„Originell, jedoch nach Überprüfung nicht haltbar“, schickte der verstorbene Ingelfinger Altbürgermeister Heinrich Ehrmann in einem Schriftsatz über den Necknamen Kasimirle voraus. Graf Ludwig Kasimir (1517 bis 1568) war zwar zweifellos der Namensgeber des Kasimirlich, jedoch ranken sich um den Hintergrund des Ingelfinger Spitznamens verschiedene Geschichten.Aufzeichnungen - 30 Jahre lang war Heinrich Ehrmann Bürgermeister in Ingelfingen. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1978 widmete er sich der Heimatforschung und verfasste historische Aufsätze. Nach dem Tod Ehrmanns im Jahr 2010 hatte Bürgermeister Michael Bauer die Idee, die Aufzeichnungen des Altbürgermeisters zur über tausendjährigen Ingelfinger Stadtgeschichte in ein Buch zu fassen. Der Stadtseniorenrat machte sich an die Arbeit, und es entstand ein 250-seitiges Buch, welches 2016 veröffentlicht wurde.Beliebt - In Hohenlohe habe er die Reformation eingeführt, das Schulwesen aufgebaut und außerdem viel „für die Armenfürsorge geleistet“, schrieb Heinrich Ehrmann über Graf Ludwig Kasimir. So beliebt sei er gewesen, dass die meisten Ingelfinger ihre ältesten Söhne dem Grafen zu Ehren Kasimir taufen ließen. Der Einfachheit halber nannte man schließlich alle Ingelfinger so.
Weinkellerei vermarktet Spitznamen der Stadt, der auf einen beliebten Grafen zurückgeht

Jedoch hielt diese Version den Nachforschungen Ehrmanns nicht stand: In den Taufbüchern seien zur damaligen Zeit die Vornamen Casimir und Ludwig allenfalls „sehr selten bekundet worden“.
Auch die zweite Lesart um den Ingelfinger Spitznamen ist wohl mehr der reinen Fantasie entsprungen. Von einem Recht der Ersten Nacht mit einer Braut, dem sogenannten „ius primae noctis“, habe der Landesherr Graf Kasimir Gebrauch gemacht und „sich sehr aktiv und erfolgreich um die Vermehrung der Bevölkerung des Ländchens bemüht, so dass aus den Fenstern der hiesigen Bürgerhäuser zahlreiche Kasimirle herausschauten“.
Jedoch: „Auch für diese Erklärung gibt es keinerlei Anhaltspunkte oder Belege“, schrieb Heinrich Ehrmann in etlichen seiner historischen Aufsätze.
Weingruß nach Stuttgart - Stolz sind die Ingelfinger auf ihren Spitznamen, heißt es im Buch. Bewiesen habe dies die Stadt, beim Bau der Festhalle 1935. „Da war ihr der Kasimirle so wichtig, dass sie das Urbild des Ingelfinger Weingärtners von Bildhauer Dauner aus Ludwigsburg fertigen und in dem hübschen Türmchen des Hauses für jedermann sichtbar aufstellen ließ.“ Für Heinrich Ehrmann war zudem „besonders interessant und aufschlussreich“, der Weingruß, welchen die Ingelfinger Weingärtner anno 1906 nach Stuttgart schickten: „Noch heut ist es männiglich bekannt im ganzen Kochertale, was einst dem Grafen Casimir passierte beim Abendmahle. Da, als er trank vom heil’gen Kelch, rief er enttäuscht betroffen, des heil’gen Orts vergessend: Brr, der ist von Crispenhofen! Wir Ingelfinger heißen nun seit damals Kasimirlich. Was schad’s? Ist unser Wein nur gut, der Nam ist nicht genierlich.“ Von Ute Böttinger
HNV-Fahrplantipps
Silberner Krummstab auf blauem Grund

Das Wappen der Stadt Ingelfingen zeigt einen silbernen Krummstab auf blauem Grund.
Schon das erste bekannte, in Abdrücken des 16. Jahrhunderts überlieferte Siegel der Stadt zeigt diesen Krummstab. Dem Stil nach stammt es aber wohl schon aus dem 15. Jahrhundert.
Der Krummstab wird als Hinweis auf den heiligen Bischof Nikolaus angesehen, der Patron der Ingelfinger Stadtkirche ist. Außerdem wird er zugleich aber auch mit historischen Beziehungen zum Stift Comburg, einem Benediktinerkloster der Diözese Würzburg, in Verbindung gebracht. Die jeweiligen Kirchenpatrone geben übrigens auch den Wappen der Nachbarstädte Künzelsau und Niedernhall ihr Gepräge.
Während die Stadtfarben (Weiß-Blau) bereits feststanden, wurde die Wappenfigur im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts (und bis etwa 1920) mit einer linkshin geöffneter Krümmung dargestellt.
Die jetzige Gestalt des Wappens geht auf einen Beschluss des Gemeinderats vom 10. April des Jahres 1956 zurück. red