenden Seite hängen zudem viele Dankesbekundungen auch aus jüngerer Zeit.

Ursprung
Und auch heute noch ist die St-.Anna-Kapelle ein Ort der Hoffnung und Dankbarkeit. Am Kocher- Jagst-Radweg und an dem Pfad der Stille-Wanderweg gelegen, machen hier vor allem im Sommer viele Menschen Rast. „Es ist ein Ort der einfach gut tut“, so Pfarrer Kuhbach. Darüber hinaus kämen Menschen aber auch ganz gezielt in die kleine Kirche: Um zu bitten und zu beten „für das, was ihnen auf dem Herzen liegt“. Als Ursprung der Kapelle ist das Jahr 1510 überliefert. Nicht ganz klar sei jedoch, ob dies das Jahr der Grundsteinlegung oder der Fertigstellung war. Die St.- Anna-Kapelle hatte in ihrer weit über 500jährigen Geschichte aber auf jeden Fall viele wechselhafte Ereignisse zu verbuchen. So etwa geriet das Kirchlein am Rande von Mulfingen durch die Reformation nahezu in Vergessenheit. Die Sakralfunktion war aufgehoben und anstelle von Altar und Kirchenbänken war eine Wohnstatt für den damaligen Mulfinger Förster und seine Familie eingerichtet.

Gedenken
Amtmann Arnold von Jagstberg setzte sich schließlich anno 1596 für den ursprünglichen Sinn der Kapelle ein und nach 30 Jahren konnte dann dort wieder der erste Gottesdienst gefeiert werden. Was sich mit Bezeugung des Wallfahrtsortes und den vielen Heilungsbekundungen im selben Jahr fortsetzte, ist bis heute erhalten. In jedem Jahr feiern die Mulfinger ihren St.-Anna-Tag mit einem großen Fest. „Dazu kommen auch viele Menschen von auswärts, die sich mit Mulfingen und der St.-Anna-Kapelle verbunden fühlen“, sagt Ingo Kuhbach. Ausfallen musste das Fest und die alljährliche abendliche Lichterprozession von der Kapelle zur Mulfinger Ortsmitte heuer wegen der Corona-Pandemie. Dennoch wurde am 26. Juli, am Namenstag von Anna, der Mutter Marias, mit vier Gottesdiensten zu unterschiedlichen Zeiten festlich gedacht. Von Ute Böttinger

Rote Rosen als Symbol für den ehemaligen Ortsadel

Ort der Wunderheilungen-2

Die Blasonierung des Mulfinger Wappens lautet: „In Rot ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei roten Rosen.“ Die Flagge der Gemeinde ist in Weiß und Rot gehalten.

Die neue Gemeinde Mulfingen führt weiterhin das 1930 festgelegte Mulfinger Wappen, bei dem es sich um das alte Wappen des Ortsadels handelt, das 1486 von Hans von Mulfingen überliefert ist. Die Farbgebung ist allerdings neueren Datums, da nicht überliefert. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde am 11. Januar 1978 vom Landratsamt des Hohenlohekreises verliehen.

Mulfingen wurde 980 erstmals urkundlich erwähnt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken. Im Jahre 1479 erhielt Mulfingen das Marktrecht. 1802 fiel er an die Grafschaft Hohenlohe-Bartenstein. Als im Zuge der Rheinbundakte die hohenlohischen Lande ihre Unabhängigkeit einbüßten, kam Mulfingen 1806 an das Königreich Württemberg. red

HNV-Fahrplantipps

In Mulfingen verkehren mehrere Regionalbuslinien. Die verschiedenen Buslinien verbinden Mulfigen mit den umliegenden Gemeinden im Hohenlohekreis wie Dörzbach, Hollenbach, Buchenbach, Ailringen, Eberbach und Hermuthausen. Nach Künzelsau gibt es unter der Woche viele direkte Busverbindungen. Auch am Wochenende fahren Busse nach Künzelsau. red